Frank Günther: „Das neue Mittelstandsanleihen-Segment wird sich an den High-Yield-Markt anlehnen, aber nach deutschem Recht, mit entsprechenden Covenants, vernünftigen Sicherheiten und einer möglichst standardisierten Dokumentationspflicht.“

One Square Advisors

19.10.15
Finanzierungen

FINANCE-Exklusiv: One Square Advisors plant neues Mini-Bond-Segment

Ausfälle, Betrug, Restrukturierungen. Das Image der Mittelstandsanleihen hat schwer gelitten. One Square Advisors glaubt dennoch an die Zukunft der Mini-Bonds und plant ein neues Marktsegment. Dort wollen die Münchener auch selbst kräftig mitmischen.

Die Bondrestrukturierer von One Square Advisors planen, ein neues Marktsegment für Mittelstandsanleihen einzuführen. „Wir glauben, dass es sinnvoll ist, ein Segment zu haben, das dem  Mittelstand den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht. Das muss aber in einer anderen Form erfolgen als bisher“, sagte Frank Günther, Managing Director bei One Square Advisors, exklusiv gegenüber FINANCE und spielt dabei auf das zuletzt stark demolierte Image der Mittelstandsanleihe an.

„Der Kapitalmarktzugang ist für Mittelständler per se eine sinnvolle Sache. Aber leider wurde das Marktsegment sowohl von Emittenten, als auch von Banken ein Stück weit missbraucht“, beklagt Günther. Die Auswirkungen davon spürt One Square heute in Form eines prall gefüllten Auftragsbuchs – das Beratungshaus ist inzwischen bei fast jeder Mini-Bond-Restrukturierung als gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger mandatiert. Jetzt rüstet sich One Square Advisors für die Zeit nach der Restrukturierungswelle: In Zukunft will Günther die Rolle des Strukturierers einnehmen.

One Square Advisory will abgespeckten LMA-Standard

Das neue Segment soll nach Günthers Vorstellungen vor allem investoren- und nicht emittentengetrieben sein, wie das bisher der Fall ist. Und die Investoren fordern Transparenz. „Das neue Mittelstandsanleihen-Segment wird sich an den High-Yield-Markt anlehnen, aber nach deutschem Recht“, skizziert Günther seine Vorstellungen. Im Mittelpunkt: „Entsprechende Covenants, vernünftige Sicherheiten und eine möglichst standardisierte Dokumentationspflicht.“

Details hierzu möchte Günther noch nicht nennen, die Musterdokumentation sei aber quasi fertig und mit Kanzleien abgestimmt. Sie soll sich an den LMA-Standards orientieren, die unter anderem regelmäßige – zum Beispiel quartalsweise – Berichterstattung erfordern. „Man könnte auch sagen, wir gehen gleich auf eine angelsächsische Dokumentation, aber das würde bei den Emittenten nicht wirklich funktionieren, und diese sollen sich dabei schließlich auch wohl fühlen“, sagt Günther.

In seinen Grundzügen erinnert Günthers Modell stark an den skandinavischen High-Yield-Markt, der sich zu einem international hoch respektierten Anleihesegment gemausert hat und inzwischen um ein Vilefaches größer ist als der deutsche Mini-Bond-Markt.

Größere Anforderungen an Emittenten von Mittelstandsanleihen

Die einheitlichen Standards sind notwendig um den gewünschten Investorenkreis abzuholen, den Günther für das neue Segment im Blick hat. „Durch die angelsächsisch angehauchte Dokumentation sprechen wir hauptsächlich institutionelle Investoren an“.

Neben der höheren Transparenz stellt One Square auch strengere Anforderungen an die Bonität der Emittenten. Diese müsse besser sein als bisher. „Wenn man 8 Prozent Zinsen zahlen muss – das ist der Median – dann hat das ja auch einen Grund“, sagt Günther und sieht die Kupons für sein Segment deutlich niedriger bei 4 und 5 Prozent.

