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15.05.12
Finanzierungen

Refinanzierungswelle in Europa

In den kommenden fünf Jahren müssen europäische Unternehmen laut Thomson Reuters knapp 2 Billionen Dollar syndizierter Kredite ablösen. Insbesondere südeuropäische Unternehmen müssen sich auf steigende Zinsen einstellen.

Auf europäische Unternehmen kommt in den nächsten Jahren eine Refinanzierungswelle bei syndizierten Krediten zu. Im kommenden Jahr müssen sie zusammengenommen auslaufende syndizierte Darlehen in Höhe von 319,5 Milliarden Dollar ablösen. Bis 2016 steigen die Refinanzierungsvolumina weiter an – bevor die Welle dann mit 606,4 Milliarden Dollar ihren Höhepunkt erreicht. Das geht aus Berechnungen von Thomson Reuters hervor.

Der größte Anteil an dieser Summe entfällt dabei mit 23 Prozent auf britische Schuldner, während deutsche Unternehmen für 15 Prozent stehen. Firmen aus Südeuropa müssen insgesamt 264 Milliarden Dollar (13 Prozent) an ausstehenden Fälligkeiten refinanzieren. Für einige dürfte dies schwierig oder zumindest teuer werden. Denn nach der Herabstufung von Spanien und Italien senkten die Ratingagenturen auch das Rating einiger Unternehmen aus diesen Ländern. Sie werden nun deutlich höhere Zinsen zahlen müssen – falls Banken überhaupt noch bereit sind, syndizierte Kredite für große Projekte zu vergeben. Denn auch ihre Bonitätsnoten stuften die Ratingagenturen, wie etwa im Fall von Santander oder BBVA, herunter.

Im restlichen Westeuropa müssen sich die Unternehmen dagegen keine großen Sorgen über die Refinanzierung der auslaufenden Kredite machen. Obwohl das Volumen syndizierter Kredite gegenüber dem Vorjahr in Westeuropa um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen ist, liegt das hier weniger an der mangelnden Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergaben als vielmehr an der geringen Nachfrage. So schwächelt der europäische M&A-Markt beispielsweise nach wie vor: Laut Thomson Reuters ging das Kreditvolumen für Übernahmen in Westeuropa im ersten Quartal 2012 auf 15 Milliarden Dollar zurück – nach 43 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2011. Darüber hinaus konnten sich einige Unternehmen in den ersten Monaten des Jahres sehr günstig an den Bondmärkten refinanzieren und waren daher weniger auf Kredite angewiesen.

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