Scholz hat einen neuen Investor: Überraschend gibt die Familie Scholz nur eine Minderheit an den erwarteten Partner Toyota ab. Veränderungen im Vorstand zeigen sich ab. Auch der Verkauf der Aluminiumsparte biegt auf die Zielgerade ein. Die Gläubiger der Mittelstandsanleihe jubeln.

Scholz

10.04.14
Finanzierungen

Toyota Tsusho steigt bei Scholz ein

Scholz hat einen neuen Investor: Überraschend gibt die Familie Scholz nur eine Minderheit an den erwarteten Partner Toyota ab. Veränderungen im Vorstand zeichnen sich ab. Auch der Verkauf der Aluminiumsparte biegt auf die Zielgerade ein. Die Gläubiger der Mittelstandsanleihe jubeln.

Die Scholz AG hat ihren neuen Eigenkapitalgeber gefunden. Mit der Metallhandelssparte Toyota Tsusho aus der Toyota-Gruppe fiel die Entscheidung auf einen erwarteten Partner. Überraschend jedoch gibt die Familie nur knapp 40 Prozent ab. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Mehrheit am Unternehmen bleibt jedoch überraschend angesichts der prekären Finanzsituation in Familienhand. Auch CEO Oliver Scholz behält seinen Posten. Jedoch deutet sich ein Generationswechsel im bisher sechsköpfigen Vorstand der Scholz AG an.

Klar ist, dass Toyota Scholz als Finanzbeteiligung halten wird und eigene Vertreter in den Scholz-Vorstand entsenden wird, wie ein Sprecher bestätigt. Dies dürfte den Rückzug des Familienseniors Berndt-Ulrich Scholz, der bereits den Vorstandsvorsitz an Oliver Scholz abgegeben hat, beschleunigen, auch wenn weitere Personalien zunächst nicht bekannt wurden. Ob CRO Markus Schürholz oder CFO Parag-Johannes Bhatt betroffen sind, blieb zunächst offen.

Mit dem japanischen Industrieunternehmen Toyota habe Scholz seinen „Wunschpartner“ gefunden, kommentierte Oliver Scholz den Abschluss der Investorensuche. Beide Unternehmen kennen sich bereits seit Jahren als Geschäftspartner aus einem Joint-Venture in Polen. Der M&A-Deal, der für Scholz von der Investmentbank Rothschild verhandelt wurde, steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Finanzierungspartner sowie der Kartellbehörden.

Scholz-Aluminiumsparte könnte an Strategen gehen

Der Kaufpreis soll überwiegend zur Schuldentilgung verwendet werden, aber auch ins operative Geschäft fließen, sagte ein Sprecher gegenüber FINANCE. Das bisher deutlich negative Eigenkapital soll durch die Eigenkapitalspritze wieder in den positiven Bereich kommen. Doch bleiben auch nach dem M&A-Deal weiterhin einige Fragen offen. Die vordringlichste lautet, ob das neue Eigenkapital ausreicht und der Markt für Schrottpreise sich schnell genug erholt. 2013 hatte Scholz sehr schwache Zahlen vorgelegt und hohe Wertberichtigungen vorgenommen, was möglicherweise jetzt aber den Einstieg von Toyota erleichterte.

Weitere Erlöse soll der Verkauf der Sparten Edelbaustahl und Aluminium liefern, die noch im ersten Halbjahr über die Bühne gehen sollen. Letztgenannter soll sich bereits auch auf der Zielgeraden befinden, wie FINANCE aus Verhandlungskreisen erfuhr. Die Sparte dürfte an einen Strategen gehen. Auch die Schließung bzw. der Verkauf einzelner Standorte soll dringend benötigte Liquidität freisetzen.

Scholz: Mittelstandsanleihe erholt sich

Im Laufe der Konzernrestrukturierung, die noch bis 2015 andauern wird, sollen die Bruttofinanzschulden von über 1 Milliarde Euro um 400 Millionen Euro sinken. Der Kurs der Mittelstandsanleihe im Volumen von 182,5 Millionen Eurosprang heute von rund 83 Prozent auf über 95 Prozent und hat sich damit seit Ende 2013 fast verdoppelt.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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