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20.03.18
Finanzierungen

Steigende Spreads bei High-Yield-Bonds

Der Markt für Hochzinsanleihen lief 2017 prächtig. Auch in diesem Jahr steht er den Unternehmen offen. In Sachen Pricing müssen sich CFOs allerdings bald wieder an ein anderes Fahrwasser gewöhnen.

Es war ein Rekordjahr für europäische High-Yield-Bonds. „Über alle europäischen Währungen hinweg wurden 2017 Bonds über mehr als 100 Milliarden Euro platziert, so viel wie noch nie zuvor“, kommentiert Steffen Wasserhess, Head of Non-Investment Grade Syndicate bei der Unicredit, den Markt. Betrachtet man nur die in Euro begebenen Bonds, lag das Volumen bei rund 75 Milliarden Euro.

Auch 2018 lief nach Ansicht des Experten zunächst gut an, doch im Februar ging die Zahl der Neuemissionen plötzlich stark zurück. „Es gab eine allgemeine Unsicherheit in den Märkten, die sich auch bei den High-Yield-Bonds bemerkbar gemacht hat“, so lautet Wasserhess‘ Erklärung für die unerwartete Schwäche. Trotzdem geht die Unicredit davon aus, dass es auch in diesem Jahr wieder für rund 70 bis 75 Milliarden Euro Neuemissionen von Euro-High-Yields geben wird.

Auch drei deutsche Unternehmen zapften den Markt im ersten Quartal bereits an. Der Windturbinenhersteller Nordex refinanzierte einen Green Schuldschein mit einer grünen Hochzinsanleihe über 275 Millionen Euro, KME, ein Produzent von Kupferprodukten, platzierte einen High-Yield-Bond über 300 Millionen Euro und der Wellpappenhersteller Progroup sammelte sogar 450 Millionen Euro ein.

High-Yield-Bonds werden teurer

In den kommenden Monaten dürften vor allem jene CFOs das High-Yield-Geschäft antreiben, die noch das gute Umfeld vor der absehbaren Zinswende nutzen wollen. Noch läuft eine Schonfrist: „In Europa gehen wir von einem Anstieg der Base Rate Anfang 2019 aus“, berichtet Stefan Povaly, Leiter des europäischen High-Yield- und Leveraged-Loan-Geschäfts von J.P. Morgan. Welche Dynamik eine Zinswende aber annehmen kann, zeigt Povalys Blick auf den US-Markt: Dort rechnet J.P. Morgan bis Ende 2019 mit einen Anstieg der Base Rate um satte 200 Basispunkte.

Die Spreads werden der Zinswende vorauslaufen, glaubt Povaly: „Wir rechnen bis zum Jahresende mit einem Anstieg von rund 75 Basispunkten.“ Die Unicredit erwartet sogar noch einen deutlicheren Sprung: Sie rechnet mit einem Anstieg der Spreads um 100 Basispunkte. „Zusammen mit einem moderaten Zinsanstieg dürfte die Yield-Erweiterung damit bis zum Jahresende insgesamt zwischen 110 und 125 Basispunkten liegen“, erwartet Steffen Wasserhess.

Das Bankhaus Metzler erwartet keinen ganz so großen Sprung, ist sich aber auch sicher, dass vor allem die Spreads in Kürze deutlich anziehen werden, speziell in den unteren Ratingklassen. „Die Trendwende hat vor wenigen Tagen begonnen“, sagte Metzler-Bondmarktexperte Thomas Weber gestern bei FINANCE-TV.

Kupons rauf, Ausfallraten runter

Derartige Preisbewegungen bei Zinsen haben CFOs lange nicht mehr gesehen. Dennoch sollten man den starken Preisanstieg nicht überbewerten, meint Wasserhess. „Auch mit dieser Yield-Erweiterung werden die Konditionen immer noch deutlich unter dem früheren Standard liegen.“ Der Markt sei nach wie vor stabil und attraktiv. „Auch im Hinblick auf die Dokumentation sehen wir einen sehr unternehmensfreundlichen Markt.“ Von einem Standardverfall will er aber nicht sprechen: Der Markt unterscheide immer noch deutlich nach der Bonität der einzelnen Emittenten. „Der High-Yield-Markt ist nach wie vor gesund“,  betont der Unicredit-Experte.

