Finanzierungen: BMW, Praktiker, Siemens

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03.09.12
Finanzierungen

Finanzierungen: BMW, Praktiker, Siemens

BMW hat als erstes deutsches Unternehmen eine Rupien-Anleihe begeben. Praktiker will bei einem neuen Kredit nun doch noch mit Großaktionär Semper Constantia Privatbank zusammenarbeiten. Siemens kehrt mit Anleihe-Paket an europäischen Bondmarkt zurück Diese und weitere Finanzierungen finden Sie im FINANCE-Überblick.

BMW platziert Rupien-Bond

BMW hat als erstes deutsches Unternehmen eine Rupien-Anleihe begeben. HSBC hat für die BMW India Financial Services, eine indirekt gehaltene hundertprozentige Tochter der BMW AG, eine Multi-Tranche-Anleihe in indischen Rupien platziert. BMW hat eine Anleihe in drei Tranchen von zwei-, drei- und fünfjähriger Laufzeit mit einem Gesamtvolumen von 8 Milliarden Rupien (rund 120 Millionen Euro) begeben. Der Kupon beträgt bei der zweijährigen Tranche 9,95 Prozent, der dreijährigen 10,05 Prozent und der fünfjährigen 10,25 Prozent. So konnten die zwei- und dreijährigen Tranchen fünf Basispunkte über dem unteren Ende der Zeichnungsspanne, die fünfjährige sogar am unteren Ende platziert werden.

„Das ist ein großer Fortschritt bei der Öffnung des indischen Kapitalmarkts“, sagt Ingo Nolden, Direktor Debt Capital Markets Corporates bei HSBC in Deutschland, einer Mitteilung zufolge. Die BMW-Tochter nutze die Anleihe, um ihr Wachstum in Indien zu finanzieren und die Investorenbasis dort zu verbreitern, heißt es weiter. „Wir gehen davon aus, dass dieser Weg der Kapitalbeschaffung am lokalen Kapitalmarkt für viele weitere multinationale Unternehmen interessant ist“, sagt Nolden weiter. „Denn Auslandsgründungen erhalten damit die Möglichkeit, über den streng regulierten Kreditmarkt hinaus vor Ort das nötige Kapital zur Wachstumsfinanzierung zu beziehen und neue Investoren zu gewinnen.“ Eine Aufnahme von Rupien außerhalb Indiens und deren Transfer ins Land ist bisher nicht möglich. HSBC agierte als Sole Arranger, Structuring Agent and Rating Advisor bei dieser Transaktion.

Praktiker plant Wechsel des Kreditgebers

Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker will bei einem neuen Kredit erneut den Partner wechseln: Jetzt soll doch ihr Großaktionär, die österreichische Semper Constantia Privatbank AG, zum Zuge kommen. Mit dem Investor Anchorage will sie nicht weiter exklusiv über frisches Geld verhandeln. Die Privatbank habe am vergangenen Mittwoch ein neues Kreditangebot vorgelegt, teilte die Baumarktkette mit. Als Grund für den Meinungswechsel nannte das Unternehmen Nachforderungen von Anchorage, die nicht erfüllt werden könnten. Mit Semper Constantia sei bereits ein erstes, positiv verlaufenes Gespräch über die Finanzspritze geführt worden. Praktiker rechnet kurzfristig mit der Vertragsunterzeichnung und setzt dabei auch auf bessere Konditionen.
Ende Juli hatte Praktiker einen Vorschlag von Großaktionärs Semper Constantia zur Finanzierung des Konzernumbaus abgelehnt. Dieser sei nicht ausreichend und biete nicht die notwendige Sicherheit, sagte Praktiker-Vorstandsvorsitzender Kay Hafner seinerzeit.

Der SDAX-Konzern verhandelte seither mit Anchorage über eine Finanzierung des dringend benötigten Sanierungsprogramms. Die Verhandlungen ziehen sich seit Wochen ergebnislos hin. FINANCE hatte vor einigen Tagen aus Finanzkreisen erfahren, dass bei Praktiker die Zweifel an der Finanzierung von Anchorage wachsen. Offenbar will der US-Fonds zunächst nur einen Teilbetrag der versprochenen 85 Millionen Euro freigeben.