Um diese Bonität zu gewährleisten, braucht ein Unternehmen eine gewisse Reife und Größe. Günther sieht die Umsatzschwelle für neue Emittenten bei mindestens 50 Millionen Euro, wodurch auch das durchschnittliche Emissionsvolumen der Anleihen steigen würde. „Bei einem Emissionsvolumen von 50 Millionen Euro fangen wir an zu reden, 75 bis 100 Millionen Euro sind aber besser“, sagt Günther. „Wir sprechen derzeit mit zwei oder drei möglichen Emittenten und hoffen, dass wir spätestens Anfang nächsten Jahres mit den ersten Emissionen in diesem Feld aufwarten können.“

Markt für Mittelstandsanleihen braucht einen Market Maker

Ein weiteres Problem, das Günther adressieren will, ist die fehlende Handelsliquidität. Der Mini-Bond-Markt braucht einen Market Maker, um große Kurssprünge, so wie zuletzt zum Beispiel bei Scholz, künftig zu vermeiden. „Diese Volatilitäten sind für einen professionellen Anleger Gift, ein professionelles Segment braucht Market Maker, weshalb Banken mitmachen müssen.“

Laut Günther sei die Bereitschaft bei Banken durchaus vorhanden. „Die Großbanken sehen das noch ein wenig distanziert, aber die Wertpapierhandelsbanken finden das schon sehr attraktiv“. Zwar nennt Günther keine Namen, hinter den Wertpapierhandelsbanken dürften sich aller Voraussicht nach aber Häuser wie Oddo Seydler, Equinet und Co. Verbergen, die sich auch als Emissionsbanken bereits engagiert haben.

An einen schnellen Erfolg glaubt Günther gleichwohl nicht: „Das Wichtigste wird sein, Emittenten guter Bonität zu überzeugen, wieder eine Anleihe zu begeben. Und dass sich ein gesundes Unternehmen wie Bastei Lübbe aus dem Segment zurückzieht, sollte künftig nicht mehr vorkommen.“ Der Kölner Verlag hatte vor wenigen Tagen den Abschluss eines neuen Konsortialkredits bekanntgegeben, mit dessen Hilfe CEO/CFO Thomas Schierack die ausstehende Mittelstandsanleihe von Bastei Lübbe zurückzahlen will.

„Ich befürchte, dass in den kommenden Monaten noch eine weitere Welle an Mini-Bond-Insolvenzen kommt“, sagte Schierack kürzlich DerTreasurer, einer Schwesterpublikation von FINANCE. Er wollte vermeiden, dass sein Unternehmen mit den weniger soliden Emittenten in Zusammenhang gebracht wird, so die Begründung. Außerdem sei die Verzinsung mit weniger als 2 Prozent deutlich geringer, als bei der Anleihe.

One Square Advisors tritt in Konkurrenz zu Oddo Seydler & Co.

Als Hemmnis bei der Etablierung seines Vorhabens könnten sich aber ausgerechnet Günthers eigene Wachstumspläne für sein Beratungshaus erweisen. Denn als Strukturierer würde Günther genau jenen Playern Konkurrenz machen, auf deren Entgegenkommen er bei seiner Qualitätsoffensive setzt.

Zwar stimmen so gut wie alle Platzierungshäuser Günthers Einschätzung zu, und auch den Bedarf für einen echten Neustart des Segments stellt kaum jemand in Zweifel. Aber es könnte dem einen oder anderen Brokerhaus schwerfallen, ein Marktdesign aus dem Hause One Square zu übernehmen, das dem Newcomer dann starke Argumente liefern würde, einen nennenswerten Anteil der neuen Bondemissionen abzugreifen.

One Square Advisors will bei Schiffsfinanzierungen mitmischen

Anders sieht es bei Günthers zweitem Zielmarkt aus. Der umtriebige Berater will auch das kriselnde Geschäft mit Schiffsfinanzierungen aufmischen. Günther hält das bisherige Finanzierungsmodell über KG-Strukturen für tot und rechnet in der Branche zunehmend mit Eigenkapitalfinanzierungen über den Kapitalmarkt oder Private-Equity-Investoren.

Die Banken stünden allerdings nur noch bis zu einem Beleihungswert („Loan-to-Value“: LTV) von 60 oder 65 Prozent bereit. Als Brücke zum Eigenkapital sieht Günther „eine besicherte Schiffsanleihe im zweiten Rang, so dass man mit 15 bis 20 Prozent Eigenkapital auskommt.“ Seine Geschäftserwartungen sind groß: Wir glauben, dass hier künftig sehr viel passieren wird und haben nicht umsonst ein Hamburger Büro“, sagt Günther.

Im Gegenzug zum Mini-Bond-Markt dürften die derzeitigen Platzhirsche im Schiffsfinanzierungsmarkt – allen voran die norddeutschen Landesbanken und die Commerzbank, die sich ohnehin auf dem Rückzug befindet – wenig dagegen einzuwenden haben, wenn ein innovativer neuer Player mit frischen Ideen an den Markt kommt. Letzten Endes könnten Schiffs-Bonds auch den krisengeschüttelten Banken Möglichkeiten eröffnen, ihr Kreditengagement in der Schifffahrt zu reduzieren oder notleidende Kredite zu restrukturieren.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de