Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller Adidas hat eine grüne Finanzierung getätigt.

Adidas

05.10.20
Finanzierungen

Finanzierungen: Adidas, Siemens Energy, Tui

Adidas begibt seine erste nachhaltige Anleihe, Siemens Energy ist nun börsennotiert und Tui äußert sich zu Medienberichten rund um eine Kapitalerhöhung – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Adidas platziert erste nachhaltige Anleihe

Adidas nutzt den Green-Finance-Markt: Der Sportartikelhersteller hat erstmals eine Nachhaltigkeitsanleihe begeben. Das Volumen des Bonds beträgt 500 Millionen Euro, die Laufzeit liegt bei acht Jahren und der Zinskupon beläuft sich auf 0 Prozent. Adidas zufolge war das Angebot mehr als fünfmal überzeichnet. „Der Erlös wird in Umwelt- und Sozialinitiativen des Unternehmens investiert, da wir auch in Zukunft im Bereich der Nachhaltigkeit in unserer Branche führend sein wollen.“, erklärt Finanzvorstand Harm Ohlmeyer.

JP Morgan hat die Transaktion als Sole Sustainability Structuring Agent und Global Coordinator und zusammen mit BNP Paribas und Commerzbank als Joint Active Bookrunner begleitet. Adidas reduziert im Zusammenhang mit der Emission den im Zuge der Coronakrise aufgenommenen revolvierenden KfW-Kredit um 500 Millionen Euro auf nun 2,1 Milliarden Euro. Anfang September hatten die Herzogenauracher bereits zwei Anleihen in Höhe von insgesamt 1 Milliarde Euro platziert. 

Siemens Energy an der Börse

Die abgespaltene Energietechnik-Tochter Siemens Energy ist nun börsennotiert. Die Erstnotiz betrug 22,01 Euro, was einer Bewertung von 16 Milliarden Euro entspricht, und damit deutlich unter den Erwartungen des Unternehmens lag. Ursprünglich hatten die Analysten den Wert des Spin-Offs von Siemens auf 20 bis 22 Milliarden Euro geschätzt, was Kursen in den hohen 20ern entspräche. Der Mutterkonzern hält jetzt nur noch 35 Prozent an der Energietechnik-Tochter. 

Tui äußert sich zu Medienberichten über Kapitalerhöhung

Tui hat sich in einer Stellungnahme zu Presseberichten über eine möglicherweise geplante Kapitalerhöhung geäußert. Der Konzern stellt darin klar, dass er weiterhin verschiedene Maßnahmen prüft, um die Bilanzstruktur und das Fälligkeitsprofil zu verbessern. Dazu kann auch eine kurz- oder mittelfristige Kapitalerhöhung dienen. Tui betont allerdings, dass diese deutlich kleiner ausfallen würde, als die in der Presse kolportierten 1 bis 1,5 Milliarden Euro. Tui-Chef Friedrich Joussen hatte die Berichte über eine solche Kapitalerhöhung bereits in der vergangenen Woche vor Wirtschaftsjournalisten dementiert.

Weitere Meldungen

Die Gewerbeimmobilienfirma Epic Suisse hat ihren geplanten Börsengang an der Schweizer Börse Six verschoben. Aufgrund der aktuell schlechten Marktbedingungen hat das Unternehmen gemeinsam mit der UBS als Sole Global Coordinator und Joint Bookrunner beschlossen, den IPO vorerst aufs Eis zu legen, heißt es in einer Mitteilung von vergangenem Dienstag. Das Marktumfeld und die Möglichkeiten für einen künftigen Börsengang will Epic dennoch weiter beobachten. Der Börsengang sollte ursprünglich vergangenen Donnerstag erfolgen. Epic Suisse wollte mit der Transaktion einen Bruttoemissionserlös in Höhe von 200 Millionen Schweizer Franken (rund 186 Millionen Euro) einsammeln. 

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat im September eine neue Anleihe über 1,5 Milliarden Euro emittiert. Der Bond ist in zwei Tranchen über je 750 Millionen Euro unterteilt. Die erste Tranche hat eine Laufzeit bis 2025 und wird mit 3 Prozent verzinst. Die zweite bis 2028 laufende Tranche hat einen Zinskupon von 3,75 Prozent. Die Anleihe ist die erste aus einem neu aufgelegten 7,5 Milliarden Euro schweren Anleiheprogramm von ZF. Das begleitende Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank wurde rechtlich von der Kanzlei Clifford Chance (Federführung: Sebastian Maerker) beraten.

Der Industriedienstleister Kaefer Isoliertechnik hat eine Kreditfazilität in Höhe von 45 Millionen Euro abgeschlossen. Diese wird von der KfW im Rahmen eines ihrer Coronavirus-Hilfsprogramme gemeinsam mit den bestehenden Konsortialbanken bereitgestellt, wie Kaefer mitteilt. Der Kredit hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Herter & Co. begleitete Kaefer bei der Transaktion als Sole Debt Advisor. 

