Unternehmen müssen in der Coronakrise mit Maßnahmen zur Liquiditätssicherung gegensteuern.

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09.09.20
Finanzierungen

So finanzieren sich Unternehmen in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Unternehmen für dramatische Umsatzausfälle gesorgt. Wie haben sie ihre Finanzlöcher gefüllt?

Das Coronavirus hat die Einnahmequellen vieler Unternehmen innerhalb kürzester Zeit versiegen lassen. Und auch wenn inzwischen eine leichte Entspannung eingesetzt hat, steht die Sicherung der Liquidität nach wie vor an oberster Stelle vieler Finanzabteilungen. Wie gehen die Unternehmen dabei vor?

Hinweise gibt eine Blitzumfrage unter mittelständischen Unternehmen, die Ebner Stolz gemeinsam mit Wolff & Häcker Finanzconsulting durchgeführt hat. Die Umfrage fand zwischen Juli und August 2020 statt. Die mit Abstand wichtigste Maßnahme zur Liquiditätssicherung war unter den Befragten das Kurzarbeitergeld: 69 Prozent nahmen es in Anspruch. Rund ein Drittel nutzen steuerliche Hilfsmaßnahmen wie beispielsweise Stundungen von fälligen Steuerzahlungen oder die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen.

KfW-Kredite gegen die Corona-Krise

Jeder Vierte griff auf Kredite im Rahmen der KfW-Corona-Hilfe zurück. „Viele Unternehmen werden aktuell noch durch die umfassenden staatlichen Hilfsprogramme gestützt“, meint Michael Euchner, Partner bei Ebner Stolz. Er schränkt aber ein: „Es bleibt abzuwarten, in welchem Maße sich die finanzielle Lage der Unternehmen verschärft und sich in diesem Zusammenhang die Anzahl der Insolvenzen entwickelt.“ Vor kurzem erst wurde die Aussetzung der Insolvenzpflicht für manche Unternehmen bis Ende des Jahres verlängert.

Die Mehrheit der Teilnehmer, die einen KfW-Kredit beantragten, sind mit dem Kreditvergabeprozess auch zufrieden. Und wer damit nicht zufrieden war, bemängelte die Dauer bis zur Auszahlung sowie die als zu restriktiv empfundenen Zugangsvoraussetzungen. Die Bearbeitung der Dokumente wird von jedem Zehnten als schwierig eingestuft.

Über den Ansturm auf KfW-Kredite berichtete auch Tillmann Peeters, Geschäftsführer der Restrukturierungsberatung Falkensteg, kürzlich bei FINANCE-TV. Inzwischen habe sich laut Peeters die Erfolgsquote bei der Genehmigung etwas abgeflaut: Er führt das darauf zurück, dass wohl zunächst die einfachen Fälle abgearbeitet wurden, bei denen Corona als Auslöser der Krise offensichtlich war.

Reporting-Anforderungen der Banken steigen

Dass die Banken jetzt sehr genau hinsehen, zeigt auch die Blitzumfrage. „Aufgrund der angespannten Liquiditätssituation vieler Unternehmen steigt die Kreditnachfrage. Demgegenüber steht jedoch das erhöhte Ausfallrisiko. Dies wird Banken dazu bewegen, die Kreditvergabe ohne staatliche Garantien restriktiver zu gestalten“, kommentiert Mirko Häcker, Vorstand bei Wolff & Häcker Finanzconsulting.

Bereits ein Viertel der Mittelständler berichtete in dieser Blitzumfrage von erhöhten Reporting-Anforderungen, und jeder Zehnte erlebte strengere Kreditklauseln (Covenants). Nur bei wenigen befragten Unternehmen forderte die Bank hingegen zusätzliche Sicherheiten. Auch hatten nur wenige mit Finanzierungsschwierigkeiten bei Neukrediten zu kämpfen.    

Blickt man auf die unterschiedlichen Finanzierungsformen, teilen sich zwei Formen den ersten Platz: 73 Prozent setzen in der Coronakrise auf klassische Bank- und Förderdarlehen, ebenso viele aber auch auf Leasing und Factoring. Gerade in schwachen Wirtschaftslagen rücken alternative Finanzierungen in den Vordergrund, der Markt für Factoring ist zuletzt stark gewachsen.

Auch Gesellschafterdarlehen findet immerhin noch die Hälfte der Teilnehmer attraktiv. Die Finanzierung über zusätzliche Gesellschaftereinlagen wurde von der Mehrheit hingegen als uninteressant erachtet. Das Finanzierungen über den Kapitalmarkt nicht genannt werden, dürfte auch daran liegen, dass die Kapitalmarktaffinität der Teilnehmer (kleinere Mittelständler und Familienunternehmen) deutlich kleiner ist als im breiten gehobenen Mittelstand.

Unternehmen wünschen sich weiter Corona-Hilfen

Für viele der befragten Unternehmen scheint die Lage auch weiterhin angespannt zu bleiben. So wünschen sich 59 Prozent der Teilnehmer eine Verlängerung der Corona-Hilfen über 2020 hinaus, knapp die Hälfte spricht sich für weitere Steuersenkungen aus. 18 Prozent wünschen sich verbesserte Programmbedingungen der Hilfskredite wie günstigere Kreditkonditionen oder eine Anhebung der Kredithöchstbeiträge.

gesine.wagner[at]finance-magazin.de

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