Metalcorp gibt platziertes Anleihevolumen nicht bekannt

Metalcorp Group

27.06.13
Finanzierungen

Metalcorp gibt platziertes Anleihevolumen nicht bekannt

Der niederländische Metallhändler Metalcorp platziert eine Mittelstandsanleihe, hält das platzierte Volumen aber geheim. Das ist ungewöhnlich, ist doch gerade diese Information wichtig für die Investoren – und entscheidend für die Zukunftsaussichten des Unternehmens.

Die Emissionslawine rollt weiter durch den Markt für Mittelstandsanleihen. Auch die Metalcorp Group aus den Niederlanden hat kurz vor der Sommerpause noch eine  Mittelstandsanleihe platziert. Äußerst ungewöhnlich:  Das Unternehmen, das mit Stahl und Nichteisen-Metallen handelt und Walzbarren aus Sekundäraluminium produziert, hält das platzierte Volumen der Mittelstandsanleihe geheim. Auf Anfrage von FINANCE teilte Metalcorp mit, dass man sich dazu auch nicht äußern werde.

MBB Clean Energy und Karlie kommunizieren offener

Die Reaktion von Metalcorp legt den Schluss nahe, dass das niederländische Unternehmen weit unter dem geplanten Emissionsvolumen geblieben ist. Der niederländische Stahl- und Metallhändler, der im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatzerlös von 387,3 Millionen Euro erzielte, hatte zuvor angekündigt, bis zu 30 Millionen Euro einsammeln zu wollen. Die Mittelstandsanleihe wird mit 8,75 Prozent verzinst und läuft fünf Jahre.

Die Geheimhaltungstaktik der Niederländer lässt bei den Investoren die Alarmglocken schrillen, denn für diese ist es wichtig zu wissen, wie viel Geld dem Unternehmen zugeflossen ist – insbesondere dann, wenn die Gelder aus der Mittelstandsanleihe notwendig sind, um andere Darlehen abzulösen.  Aus diesen Gründen haben sich  andere Unternehmen, die ebenfalls unter dem Zielvolumen geblieben sind,  dazu entschieden, das platzierte Volumen offen zu kommunizieren. Beispiel MBB Clean Energy: Der Investor im Bereich der erneuerbaren Energien konnte lediglich 72 Millionen Euro mit seiner Mittelstandsanleihe platzieren. Ursprünglich hatte MBB Clean Energy eine Mega-Mittelstandsanleihe in Höhe von 300 Millionen Euro angekündigt. Auch der Heimtierzubehörhändler Karlie konnte nur 5,9 Millionen Euro der ursprünglich geplanten 30 Millionen Euro platzieren. Der Onlinehändler Getgoods hatte im vergangenen Herbst erst im Zuge einer Nachplatzierung das geplante Volumen von 30 Millionen Euro einsammeln können, seine Mittelstandsanleihe vor wenigen Tagen jedoch aufgestockt.

Markt für Mittelstandsanleihen nicht mehr so aufnahmefähig?

Die schlecht aufgenommenen Emissionen der vergangenen Wochen belegen, dass am Markt für Mittelstandsanleihen nicht mehr alles platziert werden kann – eine gesündere Entwicklung als in den beiden vergangenen Jahren, als die Investoren den Emittenten fast alle Mittelstandsanleihen undifferenziert aus der Hand rissen. Gerade Unternehmen im Non-Investmentgradebereich wie die Karlie Group, die von Scope mit BB bewertet wird, und Metalcorp, die sogar zwei Ratings im Double-B-Bereich besitzt (Creditreform: BB, Scope: BB-), dürften davon betroffen sein. Eine aktuelle Studie von Capmarcon Capital und der Brunswick European Law School, Ostfalia, hatte den Mittelstandsanleihen zudem erhebliche strukturelle Schwächen bescheinigt. Dass der Großteil der Emittenten nicht das Instrument selbst, sondern nur das Unternehmen mit einem Rating bewerten lässt, könnte die Investoren täuschen, glauben die Studienautoren. Auch eine Studie von Euler Hermes zu Mittelstandsanleihen forderte kürzlich eigene Emissionsratings, um die Papiere transparenter zu machen.

Metalcorp-Mittelstandsanleihe hat einen bitteren Beigeschmack

Für Metalcorp selbst hat das Ergebnis der Anleiheemission einen bitteren Beigeschmack. Denn das Unternehmen wollte rund 17 Millionen Euro des Emissionsvolumens aus der Mittelstandsanleihe dazu verwenden, seine bestehenden Akkreditivlinien auszuweiten. Metalcorp hat zwar aktuell Akkreditivlinien über 200 Millionen US-Dollar zur Verfügung, die  allerdings nicht voll genutzt werden. Der Hintergrund: Bei den sogenannten Back-to-Back-Geschäften – Metalcorp hat den Zugang zu einem Rohstofflieferanten und sucht dazu weltweit den passenden Abnehmer – muss bei den Trade-Finance-Banken ein gewisser Prozentsatz des Handelsvolumens als Barsicherheit hinterlegt werden (Cash Collateral). Hier wollte Metalcorp eigenen Angaben zufolge ansetzen und den Hauptteil des Emissionserlöses aus der Anleihe als Barsicherheit bei den Banken deponieren. Zudem wollte Metalcorp rund 2 Millionen Euro in Beteiligungen und Entwicklungsprojekte zur Rohstoffsicherung investieren und für etwa 10 Millionen Euro bestehende, teurere Verbindlichkeiten ablösen. Diese Pläne sind angesichts des offensichtlichen Scheiterns bei der Anleiheemission und eines Jahresergebnisses von mageren 1,5 Millionen Euro im Jahr 2012 wohl zunichte gemacht worden.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de