Q-Cells

10.09.12
Finanzierungen

Finanzierung in Krisen wird schwieriger

An der ersten Auflage des „Restrukturierungsbarometers“ haben sich 130 Banker aus dem Intensive-Care-Bereich beteiligt. Klares Ergebnis: Besonders die Finanzierungsbedingungen und die Zusammenarbeit in Pools ist in den vergangenen sechs Monaten schwieriger geworden. Noch ist die Lage relativ ruhig, doch das wird sich im zweiten Halbjahr ändern, glauben die Befragten.

Schlecker, Q-Cells und Praktiker – gefühlt mehren sich Schieflagen und Insolvenzen großer Unternehmen. Zudem ist das gesamtwirtschaftliche Umfeld durch die Euro-Krise geprägt. Was bedeuten das für die Intensive-Care-Abteilungen der Banken? Wie ausgelastet sind sie und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit in Kreditkonsortien?

Antworten auf diese und andere Fragen liefert das Restrukturierungsbarometer (zu den vollständigen Ergebnissen geht es hier). Erstmals hat FINANCE mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner spezialisierte Banker aus dem Intensive-Care-Bereich zu Ihren Einschätzungen befragt. 130 der rund 400 Angeschriebenen haben geantwortet. Die angeschriebenen Experten repräsentieren alle drei Säulen des deutschen Bankensystems sowie Auslandsbanken, die in Deutschland tätig sind. Die Befragten arbeiten sowohl in den Stabsstellen der Institute als auch in regionalen Einheiten. Auch deutsche Warenkreditversicherer sind in die Befragung einbezogen worden.

Viele Probleme sind hausgemacht

Recht eindeutig zeigt sich, dass die Finanzierung von Restrukturierungsfällen derzeit schwierig ist. Dieser Ansicht sind rund 44 Prozent der Befragten gegenüber nur rund 4,5 Prozent, die die Finanzierungsbedingungen für leicht oder sogar sehr leicht halten. Auch die Entwicklung ist klar: Im Vergleich zur Situation vor einem halben Jahr sind immerhin rund 36 Prozent der Ansicht, dass Finanzierungen schwieriger geworden sind.

Die Gründe dafür liegen nach Meinung der Befragten aber nicht primär in der vieldiskutierten Regulierung der Banken (Stichwort Basel III). Jeder zweite Befragte ist vielmehr der Ansicht, dass die Komplexität der zu lösenden Restrukturierungsfälle zugenommen hat.

Zudem sind die Krisenfälle von heute sind viel stärker strukturell bedingt (rund 42 Prozent) als durch eine schwache Konjunktur oder ein ungünstiges Makroumfeld (18 Prozent). Das heißt: Viele Probleme sind zurzeit hausgemacht, also durch die Managementfehler der letzten Jahre hervorgerufen. Infolgedessen ist auch bei der Innenfinanzierung häufig nicht mehr viel zu holen. In zwei Dritteln der Fälle war dieses Potential schon ausgeschöpft. Ein aus Bankensicht bedenklicher Trend ist, dass dabei auch die Bereitschaft der Gesellschafter der angeschlagenen Unternehmen sinkt, sich finanziell zu beteiligen. Diese Zurückhaltung wiederum weist auf eine aufgezehrte Substanz oder eine sehr verfahrene Krisensituation hin – also ebenfalls auf komplexere Krisenfälle.

Wenn dann bei sogenannten Finanzierungspools auch noch mehrere Häuser bei einem gemeinsamen Kreditengagement zusammenarbeiten müssen, wird es kniffelig. Mehr als ein  Drittel der Befragten gab an, dass dies schwieriger ist als noch vor sechs Monaten. Dies liegt möglicherweise auch an den internen Problemen einzelner Häuser.

Zweites Halbjahr wird anspruchsvoller

Unter dem Strich wird die aktuelle Situation von den Panelteilnehmern noch als stabil eingeschätzt. Die Befragten erwarten aber ein deutlich anspruchsvolleres zweites Halbjahr mit schwierigen Finanzierungsbedingungen und einem stärkeren Handel mit notleidenden Krediten. Bemerkenswert ist, dass etwa 60 Prozent der Experten eine zunehmende Anzahl von Restrukturierungsfällen erwartet – und nur 5 Prozent eine Abnahme. Die Krisenexperten unter den Finanzierern blicken vor dem Hintergrund des aktuellen Makroumfeldes also besorgt in die Zukunft. 

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Das Restrukturierungsbarometer …

… ist eine Onlineumfrage unter Professionals aus den Intensive-Care-Einheiten von Banken, die FINANCE in Zusammenarbeit mit Struktur Management Partner durchführt. Die Umfrage beleuchtet erstmals die aktuelle Marktsituation in der Finanzierung von Krisenfällen. An der aktuellen Umfrage haben 130 Spezialisten teilgenommen und die Fragebögen ganz oder teilweise ausgefüllt. Durch wiederkehrende Fragen sollen Trends im Restrukturierungsbereich identifiziert werden