Fährt die MS Deutschland bald unter neuer, alter Flagge? Beim Verkauf des Traumschiffs würde der Ex-Eigentümer Callista die Pole Position einnehmen.

MS Deutschland

10.11.14
Finanzierungen

MS Deutschland: Callista vor Comeback-Versuch?

Anstatt einen Haircut zu beschließen, wird die Gläubigerversammlung der MS Deutschland vermutlich Vertreter wählen, die einen Verkauf des Traumschiffs in die Wege leiten werden. Ein M&A-Prozess könnte dem bisherigen Eigentümer Callista zu einem Comeback verhelfen.

Übermorgen erreicht die Krise des Traumschiffs MS Deutschland mit der zweiten Gläubigerversammlung eine neue Wegmarke. Das Zusammentreffen der Bondholder der MS Deutschland wird jedoch unter anderen Vorzeichen stattfinden als vom bisherigen Eigentümer, dem Finanzinvestor Callista, ursprünglich geplant.

Anstatt einen Forderungsverzicht der Anleihegläubiger auf den Weg zu bringen, was Callista zur Voraussetzung für eine spätere Eigenkapitalspritze gemacht hatte, werden die Gläubiger am Mittwoch wohl nur einen gemeinsamen Vertreter bestimmen. Zur Wahl stellen sich der Sanierungsspezialist Stefan Ulrich und der Rechtsanwalt Klaus Nieding. Der Gewählte dürfte anschließend in den Gläubigerausschuss einziehen, um von dort aus gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber und Interims-Chef Frank Wolfram Günther zu entscheiden, wie die Zukunft des Unternehmens am besten gesichert werden kann.

Im Kern hat das Trio dann zwei Möglichkeiten: Die eine ist, das operative Geschäft fortzuführen, was ohne einen signifikanten Forderungsverzicht der Bondgläubiger aber unrealistisch erscheint. Die zweite Option ist, das Traumschiff zu verkaufen und den Verwertungserlös an die Gläubiger auszukehren.

Sichert sich Callista die MS Deutschland im Wege eines Asset Deals?

Ein Verkaufsprozess könnte dem gerade im Zuge des Insolvenzantrags aus dem Spiel genommenen Alteigentümer Callista ein Comeback ermöglichen. Nach fast einem Jahr als Hauptgesellschafter ist der Informationsvorsprung des Teams um Callista-Chef Olaf Meier gegenüber anderen Kaufinteressierten groß. Indem er im Wege eines Asset Deals das Schiff aus der Insolvenzmasse herauskauft, könnte Meier sein altes Ziel, auf Basis einer „sauberen“ Bilanz den operativen Turnaround der Reederei anzugehen, am Ende doch noch erreichen.    

Allerdings ist ungewiss, wie nachhaltig die Insolvenz und das negative Medienecho die Kreuzfahrtkunden aufgeschreckt haben. Schon im Nachgang der ersten Gläubigerversammlung Anfang Oktober reagierten viele Kunden und Reisebüros auf die prekäre Finanzlage, indem sie nur noch optional buchten und keine Anzahlungen mehr leisteten. Das Ausbleiben der Anzahlungen hatte nach FINANCE-Informationen einen großen Anteil daran, dass kurz darauf Insolvenz beantragt werden musste.

Dem Reiseveranstalter FTI fällt eine Schlüsselrolle zu

Der zweite kritische Punkt für die Zukunft des Unternehmens ist die Vertriebskooperation mit dem Reiseveranstalter FTI. Ohne eine enge Zusammenarbeit mit FTI oder einem anderen großen Veranstalter dürfte es jeder neue Eigentümer, der keine eigene starke Vertriebsmannschaft hat, schwer haben, die Auslastung des Traumschiffs auf das nötige Niveau zu heben.

Immerhin sind die Signale aus der FTI-Zentrale in München positiv, der Veranstalter scheint mit dem Kapitel MS Deutschland noch nicht abgeschlossen zu haben. „Die Kooperation besteht, und wir hoffen, dass das auch so bleiben kann und die MS Deutschland weiterfährt“, erklärte ein FTI-Sprecher gegenüber FINANCE. 

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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