Die Schiffbaugruppe MV Werften erhält möglicherweise Überbrückungshilfen vom Bund. Wie die Nachrichtenagentur „dpa-AFX“ berichtet, heißt es aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen Finanzministerium, dass sich der Bund dazu bereit erklärt habe, den Werften in Wismar, Rostock und Stralsund einen Überbrückungskredit über 190 Millionen Euro bereitzustellen. Gespräche dazu seien bereits geführt und nahezu abgeschlossen sein. Mit dem Kredit könne MV Werften die Finanzierung bis zum Jahresende sicherstellen.

Die digitale Marketing-Plattform Sendinblue hat sich in einer Finanzierungsrunde 140 Millionen Euro gesichert. Geldgeber sind die Venture-Capital-Unternehmen Bpifrance, Bridgepoint und Partech. Die frischen Mittel will Sendinblue für die Produktentwicklung und weitere Expansion verwenden.

Der Nürnberger Display-Lösungsanbieter Via Optronics hat einen IPO an der New Yorker Börse mit einem Emissionsvolumen von 94 Millionen Dollar (rund 80,1 Millionen Euro) vollzogen. Das Angebot des Unternehmens betrug 6,25 Millionen American Depositary Shares (ADS), darunter 1,25 Millionen Stammaktien zu einem Preis von 15 Dollar (rund 12,8 Euro) je ADS im Rahmen eines öffentlichen Angebots. Der Preis lag am unteren Ende der Preisspanne. Berenberg fungierte bei dem Börsengang als alleiniger Bookrunner, Lead Manager war Craig-Hallum Capital Group. Die beiden Underwriter wurden rechtlich von der Kanzlei Skadden (Federführung: Katja Kaulamo) beraten. Via wurde von Dechert (Federführung: Federico Pappalardo und David Rosenthal) begleitet. Außerdem beriet die Boutique Kloepfel Corporate Finance das Unternehmen als Financial Advisor.

Das Biopharmazieunternehmen Relief Therapeutics hat die Durchführung einer Kapitalerhöhung beschlossen. Der Emissionserlös soll rund 17,9 Millionen Schweizer Franken (rund 16,5 Millionen Euro) betragen. Die Mittel will das Unternehmen unter anderem für weitere klinische Studien mit Covid-19-Erkrankten verwenden. 

Marktmeldungen

Gute Nachrichten aus der Rating-Kategorie BBB. Laut einem aktuellen Report von S&P stabilisieren sich die Bewertungen. Im August ist laut S&P Global Ratings nur ein neuer Titel in das Universum der Fallen Angels hinzugekommen. Außerdem hätten es wieder mehr Unternehmen aus der Gruppe der potentiellen gefallenen Engel herausgeschafft und ihre Ratings stabilisiert.

Die Kreditvermittlungsplattform FinMatch hat eine Partnerschaft mit der Förderbank KfW abgeschlossen. FinMatch hatte in der Coronakrise viele Anträge auf KfW-Hilfen weitergeleitet. Die Kooperation soll die Zusammenarbeit zwischen der Plattform und der Bank noch verstärken.  

Ratingmeldungen

Moody’s hat das Rating des Leverkusener Werkstoffherstellers Covestro bei Baa2 bestätigt. Der Ausblick bleibt negativ. Zuvor hatte Covestro die Übernahme der Beschichtungssparte des niederländischen Konkurrenten Royal DSM für 1,6 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Finanzierung der Übernahme wird durch eine Brückenfinanzierung von Barclays und der Deutschen Bank gesichert. Covestro wurde beim Abschluss der Finanzierung rechtlich von Hengeler Mueller (Federführung: Johannes Tieves und Peter Dampf) beraten.

Scope bestätigt das Rating des Immobilienunternehmens Adler Real Estate bei BB. Den Ausblick verändert die Ratingagentur von positiv zu stabil. Scope begründet dies mit der Erwartung, dass sich die Kreditkennzahlen von Adler in den kommenden zwölf bis 18 Monaten nicht ausreichend verbessern werden, um ein Upgrade zu rechtfertigen.

Scope hat das Rating des Immobilienentwicklers Euroboden bei B+ bestätigt. Der Ausblick ist stabil. Die Bestätigung spiegelt Scope zufolge die gestiegenen Umsatz- und Betriebsergebniserwartungen sowie die erwartete erfolgreiche Platzierung einer neuen Anleihe in Höhe von 75 Millionen Euro wider.

Scope bestätigt das Rating des Hamburger Solar- und Windparkbetreibers Encavis bei BBB-. Der Ausblick ist stabil. Scope begründet dies unter anderem mit einem geschützten Geschäftsmodell des Unternehmens und einer sich kontinuierlich verbessernden Diversifikation.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker.