Staatsschulden machen in EMEA den Löwenanteil des gesamten Restrukturierungsvolumen aus, zeigt ein Bericht von Thomson Reuters.

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10.10.12
Finanzierungen

Restrukturierung notleidender Kredite nimmt zu

Die Restrukturierung notleidender Kredite sowie Umschuldungen durch Insolvenzen haben in den ersten drei Quartalen 2012 weltweit zugenommen. Allerdings geht die gestiegene Aktivität in der EMEA-Region vor allem auf das Konto der Griechenland-Rettung, die selbst die größte Pleite in der US-Bankenindustrie in den Schatten stellt.

Finanzvorstände und Regierungen sind in den vergangenen neun Monaten mit Restrukturierungsarbeiten in Bezug auf notleidende Kredite und Insolvenzen beschäftigt gewesen. Die gesamte Umschuldungsaktivität in diesem Bereich hat sich in den ersten drei Quartalen 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum vervielfacht, wie Thomson Reuters vermeldete. Demnach belief sich das Restrukturierungsvolumen bei notleidenden Krediten und Insolvenzen in den ersten drei Quartalen des Jahres auf 364,1 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 234,8 Prozent gegenüber 155,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Haupttreiber dieser Entwicklung war die Eurokrise.

Thomson Reuters identifiziert die EMEA-Region als Hauptschauplatz der erhöhten Deal-Aktivität. Dort erreichte das Restrukturierungsvolumen in den ersten drei Quartalen diesen Jahres  311,1 Milliarden Dollar. Regionale Regierungen sind laut Report der führende Sektor mit 88 Prozent des Volumens. Wenig überraschend führt daher Griechenland in den Top Ten der Restrukturierungsdeals  mit 263,1 Milliarden Dollar. Auf Rang zwei platziert Thomson Reuters Washington Mutual mit 10,35 Milliarden Dollar. Es ist die größte US-Bankenpleite der Geschichte.

Griechenlands Rekord-Restrukturierung

Der Fall Griechenlands ist laut Thomson Reuters der größte Restrukturierungsdeal aller Zeiten. Daher ist er hauptverantwortlich für die erhöhte Deal-Aktivität in der EMEA-Region. Rechnet man die Deals heraus, bei denen es um Staatsschulden geht, hat sich die Aktivität dem Bericht zufolge sogar halbiert. Auch wenn das Volumen der gesamten Deals mit notleidenden Krediten steil anstieg, wurden insgesamt weniger Deals angekündigt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In der EMEA-Region wurden 147 Deals mit einem Volumen von 333 Milliarden Dollar angekündigt.

Die Deal-Volumina in der asiatisch-pazifischen Region liegen in den ersten neun Monaten 2012 um 36 Prozent höher als 2011 und erreichen somit 9 Milliarden Dollar. Der Telekommunikationssektor mit 51 Prozent Marktanteil war der aktivste. Es folgen Industrie und High-Tech mit Marktanteilen von mehr als 25 beziehungsweise sieben Prozent.

Während die Aktivität in den Regionen EMEA und Asien-Pazifik stieg, sank die US-Deal-Aktivität in den ersten neun Monaten 2012 um rund ein Drittel auf 37,2 Milliarden Euro. Thomson Reuters verzeichnet  107 Restrukturierungstransaktionen in den USA für diesen Zeitraum. Das waren 96 weniger als 2011. Die Finanzindustrie machte 36 Prozent des Marktes in den USA aus.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de