„Der High-Yield-Markt ist nach wie vor gesund.“

Steffen Wasserhess, Unicredit

Dafür sprechen auch die nach wie vor niedrigen Ausfallraten. Die Ratingagentur Moody’s kam für das vergangene Jahr auf eine Default Rate von 2,5 Prozent. 2018 soll sie sogar weiter sinken und zum Jahresende bei 1 Prozent liegen.

EZB-Kaufprogramm trifft auch High-Yield-Bonds

Der entscheidende Faktor für den erwarteten Preisanstieg dürfte die Europäische Zentralbank sein. Sie will offiziell noch bis Herbst Investmentgrade-Anleihen kaufen, dann dürften die Kaufprogramme langsam auslaufen. „Wenn sich die EZB als Großinvestor aus dem Investmentgrade-Markt zurückzieht, dann wird das eine Auswirkung auf die gesamte Preiskurve am Anleihemarkt haben“, schätzt Wasserhess. Deshalb werden die Konditionen am High-Yield-Markt ebenfalls anziehen, auch wenn diese Bonds nicht von der Zentralbank gekauft werden können.

Die Spuren, die die EZB am High-Yield-Markt hinterlassen wird, dürften noch lange zu sehen sein: „Mit dem Einstieg der EZB wurden einige Investoren aus dem Investmentgrade- in den High-Yield-Markt gedrängt“, erklärt Wasserhess. „Wir gehen davon aus, dass diese nach dem Ende der Kaufprogramme nicht wieder alle verschwinden werden.“

Manche CFOs stellen sich auf den Wetterwechsel bereits ein: „CFOs, die aktuell High-Yields begeben, gehen bei der Laufzeit gerne in die Länge“, beobachtet J.P.-Morgan-Banker Povaly. Investoren dagegen fragten nun stärker variabel verzinste Bonds und kurze Laufzeiten nach, um sich vor einer Zinsänderung zu schützen, beobachtet Wasserhess.

Leveraged Loans laufen High-Yields den Rang ab

Die Suche nach Schutz gegen die Zinswende könnte einem anderen Markt in diesem Jahr Rückenwind geben, der Unternehmen mit schwächerer Bonität zur Finanzierung offen steht: dem Leveraged-Loans-Markt. Investoren mögen diese Loans, weil sie variabel verzinst sind. „Das Zinsänderungsrisiko liegt also bei den Unternehmen – anders als bei den High-Yield-Bonds“, sagt Povaly.
 
CFOs bringen Leveraged Loans im Vergleich zu Hochzinsanleihen Vor- und Nachteile: „Emittenten von Leveraged Loans müssen Sicherheiten abtreten, bei High-Yield-Anleihen sind auch unbesicherte Instrumente machbar. Aber Loans lassen sich viel leichter frühzeitig ablösen als ein High-Yield-Bond“, so der Experte.

Klar ist schon jetzt, dass sich immer mehr Finanzchefs für diesen Finanzierungsweg entscheiden. 2017 hat der Leveraged-Loan-Markt den High-Yields sogar den Rang abgelaufen: In Europa wurden für 156 Milliarden Euro Leveraged Loans ausgegeben, aber nur für 100 Milliarden Euro High-Yields. Die Kaufwut der Investoren drückte allerdings ihre Jahresrendite: 2017 lag sie nach Berechnungen von J.P. Morgan unter 4 Prozent. Europäische High-Yield-Bonds brachten Investoren dagegen laut einer Analyse des Asset Managers M&G Investments ganze 6,7 Prozent ein. J.P. Morgan beziffert die Rendite mit 5,9 Prozent nur marginal darunter.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de