Hoffnungsschimmer für Mifa-Bondgläubiger: FINANCE-Informationen zufolge könnten Beschlüsse des früheren Mifa-Vorstands unwirksam sein.

Mifa

29.10.14
Finanzierungen

Mifa: Hoffnung für Bond-Gläubiger?

Hoffnungsschimmer für Mifa-Bondgläubiger: FINANCE-Informationen zufolge könnten Beschlüsse des früheren Mifa-Vorstands unwirksam sein. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die Insolvenzmasse haben. Derweil ist ein alter Bekannter an unvermittelter Stelle wieder aufgetaucht.

Die Investoren des Fahrradherstellers Mifa sind Kummer gewohnt: Wer Aktien bei der Kapitalerhöhung 2012 oder die Mittelstandsanleihe im Mai 2013 zum Emissionspreis zeichnete, tat dies auf Basis falscher Zahlen, wie seit der Veröffentlichung der Bilanzkorrekturen auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt ist.

Nun warten die Gläubiger gebannt auf die Höhe der Insolvenzquote. Dabei spielt der mögliche Verkaufserlös eine zentrale Rolle, der am Ende des laufenden Investorenprozesses übrig bleibt. Doch auch ein möglicher Formfehler bei der Bestellung des Sanierungsvorstands Hans-Peter Barth könnte die Insolvenzmasse erhöhen. Denn möglicherweise ist die Sale-&Lease-Backvereinbarung, die Mifa Mitte April mit dem Landkreis Mansfeld-Südharz schloss, nichtig. Diese brachte Mifa eine Kapitalspritze von 5,7 Millionen Euro ein.

Unterzeichnet wurde der Vertrag FINANCE-Informationen zufolge von dem am 20. März eingesetzten Sanierungsvorstand Hans-Peter Barth und einer von Barth am 1. April berufenen Prokuristin. Jedoch war Barth womöglich in den ersten drei Wochen seines Mandats nicht vertretungsbefugt, da seine Berufung zunächst nicht satzungsgemäß erfolgte.

Mifa: Steigt die Insolvenzmasse?

Aus einem Aufsichtsratsbeschluss vom 14. April, der FINANCE vorliegt, geht hervor, dass das Registergericht die am 20. März im Umlaufbeschluss bestimmte Vertretungsbefugnis Barths zur Eintragung abgelehnt hat. Erst bei der Aufsichtsratssitzung am 14. April wurde die Vertretungsbefugnis Barths mittels eines Nachtragsbeschlusses durch einen ergänzenden Passus hergestellt. Unter diesen Umständen könnte die Berufung der Prokuristin, deren Unterschrift die Kaufvereinbarung trägt, durch Barth unwirksam sein. Wäre dies so, könnte wiederum der Verkauf an den Landkreis unwirksam sein. Der Landkreis bestätigte auf FINANCE-Anfrage den Vertragsschluss am 14. April.

Das wäre bitter für die öffentliche Hand, aber ein Gewinn für die Bond-Gläubiger: Das Grundstück fiele dann zurück in die Insolvenzmasse, und der Landkreis müsste sich in die Reihe der Gläubiger einreihen, die durch eine Insolvenzquote bedient werden. Ob es so weit kommt, ist unsicher. Derzeit bewertet der Markt die Werthaltigkeit der Mifa-Anleihe mit rund 18 Prozent.

Mifa wollte gegenüber FINANCE inhaltlich nicht Stellung zu den Gerüchten nehmen: „Grundsätzlich kommentieren wir keine Gerüchte, bevor wir den Sachverhalt keiner internen Prüfung unterzogen haben“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit. Derzeit würden ohnehin die Geschäftsvorgänge der vergangenen Monate und Jahre überprüft und bewertet.

Ex-Mifa-Chef Peter Wicht offenbar für Hero tätig

Bei dieser Prüfung könnte auch ein anderes pikantes Detail ans Tageslicht kommen.  FINANCE liegen Informationen vor, die belegen, dass der Mitte April aus Krankheitsgründen zurückgetretene Mifa-Vorstand und –Großaktionär Peter Wicht in den vergangenen Wochen an der Seite des indischen Fahrradherstellers Hero  geschäftlich tätig war, der sich zu diesem Zeitpunkt in einem exklusiven Prüfprozess für einen Einstieg bei der Mifa befand.

Den vorliegenden Informationen zufolge verfügte Wicht über einen Email-Account bei Hero Motors, dem börsennotierten Motorradhersteller aus dem indischen Firmenimperium der Familie O.P. Munjal, zu dem auch Hero Cycles gehört. Die Signatur weist Wicht als Technischen Direktor aus. Peter Wicht war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gegen Wicht ermittelt die Staatsanwaltschaft Halle wegen möglicher Verstöße gegen das Aktiengesetz und wegen weiterer Straftaten.

Die Staatsanwaltschaft prüft auch, ob Anlegern hierbei ein möglicher Schaden entstanden ist. Nach der gescheiterten Übernahme, auf die wenig später der Insolvenzantrag folgte,  hatten Mifa-Aktionäre – allen voran Großaktionär Carsten Maschmeyer – Hero Cycles Industriespionage vorgeworfen. Der indische Konzern hatte dies zurückgewiesen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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