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27.06.12
Finanzierungen

Unternehmen liebäugeln mit „Linkers“

Inflationsindexierte Anleihen können für Corporate-Emittenten und Investoren von Vorteil sein. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Vor allem für Unternehmen, deren Cashflows stark mit der Teuerungsrate korrelieren, sind sie eine Alternative.

Die Ausgabe von inflationsindexierten Anleihen könnte bei der Kapitalmarktfinanzierung von Großkonzernen künftig eine deutlich größere Rolle spielen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des französischen Edhec-Risk Institute hervor, bei der Investoren und Emittenten zu dem Thema befragt wurden. Vor allem für Unternehmen, deren Cashflows stark mit der Teuerungsrate korrelieren, wie beispielsweise bei Versorgern oder Banken, könnte die Begebung von sogenannten „Linkers“ eine Alternative sein, ermöglichen sie doch einen effektiven „Natural Hedge“. Noch ist das von Corporate-Schuldnern emittierte Volumen inflationsindexierter Anleihen allerdings verschwindend gering. Zahlen gibt es beispielsweise für Großbritannien: Dort beträgt das ausstehende Volumen inflationsindexierter Unternehmensanleihen lediglich 11 Milliarden US-Dollar, verglichen mit einem Gesamtvolumen an Corporate-Bonds von 342 Milliarden US-Dollar.

Die Gründe dafür lägen vor allem in der zu einseitigen Risikowahrnehmung vieler CFOs, argumentiert Edhec. Während die Zinsrisiken mit der Entscheidung zwischen fixem und variablem Kupon bei Emissionen regelmäßig beachtet würden, gelte das für Inflationsrisiken nicht. Zudem sei der Fokus in vielen Finanzabteilungen vor allem auf die optimale Struktur der Passivseite der Bilanz gerichtet mit dem Ziel, die Kapitalkosten und die Volatilität zu minimieren. Eine integrierte Asset-Liability-Betrachtung finde in der Praxis überwiegend nicht statt. In der Umfrage wurde deutlich, dass sich rund drei Viertel der befragten Emittenten von der Ausgabe inflationsindexierter Anleihen bei einer starken Korrelation der eigenen Umsätze mit der Teuerungsrate Vorteile versprechen. Genau so viele Emittenten erwarten davon auch positive Auswirkungen auf den Unternehmenswert. Ein Drittel der befragten Emittenten kann sich eine Platzierung von inflationsindexierten Anleihen in der nahen Zukunft vorstellen.

Obwohl das Volumen ausstehender „Linkers“ von Corporate Schuldnern noch klein und der Markt entsprechend illiquide ist: Das Interesse von institutionellen Investoren ist riesig. Vor allem Pensionsfonds und Versicherer, deren Auszahlungsstruktur in der Regel an die Teuerungsrate gekoppelt ist, suchen nach Anlagemöglichkeiten, ihr Inflationsrisiko zu hedgen. Entsprechend hoch war bislang die Nachfrage nach inflationsindexierten Staatsanleihen. Wegen der langen Duration und steigender Ausfallrisiken wird diese Anlageklasse aber immer unpopulärer. Corporate-Linkers könnten in diesem Umfeld auf eine große Nachfrage stoßen.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de