Siemens kehrt mit Anleihe-Paket an europäischen Bondmarkt zurück

Erstmals nach gut drei Jahren Abstinenz zapfte Siemens wieder den europäischen Bondmarkt mit einem Quartett an Anleihen in Euro und Pfund Sterling an. Der Münchener DAX-Konzern plazierte jeweils zwei Euro- und zwei Sterling-Anleihen und erzielte dabei Laufzeiten von bis zu 30 Jahren und sicherte sich so die derzeit niedrigen Refinanzierungskosten.

Zuletzt war Siemens im Februar 2009 mit Eurobonds auf den Markt gekommen. Damals musste für eine achtjährige Emission ein Kupon von 5,425 Prozent geboten werden. Der neue 7,5-jährige Bond über 1 Milliarde Euro hat nun einen Kupon von 1,5 Prozent. Die zweijährige Anleihe über 400 Millionen Euro besitzt einen Kupon von 0,375 Prozent. Die Pfundanleihen haben insgesamt ein Volumen von 1 Milliarde Pfund Sterling. Die 13-jährige Tranche über 350 Millionen britischen Pfung besitzt einen Kupon von 2,75 Prozent. Bei der 30-jährigen Tranche über 650 Millionen Pfung Sterling liegt der Kupon bei 3,75 Prozent. Konsortialführer für die Euro-Tranchen sind Barclays, Bank of America Merrill Lynch, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Societe Generale. Für die beiden Sterling-Bonds sind Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank und UBS mandatiert.

Im Februar dieses Jahres hatten sich die Münchener in den USA frisches Geld besorgt und Optionsschuldverschreibungen über 3 Milliarde US-Dollar begeben. Als Begründung waren auch damals die attraktiven Marktbedingungen genannt worden. Der Erlös diente zur Refinanzierung von fälligen Anleihen über insgesamt rund 3,5 Milliarden Dollar.    

Volkswagen verzinst zehnjährige Anleihe mit 2,375 Prozent

Die VW-Finanztochter Volkswagen International Finance NV hat eine in Euro denominierte, zehnjährige Anleihe gepreist, wie eine der beteiligten Banken mitteilte. Das Volumen beträgt 1 Milliarde Euro. Der Kupon liegt bei 2,375 Prozent. Die Rendite beträgt 70 Basispunkte über Midswaps. Leadmanager sind Barclays, BNP Paribas, Royal Bank of Canada und UniCredit.

S&P hat den Ausblick für die Bonität der Volkswagen AG auf positiv von stabil angehoben. Der Konzern könne die Übernahme von Porsche stemmen, begründete die Ratingagentur den Schritt. Das Sportwagengeschäft von Porsche werde das Geschäft stärker diversifizieren und mit der Zeit dazu führen, dass die Premium- und Luxussegmente einen größeren Anteil zum Konzerngewinn beisteuern. Das Lang- und Kurzfristrating bestätigte S&P mit A-/A-2. Die Bonitätsnoten könnten in den kommenden zwei Jahren angehoben werden, sollten die Gewinnkennzahlen von Volkswagen in dem schwierigen makroökonomischen Umfeld stark blieben.

Clariant platziert Cross-Over-Bond

Das Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant hat einen Cross-Over-Domestic Bond in zwei Tranchen über 375 Millionen Schweizer Franken begeben. Die erste Tranche über 215 Millionen Schweizer Franken hat einen Kupon von 2,5 Prozent p.a. und eine Laufzeit von sechs Jahren. Die zweite Tranche über 160 Millionen Schweizer Franken hat einen Kupon von 3,5 Prozent und eine Laufzeit von zehn Jahren. Der Emittent ist die Clariant AG. Die Ratingagenturen beurteilen das Spezialchemieunternehmen zum Teil im Investmentgrade, zum Teil darunter: Clariant wird von S&P mit BBB-, Ausblick negative und von Moody’s mit Ba1, Ausblick stabil bewertet.

Holcim platziert achtjährigen Bond

Der Schweizer Baustoffproduzent Holcim Ltd. platziert eine achtjährige Anleihe über 500 Millionen Euro platzieren. Der Koupon beträgt 2,625 Prozent. Der Spread liegt bei 120 Basispunkten gegenüber Midswaps. HSBC Holdings, Santander, Société Générale und UniCredit sind die Lead Manager der Transaktion. Moody’s bewertet Holcim mit Baa2, S&P mit BBB.

