Der Betreiber von Autobahnraststätten Tank & Rast hat bei seiner Refinanzierung als erstes Unternehmen in Deutschland eine Common Terms Debt Platform genutzt.

Tank & Rast

17.01.18
Finanzierungen

Neues Tool soll Finanzierungsrunden einfacher machen

Mit der sogenannten Common Terms Debt Platform soll die Dokumentation für Anleihen, Kredite und andere Finanzierungen einfacher werden. Tank & Rast hat das Tool in Deutschland erstmals genutzt. Auch für CFOs anderer Branchen könnte es interessant sein.

Von Krediten über Anleihen bis zu Schuldscheinen stehen CFOs verschiedenste Finanzierungsinstrumente offen. Jedes davon hat spezifische Eigenheiten, doch einige Rahmenbedingungen gelten für alle Finanzierungstransaktionen gleichermaßen. Deren Dokumentation zu vereinfachen ist das Ziel der sogenannten „Common Terms Debt Platform“.

Das noch recht neue Tool ist in Deutschland vor wenigen Wochen erstmals zum Einsatz gekommen, bei einer Finanzierungsrunde des Autobahnraststellenbetreibers Tank & Rast.  „Mit einer Common Terms Debt Platform kann das Unternehmen grundlegende Rahmenbedingungen etwa zur Covenant-Struktur oder dem Sicherheitenpaket für verschiedene Finanzierungsinstrumente einheitlich festlegen und dokumentieren und auf dieser Basis dann potentielle Finanzierungspartner ansprechen“, erklärt Torsten Rosenboom, Partner bei der Kanzlei Watson Farley & Williams in Frankfurt, der Tank & Rast beim Aufsetzen einer solchen Plattform begleitet hat.

„Die Plattform vereinfacht die Finanzierungsdokumentation.“

Torsten Rosenboom, Watson Farley & Williams

Gänzlich neu ist das Konzept nicht. Vor allem bei Commercial-Paper-Programmen sind einheitliche Dokumentationen schon recht verbreitet. Doch die Common Terms Debt Platform geht darüber hinaus. „Sie kann für unterschiedliche Finanzierungsformen genutzt werden und vereinfacht damit die Finanzierungsdokumentation insgesamt“, betont Rosenboom. Über die Plattform können die Investoren die Geschäftsbedingungen einsehen, die für alle gleichermaßen gelten. Lediglich einzelne, finanzierungsspezifische Regelungen müssen dann für die jeweiligen Finanzierungsformen noch angepasst werden. „Finanzierungen über eine einmal etablierte Plattform können so zügiger zum Abschluss kommen“, sagt der Anwalt. 

Common Terms Debt Platform braucht Vorbereitung

Um die gemeinsame Basis aller aktuellen und künftigen Finanzierungen zu dokumentieren, benötigt ein Unternehmen allerdings einigen Vorlauf. CFOs sollten auch nicht loslegen, ohne vorher Feedback von Investoren eingeholt zu haben. „Es empfiehlt sich, die eigenen Vorstellungen zur Transaktionsstruktur und vor allem das Covenant- und Sicherheitenpaket vorab sorgfältig mit Juristen und Finanzierungsberatern abzustimmen, damit man keine Dokumentation aufsetzt, die am Markt vorbeigeht“, rät Rosenboom.

Für die Vorbereitung der Rahmendokumentation sollte ein Unternehmen mehrere Monate einplanen. „Eine Common Terms Debt Platform zahlt sich daher am schnellsten bei Unternehmen aus, die regelmäßig Finanzierungsrunden durchführen und dabei unterschiedliche Finanzierungsformen nutzen“, sagt Rosenboom. Steht die Rahmendokumentation, kann das Unternehmen diese für verschiedene Finanzierungsformen nutzen und damit den Verwaltungsaufwand verringern.

Tank und Rast beispielsweise nutzte seine Common Terms Debt Platform für eine Finanzierungsrunde, die einen Mix aus Anleihen, Krediten sowie privat platzierten Schuldtiteln in den USA umfasst.

Plattform soll CFOs mehr Transparenz bringen

Rosenboom traut der Common Terms Debt Platform zu, auch die Transparenz bei Finanzierungsvorhaben zu erhöhen. „Ein CFO kann aufgrund der einheitlichen Basisdokumentation bessere Vergleiche ziehen und die verschiedenen Finanzierungsformen damit ein Stück weit in Wettbewerb setzen“, sagt der Anwalt. Zudem sei stets transparent, wie sich die Finanzierungskonditionen im Vergleich zu vorherigen auf der Plattform dokumentierten Finanzierungsrunden verändern.

Für die Unternehmen liegt der größte Aufwand gleich am Anfang. Rosenboom: „Die Rahmenbedingungen sind nach dem Einmalaufwand zu Beginn in aller Regel stabil, allenfalls bei größeren Marktveränderungen kann es zu einer Überprüfung und Anpassung kommen.“

Infrastrukturfirmen nutzen Plattform am häufigsten

Auf Investorenseite wird das Instrument seiner Beobachtung nach gut akzeptiert. „Derzeit gibt es noch Erklärungsbedarf, aber auch die Investoren sehen Vorteile in dem Instrument“, berichtet der Transaktionsanwalt. Investoren können beispielsweise die Basisdokumentation vergleichsweise kurzfristig einsehen und auf dieser Grundlage direkt entscheiden, ob sie zu den dort festgelegten Bedingungen an einer neuen Finanzierungsrunde teilnehmen wollen.

Im angelsächsischen Raum ist die Common Terms Debt Platform schon weiter verbreitet als in Deutschland, doch auch dort nutzen aktuell vorwiegend Infrastrukturunternehmen diese Lösung. Rosenboom sieht allerdings Potential für einen deutlich größeren Kreis an Nutzern: „Aus rechtlicher Sicht spricht nichts dagegen, das Tool auch in anderen Sektoren einzusetzen.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de