Die Ratingagentur Moody's hat Takko herabgestuft und hält einen Ausfall des Unternehmens für wahrscheinlich.

Takko

20.05.20
Finanzierungen

Takko steckt in großer Finanzierungsnot

Nachdem Takko die Zinszahlungen für zwei Anleihen ausgesetzt hat, hält die Ratingagentur Moody’s jetzt sogar einen Zahlungsausfall für wahrscheinlich. Es bahnt sich ein Tauziehen zwischen Bondholdern und Unternehmen an.

Schlechte Nachrichten für Takko: Die Ratingagentur Moody’s hat das Modeunternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Telgte von Ba3 auf Caa3 herabgestuft. Das Downgrade bezieht sich sowohl auf das Unternehmen als auch die beiden Anleihen von Takko. Den Ausblick hat die Agentur auf negativ gesetzt.

Aktuell hat Takko zwei Anleihen auf dem luxemburgischen Markt, eine fest verzinst, die zweite mit einer variablen Verzinsung. Die Bonds mit einem Volumen von 285 beziehungsweise 225 Millionen Euro und einem Kupon von 5,375 Prozent haben eine Laufzeit bis November 2023. Nach der Bekanntmachung von Moody’s stürzten die Kurse beider Bonds auf unter 20 Prozent ihres Nennwerts ab. Zuvor notierten sie noch bei etwa 50 Prozent, im Februar sogar bei über 95 Prozent.

Takko will Zinszahlungen für Bonds aussetzen

Anlass für die Herabstufung durch Moody’s ist die Mitteilung des Private-Equity-finanzierten Modehändlers aus der vergangenen Woche, dass er die Kuponzahlungen aussetzen will. Fällig wären die beiden halb- und vierteljährlichen Zahlungen am 15. Mai geworden. Die Aussetzung hält das Takko-Management um CFO Andreas Silbernagel für notwendig, „um den finanziellen Schaden durch den Ausbruch des Coronavirus möglichst gering zu halten“, wie das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage erklärte.

„Für ein strenges Kapital- und Liquiditätsmanagement ist der Konzern zuversichtlich, dass dieser Schritt dazu beitragen wird, die Liquidität des Konzerns zu stärken“, heißt es. Als Folge der Coronakrise musste Takko, wie zahlreiche andere Modehändler, im März die Filialen schließen – betroffen waren bei Takko nahezu alle Geschäfte in Europa. Die Pandemie macht Takko besonders zu schaffen, weil das Unternehmen hohe Fixkosten und gleichzeitig ein schwach ausgebautes Onlinegeschäft hat.

Takko hat offenbar keine KfW-Hilfe bekommen

FINANCE-Informationen zufolge hat Takko auch KfW-Hilfen beantragt, ist dort allerdings nicht zum Zug gekommen. Nun steht Unternehmenskreisen zufolge ein neuer Rettungsanker zur Diskussion – eine Bürgschaft der öffentlichen Hand, auf deren Grundlage die finanzierenden Banken möglicherweise noch einmal frisches Kapital zuschießen würden.

Doch die Zeit wird knapp: Sollte der Modehändler seine Zinsen nicht bis zum Ende der 30-tägigen Gnadenfrist bezahlen, wird Moody’s dies als Ausfall werten, droht die Ratingagentur. Und selbst wenn Takko seine Zinsen noch innerhalb der Frist bezahlt, hält es Moody’s immer noch für sehr wahrscheinlich, dass Takko mit Blick auf die schwachen Einnahmen eine Restrukturierung der Schulden durchlaufen muss.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das bei Takko am 31. Oktober 2019 endete, erwirtschaftete der Modehändler bei einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen („company-adjusted Ebitda“) von 155 Millionen Euro. Welche Folgen die Coronakrise für die Geschäftszahlen der vergangenen Monate hatte, ist nicht bekannt.

Apax Partners wollte Takko offenbar verkaufen

Hinter dem westfälischen Modeunternehmen steht der britische Private-Equity-Investor Apax. Die Briten sind schon im Jahr 2011 bei Takko eingestiegen, damals bewertete der Finanzinvestor das Unternehmen mit 1,35 Milliarden Euro. Apax ist bereits der dritte Private-Equity-Investor, der bei Takko Regie führt. Die Briten hatten Takko von Advent übernommen, Advent wiederum von Permira.

Vergangenes Jahr im November gab es Exit-Gerüchte. Wie die „Textilwirtschaft“ damals berichtete, soll Apax die US-Investmentbank Goldman Sachs für einen Verkaufsprozess mandatiert haben. Im März 2018 gab es sogar Bestrebungen, Takko an die Börse zu bringen – beide Vorhaben blieben ohne Erfolg.

Takko wäre prädestiniert für Debt-to-Equity-Swap

Neben Apax drohen auch den Bondholdern bei Takko hohe Einbußen, schließlich sind die Bonds nachrangig zum Fremdkapital der Banken, die zudem über den Warenbestand von Takko besichert sind. Würde Takko in die Insolvenz rutschen, gingen die Bondholder wohl leer aus. Diese Ausgangslage prädestiniert Takko für einen Debt-to-Equity-Swap.

Das Takko-Management lässt nur so viel erkennen, dass es „auf eine langfristige Lösung für die Kapitalstruktur hinarbeitet und alle Optionen für das Geschäft bewertet“. Dafür hat sich Takko rechtliche Unterstützung von Gleiss Lutz, One Square Advisors, Simpson Thacher & Bartlett LLP sowie den Rechtsanwälten von Wellensiek geholt.

FINANCE-Köpfe

Andreas Silbernagel, Takko Fashion GmbH

Seit 1991 ist der studierte Betriebswirt Andreas Silbernagel bei Takko Fashion. Nach verschiedenen Stationen innerhalb des Finanz- und Rechnungswesens des Modediscounters, unter anderem als Senior Executive Director, wird er enger Mitarbeiter des früheren CFOs Thomas Helmreich. Als Helmreich Takko im Mai 2018 verlässt, steigt Silbernagel zum Finanzchef der Münsterländer auf.

zum Profil

Aber auch die Bondholder haben hochkarätige Berater engagiert: So soll eine Gruppe von Anleihegläubigern, die etwa 25 Prozent der Anteile repräsentiert, laut Moody’s Houlihan Lokey und Freshfields Bruckhaus Deringer als finanzielle und rechtliche Berater mandatiert haben. Weitere Gläubiger könnten sich der Gruppe anschließen. Dies dürfte im Sinne des Unternehmens sein, denn nur wenn die Mehrzahl der Gläubiger einen Debt-to-Equity-Swap befürworten würde, könnte dieses Mittel zur Bilanzsanierung eingesetzt werden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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