Neues von den Mittelstandsanleihen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) hat am 28. August 2012 den Wertpapierprospekt zur Emission der Unternehmensanleihe der Travel24.com AG gebilligt. Damit konnte wie geplant die Vorbereitung zur Emission abgeschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Anleihe kann nun über die Internetseite der Travel24.com AG, die Hausbank der Interessenten und das Zeichnungstool der Börse Frankfurt gezeichnet werden. Ab dem 17. September 2012 wird die Anleihe im Open Market der Frankfurter Wertpapierbörse im Segment „Entry Standard für Anleihen“ notiert werden. Die Emissionserlöse der Anleihe wird die Travel24.com AG zum einen zur weiteren Internationalisierung ihres bestehenden Geschäfts im Online-Reisemarkt einsetzen und zum anderen wird der Großteil der zufließenden Mittel für den bekannten Einstieg in das neue Geschäftsfeld der Budget-Design-Hotels verwendet werden.

Die Karlsberg Brauerei will eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro begeben. Das Karlsberg Wertpapier ist mit einem festen nominalen Zinssatz von 7,375 Prozent p.a. und einer Laufzeit von fünf Jahren ausgestattet, teilte das familiengeführte Mittelstandsunternehmen aus dem Saarland am Montag mit. Zudem sei eine Notierungsaufnahme im Segment für Mittelstandsanleihen der Frankfurter Wertpapierbörse vorgesehen. Begleitet wird die Emission von der IKB als Selling Agent. Der Emissionserlös soll nach Unternehmensangaben in die nachhaltige Fortentwicklung des Unternehmens und des Produktportfolios investiert werden. „Wir wollen mit der Anleihe unsere Finanzierungsstruktur diversifizieren, das Wachstum unserer starken Marken begleiten und die operative Ertragsverbesserung der letzten Jahre nochmals beschleunigen“, sagt Christian Weber, Verantwortlicher für die strategische Unternehmensführung sowie Sohn und designierter Nachfolger von Karlsberg-Chef Dr. Richard Weber. „Mit dieser Maßnahme steigt unsere Flexibilität.“ Karlsberg zählt mit einem Umsatz von rund 160 Millionen Euro und einem Ausstoß von rund 2,8 Millionen Hektoliter im Jahr 2011 eigenen Angaben zufolge zu den größten Brauereigruppen Deutschlands in Familienbesitz.

Der Fruchtsafthersteller Valensina hat seine Unternehmensanleihe 2011/16 um 15 Millionen Euro aufgestockt. Die Tranche wurde bei institutionellen Investoren zu einem Kurs von 100,00 Prozent platziert. Die Anleihe, die bis April 2016 läuft hat damit ein Volumen von insgesamt 65 Millionen Euro. Der Kupon beträgt 7,375 Prozent. Am 12. Oktober wird die Aufstockungstranche mit der bestehenden Anleihe zusammengeführt. Bis dahin hat die neue Tranche eine eigene WKN und ISIN. Die Transaktion wurde von der Close Brothers Seydler Bank als Sole Global Coordinator begleitet. Valensina wurde von Conpair beraten.

Weitere Finanzierungsmeldungen

Die Nestlé Finance International Ltd, der Finanzierungsarm des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestle SA, hat den Preis für eine zehnjährige Euro-Benchmark-Anleihe im Bereich von 20 Basispunkten gegenüber Midswaps festgelegt, teilte eine der beteiligten Banken am Montag mit. Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas, HSBC und die Royal Bank of Scotland sind die Lead Manager der Transaktion. Der Preis wird voraussichtlich im Verlauf des Montags festgelegt. Moody’s bewertet den Emittenten mit Aa2 und S&P mit AA.

Die BayernLB finanziert den Erwerb des Düsseldorfer Büroobjekts „doubleU“ auf dem ehemaligen Areal der Rheinmetall („Die Unternehmerstadt“) durch einen Fonds des kanadischen Investors Dundee International REIT. Das Finanzierungsvolumen beträgt 26 Millionen Euro.

Die Krediratingagentur JCR Eurasia Rating (JCR) hat die Hotelgruppe Marti Group erstmals auf Investitionsstärke, finanzielle Struktur und wirtschaftliches Zukunftspotential hin untersucht und dem Unternehmen eine „BBB-“-Bewertung gegeben.

Das Berliner Start-up-Unternehmen Barzahlen hat in einer weiteren Finanzierungsrunde die Beteiligungsfirma Alternative Strategic Investments (Alstin) als Investor gewinnen können. Hinter Alstin steht der ehemalige AWD-Gründer Carsten Maschmeyer.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de