Karlie will nach den gescheiterten Investorengesprächen seine Mittelstandsanleihe verlängern und sich damit mehr zeit kaufen.

Karlie Flamingo

20.04.16
Finanzierungen

Karlie will Anleihe verlängern und aus Free Cashflow zurückzahlen

Karlie ist unter Druck. Jetzt plant der Tierbedarfshändler, seine Anleihe zu verlängern und dann aus dem Free Cashflow zurückzuzahlen. Wird das neue Management liefern?

Der kriselnde Produzent und Händler für Haustierprodukte Karlie versucht erneut, sich Luft zu verschaffen. Karlies Chefrestrukturierer Andreas Spiegel plant, zusammen mit seinem CFO Dominik Müser die im Juni 2018 auslaufenden Mittelstandsanleihe um drei Jahre bis 2021 zu verlängern, plus Option für ein weiteres Jahr. Gleichzeitig soll der Kupon von derzeit 6,75 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden. Zusätzliche Sicherheiten oder Kompensationen für den geforderten Zinsverzicht bietet das Unternehmen seinen Anleihegläubigern aktuell nicht an. Am Ende will Karlie den Bond aus dem Free Cashflow zurückzahlen. 

Zu dieser Restrukturierung ruft Karlie seine Bondholder aus zwei Gründen auf: Erstens, weil Karlie die Anleihe 2018 wohl nicht aus Bordmitteln zurückzahlen könnte. Und die Gespräche mit nach eigenen Angaben rund 40 potentiellen Finanzierungspartnern sind gescheitert. FINANCE-Informationen zufolge hatte Karlie sowohl mit Geschäftsbanken als auch mit Debt-Fonds über eine Finanzierungsalternative gesprochen.

Karlie muss in den nächsten Jahren operativ liefern

Das verwundert wenig, denn die Lage von Karlie ist unverändert prekär. Das Unternehmen schreibt auch 2015 operativ weiter Verluste. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei minus 2 Millionen Euro. Damit gingder Verlust gegenüber 2014 allerdings um 7 Millionen Euro zurück. Doch auch beim Umsatz verzeichnete Karlie einen Rückgang.

Sanierer Spiegel begründet beide Entwicklungen mit dem strikten Kostenmanagement: Neben operativen Optimierungen wurden vor allem die Personalkosten gesenkt. In Deutschland trennte Karlie sich von rund der Hälfte seiner Mitarbeiter. Unter anderem wurde die gesamte zweite Managementebene herausgenommen. Für das Jahr 2016 kalkuliert Karlie mit einem leicht positiven Ebitda in Höhe von einer halben Million Euro. 2017 sollen es dann 6,3 Millionen Euro und 2018 sogar 8,7 Millionen Euro sein.    

Betroffen von der Anleiheverlängerung sind Papiere mit einem Nominalvolumen von insgesamt 10,8 Millionen Euro. Davon hält der Private-Equity-Investor Perusa 3,3 Millionen Euro. Perusa ist der Eigentümer von Karlie. Er hat das Unternehmen mit dem belgischen Wettbewerber Flamingo zusammengeführt. Laut Spiegel hat sich Perusa bereit erklärt, auf seine Forderungen über 3,3 Millionen Euro zu verzichten. So müssen im Juni 2018 noch 6,8 Millionen Euro refinanziert werden. Laut Spiegels Kalkulation besteht aus heutiger Sicht 2018 jedoch eine Liquiditätslücke von 5,7 Millionen Euro.

Durch eine Laufzeitverlängerung der Anleihe hofft sich Karlie laut Spiegel, bis zum Juni 2021 ein Liquiditätspolster aufbauen, das ausreicht, um den Bond zurückzuzahlen. Dabei kalkuliert Karlie aber nur einen Puffer von 200.000 Euro ein. Das ist knapp bemessen. Gelingt es Karlie allerdings, auch nur in die Nähe dieser Werte zu gelangen, dürften auch andere Finanzierungspartner wieder für eine Refinanzierung zur Verfügung stehen. Geht Karlies Kalkulation hingegen nicht auf, stehen die Bondholder 2021/2022 womöglich vor der gleichen Situation wie heute. 

Karlie stand kurz vor der Insolvenz

Das bisherige Management kennt diese Krisensituationen. Das Gespann Spiegel/Müser leitet das Geschäft seit November 2014. Als sie übernahmen, befand sich Karlie bereits in der Restrukturierung. 2015 stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz, als die deutschen Banken ihre Ende 2015 auslaufenden Kredite nicht verlängern wollten.

Die eigenwillige Finanzierungsstruktur der Karlie Gruppe macht die finanzielle Restrukturierung nicht einfacher. Sowohl das deutsche Unternehmen Karlie als auch das belgische Schwesterunternehmen Flamingo verfügen, jeweils aus der Zeit vor dem Merger, noch über eine lokale Borrowing-Base-Finanzierung der ansässigen Banken. Die Anleihe dagegen hängt über den beiden operativen Einheiten an der Muttergesellschaft. Bisher ist es nicht gelungen, die beiden separaten Finanzierungen unter einem Dach zusammenzuziehen. Über den Jahreswechsel 2015 hinweg befand sich Karlie deshalb mit seinen Banken in einem Stillhalteabkommen. Ohne dieses Entgegenkommen der Banken hätte Spiegel wohl Insolvenz anmelden müssen.

Im März wurde dann ein neues Kreditpaket geschnürt, und Perusa schoss 2,8 Millionen Euro Eigenkapital nach. Offenbar hatte sich das Management zu diesem Zeitpunkt schon auf einen Plan B vorbereitet, der wohl in einem Schutzschirmverfahren geendet hätte. Ein Indiz: Vermutlich um die Marke im Falle einer Insolvenz zu schützen, firmierte Karlie zwischenzeitlich unter der Bezeichnung „Magellan Trading GmbH“.

Karlie ist noch nicht über den Berg

Obwohl dieser Notfall nicht eintrat, ist Karlie aber noch nicht gerettet. Damit Spiegels Restrukturierungsszenario Gestalt annehmen kann, bedarf es der Zustimmung der Anleihegläubiger. Die Gläubigerversammlung hat Karlie auf den 9. Mai angesetzt. Bei der ersten Versammlung müssen 50 Prozent des berechtigten Stimmkapitals anwesend sein.

Da so viele Gläubiger meist nicht kommen, reichen bei der zweiten Versammlung dann 25 Prozent aus, von denen (wie auch bei der ersten Abstimmung) 75 Prozent den Änderungswünschen des Managements zustimmen müssen. Das Problem: Perusas Anleihekapital ist bei den Versammlungen nicht stimmberechtigt, da der PE-Investor Karlies Eigentümer ist. Karlie muss also seine privaten Kleinanleger mobilisieren. Die Anleihe steht aktuell bei rund 22 Prozent.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Verfolgen Sie die Krise und Restrukturierungspläne von Perusa mit dem Hersteller von Haustierprodukten auf der FINANCE-Themenseite zu Karlie.

 

Hier finden Sie zudem eine Übersicht über den angeschlagenen Markt für Mittelstandsanleihen