Trotz höchster Finanznot lehnt Schalke 04 ein Kreditangebot von Clemens Tönnies ab. Das macht die Aussichten für die Anleihegläubiger noch prekärer.

Schalke 04

07.01.21
Finanzierungen

Schalke 04 lehnt Tönnies-Geld ab

Schalke-Krise, nächster Akt: Trotz akuter Finanznöte blockieren zwei Aufsichtsräte des Fußballklubs ein Finanzierungsangebot des Unternehmers Clemens Tönnies. Für die Anleihegläubiger wird es immer prekärer.

Der Unternehmer und langjährige starke Mann bei Schalke 04, Clemens Tönnies, ist mit seinem Finanzierungsangebot an seinen Lieblingsklub abgeblitzt, berichtet die „Bild“-Zeitung. Demnach hat Tönnies, der viele Jahre dem Aufsichtsrat des Fußballklubs vorsaß, Schalke eine Finanzspritze in Millionenhöhe angeboten. Mit deren Hilfe sollte sich der Klub am Transfermarkt die dringend benötigte Verstärkung beschaffen, um den drohenden Abstieg aus der Fußballbundesliga zu vermeiden.

Tönnies‘ Bedingung war aber mehreren Berichten zufolge eine einstimmige Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat zu seinem Finanzpaket. Dies blieb nun aus: Laut der „Bild“ stimmten zwei der elf Aufsichtsräte gegen die Annahme des Finanzierungsangebots des Unternehmers, der im Verein höchst umstritten ist.

Es gilt als gesichert, dass es sich bei dem Tönnies-Deal um zinstragende Kredite gehandelt hat. Um einen Investor wie Tönnies ins Eigenkapital zu holen, müsste Schalke – ein eingetragener Verein – zuerst noch die gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen schaffen. Dass die Vereinsmitglieder dem zustimmen würden, gilt als fraglich.

Was passiert mit der Schalke-Anleihe?

Mit der Ablehnung des Tönnies-Pakets verliert Schalke eine von mehreren Optionen, um die akute Finanznot zu lindern (einen Überblick dazu finden Sie hier). Der Klub ist hoch verschuldet und schreibt wegen der Folgen der Coronapandemie tiefrote Zahlen. Gleichzeitig verschlingen Infrastrukturmodernisierungen auf dem Vereinsgelände hohe laufende Investitionskosten, und im Juli wird die erste Tranche der ausstehenden Mittelstandsanleihe fällig. Bis dahin muss Finanzchefin Christian Rühl-Hamers 16 Millionen Euro auftreiben, sonst droht dem Traditionsverein die Pleite.

Die bald auslaufende Anleihe notiert inzwischen zu einer Rendite von etwa 30 Prozent, auch der Kurs des länger laufenden Papiers ist in dieser Woche weiter unter Druck gekommen. Hier nähert sich die aktuelle Rendite der Marke von 20 Prozent.

Schalke könnte die Anleihelaufzeit verlängern

FINANCE-Informationen zufolge verdichtet sich im Vereinsumfeld die Tendenz, dass Schalke dem Beispiel einiger anderer angeschlagener Bondemittenten wie etwa Eterna folgen und versuchen könnte, die Laufzeit der Anleihe zu verlängern. Dies beträfe dann auch die zweite Tranche der Anleihe in Höhe von 34 Millionen Euro, die im Juli 2023 fällig wird.

Mit einer Verlängerung der Laufzeit könnte sich Schalke Luft verschaffen, um die Coronavirus-Pandemie zu überstehen und sich finanziell – womöglich auch gesellschaftsrechtlich – neu aufzustellen. Ein Bundesligaabstieg könnte hingegen eine umfassendere Finanzrestrukturierung notwendig machen.
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Updates und Analysen zur Entwicklung der Schalke-Finanzen finden Sie auf unserer Themenseite zu Schalke 04.

Mehr Fußballfinanzanalysen gibt es in unserem Blog „Dritte Halbzeit“.