Veltins-Arena auf Schalke: Ein Dachschaden hat Schalke 04 im vergangenen Jahr einen Verlust eingebrockt, auch das Rating hat sich verschlechtert. Kein Grund zur Panik, beruhigt Schalkes Finanzabteilung.

FC Schalke 04

11.07.13
Finanzierungen

Schalke-Mittelstandsanleihe: Schlechte Kennzahlen – gute Geschäfte?

Heute hat der FC Schalke 04 den Investoren seiner Mittelstandsanleihe die erste Zinszahlung überwiesen. Im Jahr Eins seit dem Kapitalmarktdebüt haben sich wesentliche Kennzahlen und das Rating verschlechtert. „Aber das alleine ist nicht aussagekräftig“, meint Schalke-Treasurer Johannes Möglich im Gespräch mit FINANCE. Eine seiner größten Herausforderungen: Den Investoren zu erklären, wie es bei Schalke wirklich läuft.

Zahltag für die Inhaber der 35 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe des FC Schalke 04: Heute überweist der Fußballklub seinen Investoren den ersten Zinskupon von 6,75 Prozent. Rund 2,5 Millionen Euro fließen ausnahmsweise nicht auf die Konten der Spieler, sondern an die Anleihegläubiger.

Für die Investoren hat sich das Investment in Schalke bislang gelohnt: Die Mittelstandsanleihe notiert über 100 Prozent, die Zinsen werden pünktlich bezahlt. Angesichts der Kennzahlenentwicklung verwundert die gute Performance der Mittelstandsanleihe, denn bei Schalke zeigt die Tendenz klar nach unten. 2012 sank der Umsatz von 224 auf 191 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda sank von 61 auf 41 Millionen Euro. Aus einem Überschuss von 4,9 Millionen Euro im Jahr 2011, als Schalke das Halbfinale der Champions League erreichte und für 22 Millionen Euro Manuel Neuer an den FC Bayern verkaufte, ist 2012 ein Jahresverlust von 8,9 Millionen Euro geworden. Der Leverage schwoll von 3,3x auf 5,0x Ebitda an. Im April stufte die Ratingagentur Creditreform das Schalke-Rating von BB auf BB- zurück. 

Mittelstandsanleihe bringt viel Erklärungsbedarf

„Unsere wirtschaftliche Entwicklung ist bei weitem nicht so schlecht, wie die Kennzahlen das suggerieren“, verteidigt sich Schalke-Treasurer Johannes Möglich. Für ihn und seine beiden Vorgesetzten, Schalke-CFO Peter Peters und Finanzdirektorin Christina Rühl-Hamers, hat sich durch die Ausgabe der Mittelstandsanleihe die große neue Aufgabe ergeben, den Investoren die Hintergründe der Kennzahlenentwicklung und die Besonderheiten des Geschäftsmodells eines Profifußballklubs näherzubringen. „In unserem Geschäftsbericht haben wir uns viel Mühe gegeben, das alles sorgfältig und ausführlich darzustellen“, sagt Möglich.

Erfahrung darin konnte das Schalke-Finanzteam schon vor dem offiziellen Kapitalmarktdebüt im vergangenen Sommer sammeln. So hatte Schalke in der Vergangenheit schon einmal eine bilaterale Anleihe mit dem US-Investor Stephen Schechter arrangiert („Schechter-Anleihe“).Die Deutsche Fußball Liga verlangt im Rahmen ihrer Lizenzvergabe ebenfalls ausführliche, transparente Geschäftsberichte und eine konkrete Planung für die nächste Saison.

Schalke hat am Kapitalmarkt drei Nachteile

Dennoch hat Schalke bei seinem Kapitalmarktauftritt und dem Ratingprozess drei Nachteile: Hohe Ergebnisschwankungen, schlechte Planbarkeit und keine Möglichkeit, die wesentlichen Vermögenswerte zum Fair Value zu bilanzieren.

„Unser Spielerkader steht mit 30 Millionen Euro in der Bilanz, der Marktwert liegt bei rund 150 Millionen Euro. Unser Stadion ist mit 100 Millionen Euro bilanziert, ein Neubau würde weit über 300 Millionen kosten“, rechnet Möglich vor. „Saldiert man die bilanziellen Vermögenswerte mit den Verbindlichkeiten, erhält man ein negatives Konzerneigenkapital in Höhe von 75 Millionen Euro. Dieser Ausweis ergibt sich aus dem Handelsrecht, aber unsere stillen Reserven sind erheblich.“

Möglich verweist stattdessen auf die Innenfinanzierungskraft des Sportkonzerns: „2012 haben wir einen Cashflow von 41 Millionen Euro erwirtschaftet und damit unsere Finanzschulden um 12 auf 173 Millionen Euro abgebaut. Unser Ziel ist es, die Schulden bis in zehn Jahren weitgehend abgebaut zu haben.“

In den vergangenen drei Jahren hat Schalke bereits rund 60 Millionen Euro zurückgeführt. Den Schuldenabbau präsentierte CFO Peter Peters den neuen Investoren auch als zentrales Kaufargument während  der Roadshow für die Mittelstandsanleihe. 

Schalke-Rating bleibt kennzahlenbasiert

Dennoch stufte die Ratingagentur Creditreform das Schalke-Rating im Frühjahr auf BB- herab. Möglich begründet das mit einer weiteren Besonderheit, die Schalke von anderen Kapitalmarktteilnehmern unterscheidet: „Als wir zu Beginn des Jahres mit der Creditreform über unser Folgerating sprachen, stand unsere Mannschaft auf Platz 9 in der Tabelle. Entsprechend haben wir ohne die Beteiligung an einem europäischen Wettbewerb geplant.“ Die Folge: Der Ausblick in der Jahresplanung verschlechterte sich deutlich, für 2013 stand nun plötzlich ein Jahresverlust statt des bis dato angepeilten Überschusses in Aussicht.

„Das ist schon wieder überholt“, freut sich Möglich. Die Mannschaft hat zum Saisonende noch einmal Gas gegeben und auf den letzten Drücker sogar noch die Qualifikationsrunde für die Champions League erreicht. Das Worst-Case-Szenario, auf dem die aktuelle Ratingeinschätzung basiert, kann ad acta gelegt werden. Schafft Schalke den Sprung in die Königsklasse, winken weitere Einnahmen in Millionenhöhe. „Wir werden aber deswegen das Rating nicht unterjährig anfassen“, stellt Möglich klar. „Das würde im Profifußball auch nur wenig Sinn machen. Ein einziger Geschäftsvorfall kann erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben – auf dem Platz sowie in der Bilanz.“

Möglich macht sich keine Illusionen – den Schalke-Finanzern wird dieses Problem erhalten bleiben: „Das Rating ist und bleibt nun mal kennzahlenbasiert.“ Allerdings setzt er darauf, dass die Creditreform „die weichen Faktoren bei uns künftig vielleicht etwas höher gewichten wird als bei anderen Emittenten“. Die Investoren der Mittelstandsanleihe scheinen das bereits zu tun.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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