So ein Schrott: Bei Scholz greift die Ratingagentur mit einem Downgrade durch.

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20.08.13
Finanzierungen

Scholz: Rating-Downgrade wegen „unzureichender finanzieller Flexibilität“

Mitten in den Bankverhandlungen für das neue Restrukturierungskonzept hat Euler Hermes das Rating von Scholz gleich um drei Notches auf B gesenkt. Im Fokus der Kritik steht die „unzureichende finanzielle Flexibilität“ des Recyclingunternehmens, die Restrukturierung insgesamt sieht Euler Hermes jedoch positiv. Doch CRO Markus Schürholz will die Gläubiger der Mittelstandsanleihe nicht antasten.

Wie erwartet hat Euler Hermes das Rating des Recyclingunternehmens Scholz gesenkt. Doch ist die Abstufung wegen „mangelnder finanzielle Flexibilität“ gleich um drei Notches von BB- auf B  extrem deutlich ausgefallen. Der Ausblick sei so lange unbestimmt, bis sich die Finanzierungspartner auf die Restrukturierung geeinigt haben, schreibt die als im Segment der Mittelstandsanleihen als seriös bekannte Ratingagentur.

Euler Hermes rechnet nach seiner Bilanzanalyse und Gesprächen mit dem Management mit einer sich weiter verschlechternden Kapitalstruktur in absehbarer Zeit. Verantwortlich dafür sind laut Ratingbericht Zahlungsschwierigkeiten der australischen CMA Corporation, die „voraussichtlich zu erheblichen Wertberichtigungen sowie Liquiditätsabflüssen führen werden“, auch wenn Scholz die Geschäftsbeziehungen zur CMA jüngst gekappt hat. Zudem sei die Lage bei der Liquiditätsentwicklung sowie Zahlungsverpflichtungen zurzeit „unzureichend“. Die liquiden Mittel reduzierten sich laut Euler Hermes um gut 3 Millionen Euro auf 33 Millionen Euro im Jahr 2013.

Restrukturierung soll Scholz-Schulden drücken

Mit dem von Roland Berger ausgearbeiteten Restrukturierungskonzept will Scholz nun gegensteuern. Bis Ende 2015 soll das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von derzeit 6,9 auf unter 4x sinken, wie Scholz auf FINANCE-Anfrage schrieb. Euler Hermes bewertet das Restrukturierungskonzept als „plausibel“. Es zeige eine „nachhaltig positive Entwicklungsperspektive“ für das Unternehmen auf. Doch noch müssen die Banken dem zustimmen. Sie werden einige Kröten schlucken müssen. Scholz hat bereits Anträge an die Finanzierer gestellt. Sie sehen laut Ratingbericht Standstill-Vereinbarungen, die Ausweitung und Verlängerung von Kreditlinien sowie die Aufrechterhaltung von Warenkreditlimiten vor.

Die Mittelstandsanleihe über 150 Millionen Euro will Scholz nach bisherigem Stand jedoch nicht antasten, was angesichts der Nachrangigkeit des Titels überrascht. „Das derzeitige Finanzierungskonzept sieht keine Änderungen bei der Anleihe vor“, teilte das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage mit. Die Anleihe werde ohnehin erst 2017 fällig, die finanzielle Restrukturierung sei nach heutiger Planung aber schon 2015 abgeschlossen, heißt es bei Scholz auf Nachfrage. Ob das Scholz-Management um Restrukturierungsvorstand Markus Schürholz und CFO Parag Johannes-Bhatt diese Linie durchhalten kann, ist allerdings offen. Als wahrscheinlich  ist anzunehmen, dass dem Essinger Recyclingunternehmen mit Blick auf die aktuellen Beispiele IVG und Solarworld die Restrukturierung der Mittelstandsanleihe einfach zu komplex ist.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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