08.10.12
Finanzierungen

Finanzierungen: Nestlé, Biesterfeld, Praktiker

Nestlé sammelt 5 Milliarden Euro von den Banken ein, Praktiker schrammt dank erfolgreichen Refinanzierungsverhandlungen knapp an der Insolvenz vorbei und Biesterfeld begibt erstmals ein Schuldscheindarlehen. Diese und weitere Finanzierungen finden Sie im FINANCE-Überblick.

Nestlé bekommt 5-Milliarden-Euro-Kredit

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat seinen Bankenkredit über 4,5 Milliarden Euro erneuert. Aufgrund der regen Nachfrage der Banken bei der Syndizierung wurde das Kreditvolumen auf 5 Milliarden Euro ausgedehnt. Die revolvierende Kreditfazilität hat eine Laufzeit von 364 Tagen und soll für allgemeine Unternehmenszwecke genutzt werden. Citi koordinierte die Transaktion, 14 weiteren Banken waren ebenfalls beteiligt. Erst im vergangenen Monat hatte sich Nestlé bereits am Bondmarkt 850 Millionen Euro zum Rekord-Kupon von 1,75 Prozent auf zehn Jahre gesichert.

Biesterfeld debütiert mit Schuldscheindarlehen

Das Chemie- und Kunststoffdistributeur Biesterfeld hat sein erstes Schuldscheindarlehen platziert. Aufgrund der Überzeichnung wurde das Darlehen von den ursprünglich angedachten 35 auf 45 Millionen Euro aufgestockt. Die Laufzeiten der Schuldscheine betragen vier beziehungsweise sechs Jahre. Biesterfeld will mit der Transaktion seine Finanzierung längerfristig aufstellen und diversifizieren. Die HSH Nordbank hat den Schuldschein arrangiert und platziert.

Praktiker erzielt Durchbruch bei Refinanzierungsverhandlungen

Praktiker entgeht noch einmal knapp der Insolvenz. Die angeschlagene Baumarktkette erhält einen Kredit von 40 Millionen Euro von einer Investorengruppe der österreichischen Bank Semper Constantia. Weitere 20 Millionen sollen nach erfolgreicher Kapitalerhöhung folgen. Die Investoren Whitesmith Private Equity und Donau Invest haben mit Praktiker eine Backstop-Regelung vereinbart, nach der sie nicht gezeichnete neuen Aktien zu einem Bezugspreis von 1,08 Euro in einem Umfang von bis zu 40 Millionen Euro übernehmen. Die Back-Stop-Vereinbarung fördert laut Praktiker die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Platzierung der Bezugsrechtsemission für die Kapitalerhöhung. Zudem verhandelt Praktiker mit einem weiteren ungenannten Geldgeber über 15 Millionen Euro. Die insgesamt 75 Millionen Euro liegen leicht unterhalb der geplatzten Finanzierung durch den US-Fonds Anchorage. Dieser hätte 85 millionen zuschießen sollen.

Zalando bekommt Fremdkapital

Der Online-Versandhändler Zalando hat sich Kredite für sein erstes Logistikzentrum gesichert. Insgesamt 40,7 Millionen Euro an Fremdkapital erhielt Zalando. Zudem soll mit dem Geld das laufende Geschäft unterstützt werden. Zu den Geldgebern zählen die Commerzbank, die KfW Förderbank und die Sparkasse Mittelthüringen.

Vitus refinanziert Immobilien-Portfolio für Mehrfamilienhäuser

Die Vitus-Gruppe hat ihr Mehrfamilien-Immobilen-Portfolio refinanziert. Das Finanzierungspaket besteht aus einer Verbriefung gewerblicher Immobiliendarlehen (Commercial Mortgage Backed Securitisation, CMBS)  in Höhe von 754 Millionen Euro sowie einem Mezzanine-Darlehen eines institutionellen Investors. Die Erlöse dienen der Refinanzierung von Darlehen, die Vitus im Rahmen einer früheren Verbriefung gewährt wurden. Nach der planmäßigen Darlehensfälligkeit 2017 besteht eine optionale siebenjährige Restlaufzeit. Die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat die Transaktion beraten. Es handelt sich hierbei um die erste in Euro denominierte und mit neuem Kapital finanzierte CMBS-Transaktion seit Beginn der Finanzkrise.

SAF-Holland refinanziert sich vorzeitig

SAF-Holland hat seine seit 2008 bestehende Finanzierungsvereinbarung mit einem neuen Konsortialkredit vorzeitig abgelöst. Dabei wurde das Volumen auf 260 Millionen Euro aufgestockt und die Laufzeit bis 2017 verlängert. Laut SAF-Holland haben sich die Finanzierungsbedingungen verbessert. Kreditgeber sind die Bayerische Landesbank, die Commerzbank, die IKB sowie die UniCredit Bank.

Crédit Agricole finanziert Mehrheitsbeteiligung von XCMG an Schwing

Die Crédit Agricole hat den Erwerb eine 52-prozentigen Beteiligung am Betonmaschinenhersteller Schwing durch die chinesische Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) finanziert. Die Transaktion wurde zunächst durch ein Überbrückungsdarlehen finanziert, das teilweise durch eine Garantie von XCMG besichert war. Danach wurde das Überbrückungsdarlehen durch ein syndiziertes Darlehen von rund 250 Millionen Euro abgelöst. Crédit Agricole wurde von Baker & McKenzie beraten.

Weitere Finanzierungen

Der Onlinehändler Getgoods hat sich über eine Anleihe mehr als 20 Millionen Euro am Kapitalmarkt geholt. Die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre und der Kupon liegt bei 7,75 Prozent. Die Investoren waren laut Getgoods institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und Privatanleger. Die Anleihe wird im Handelssegment Bondm der Börse Stuttgart gehandelt.

Das Biotechnologie-Unternehmen Ayoxxa hat sich eine Finanzierung von 2,6 Millionen Euro gesichert. Investoren sind unter anderem Wellington Partners Venture Capital als Hauptinvestor, die NRW.Bank und der HTGF High-Tech-Gründerfonds. SJ Berwin hat die Transaktion beraten.

 

Das Recyclingunternehmen Scholz hat ein Refinanzierungspaket geschnürt. Dieses umfasst ein syndiziertes Darlehen von 500 Millionen Euro und einen Immobilienkredit von 60 Millionen Euro. Konsortialagent ist jeweils die LBBW. Zudem sind die Bayern LB, die Commerzbank und die NordLB an der Finanzierung beteiligt. White & Case hat die Banken beraten.

 

Affirmed Therapeutics hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 15,5 Milionen Euro abgeschlossen. Mit dem Geld sollen zwei Pharmaprodukte weiterentwickelt werden. Die Geldgeber sind bestehende Investoren wie Aeris Capital oder BioMedInvest.

Die österreichische Kelag-Kärntner Elektrizität will ihre zweite Unternehmensanleihe begeben. Das Volumen soll rund 150 Millionen Euro betragen. Die geplante Laufzeit beträgt zehn Jahre.

Moody`s hat das Rating von Munich Re mit Aa3 bestätigt. Der Ausblick ist stabil.

alina.bartscher[at]finance-magazin.de