18.06.12
Finanzierungen

Nach Spaniens Bail-out öffnen sich die Bondmärkte

Trotz der anhaltenden Debatte um Griechenland erreicht die Ausgabe von Unternehmensanleihen für Investmentgrade-Unternehmen in Europa den höchsten Stand seit 2009. Die gute Nachricht für CFOs ist, dass gleichzeitig der durchschnittliche Kupon derzeit so günstig ist wie seit 2005 nicht mehr.

Viele europäische Unternehmen haben Spaniens Bail-out letzte Woche als Möglichkeit genutzt, um neue Anleihen auszugeben. So gab beispielsweise Telecom Italia eine Anleihe in Höhe von 1,5 Milliarden Euro aus, dicht gefolgt von der France Telecom, Volkswagen und der Deutschen Bahn, wobei letztere ihre erste  Anleihe in britischen Pfund Sterling herausgab. Auch viele andere europäische Unternehmen planen die Emission von Bonds, wie beispielsweise MTU Aero Engines, Deutsche Post, Four Seasons Healthcare oder der Düngemittelhersteller K + S.

Laut Thomson Reuters stieg die Anzahl der in Europa neu begebenen Anleihen trotz der anhaltenden Eurokrise auf den höchsten Stand seit 2009. Ein Grund mag darin liegen, dass Investoren nach einem sicheren Hafen für ihr Geld suchen, und sich dabei auf Unternehmen verlassen. Gleichzeitig halten sich viele Banken noch immer zurück, wenn es darum geht Kredite an Unternehmen zu vergeben. Die meisten Emittenten in Europa befinden sich in Frankreich (29,9 Prozent), Deutschland (18,8 Prozent) und Italien (9,5 Prozent). Die durchschnittliche Kuponrate liegt auf dem niedrigsten Stand seit 2005 und sank dieses Jahr auf 3,9 Prozent im Vergleich zu 4,6 Prozent im letzten Jahr. Besonders deutsche Firmen profitieren von den aktuellen Marktbedingungen.

Der in München ansässige Industriegashersteller Linde sicherte sich jüngst beispielsweise einen Kupon von 1,75 Prozent. Die neue Schuldverschreibung in Höhe von 1 Milliarden Euro von VW Financial Services erreichte einen Kupon von nur 1,5 Prozent. Nur eine US-Firma war in der Lage, sich einen noch niedrigeren Zins zu sichern: der Maschinenhersteller Caterpillar sammelte 600 Millionen Euro für einen Kupon von 1,375 Prozent ein. Wie lange diese Phase auf dem Bond-Markt dauern wird, ist jedoch ungewiss. Durch weitere Schocks in der Euro-Krise kann sich das günstige Fenster schnell wieder schließen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de