Gute Laune haben bei Vapiano vielleicht die Gäste, den Aktionären dürfte angesichts der schwachen Zahlen dagegen weniger zum Lachen sein.

Vapiano

18.06.19
Finanzierungen

Vapiano nennt Details zur Notfinanzierung

Die Notfinanzierung steht, trotzdem bleibt die finanzielle Lage bei der Restaurantkette Vapiano angespannt. Das zeigen schon die Zinssätze, die Vapiano für frisches Geld zuletzt bezahlen musste.

Mehrfach hat Vapiano die Vorlage des Geschäftsberichts für 2018 verschoben, weil die Finanzierungsgespräche nicht zum Abschluss kamen. In der Nacht zum heutigen Dienstag hat Vapiano nun aber die detaillierten Zahlen für 2018 auf den Tisch gelegt. Und diese sind tiefrot: Zwar stieg der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 371 Millionen Euro, doch nur wegen Neueröffnungen von Restaurants im Ausland, wo Vapiano auch die größten operativen Probleme hat. Auf vergleichbarer Fläche schrumpfte der Umsatz dagegen um 1 Prozent.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) lag 2018 bei 29 Millionen Euro (Vorjahr: 38,8 Millionen Euro). Das Ebitda ist bereinigt um Vorlaufkosten für Restauranteröffnungen sowie Einmaleffekte, etwa für die Restrukturierung. In der Kennzahl enthalten ist Vapiano zufolge bereits der Effekt aus dem Verkauf des US-Geschäfts, das Vapiano kurz nach dem Jahreswechsel 2018/2019 gegen einen Barkaufpreis von 15 Millionen US-Dollar an Plutos Sama verkauft hat. Das Closing der Transaktion steht jedoch noch aus.

Wie katastrophal das vergangene Jahr für Vapiano gelaufen ist, zeigt dann auch eher der Blick unter den Strich, wo beim Konzernergebnis ein Minus von 101 Millionen Euro steht, nachdem die Restaurantkette 2017 schon ein negatives Ergebnis von knapp 30 Millionen Euro bilanzieren musste. Weil auch der Free Cashflow mit minus 66,7 Millionen Euro tiefrot ausfiel, explodierte die Nettoverschuldung gegenüber dem Vorjahr von 116 auf knapp 174 Millionen Euro. Das Eigenkapital ist auf knapp 47 Millionen Euro geschrumpft, die Eigenkapitalquote sank zum Jahresende 2018 von 37 auf magere 13 Prozent.

Vapiano zahlt für Finanzierung zweistellige Zinsen

Der Geschäftsbericht illustriert auch die Folgen der Negativentwicklung für die Konzernfinanzierung, deren Kosten vor allem infolge der Ende Mai vereinbarte Sanierungsfinanzierung  gestiegen sind. Neben den finanzierenden Banken beteiligten sich an dieser Finanzierung, die Vapiano Zugriff auf rund 30 Millionen Euro ermöglicht, auch die drei Großaktionäre Mayfair, VAP Leipzig und Exchange Bioset.

Die drei Großaktionäre stellen Vapiano demnach insgesamt zusätzliche, mit qualifizierten Rangrücktritten versehene Darlehen über bis zu 17,7 Millionen Euro bereit. Vapiano-CFO Lutz Scharpe kann sie in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 in mehreren Tranchen abrufen. Die Laufzeit dieser Kredite ist relativ kurz: Sie sind endfällig und müssen am 23. November 2022 getilgt werden. 

FINANCE-Köpfe

Lutz Scharpe, Vapiano SE

Lutz Scharpe beginnt seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Commerzbank in Düsseldorf mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zwischen 1994 und 1997 folgt ein Trainee-Programm im Bereich Firmenkundenbetreuung. Nach seinem BWL-Studium ist Scharpe 1998 bei Mannesmann als Manager im Bereich Corporate Finance tätig. Im Jahr 2000 gründet er die Investor-Relations- und Kommunikationsberatung IR.on mit, wo er bis 2003 den Posten des Finanzchefs übernimmt.

2003 wechselt Scharpe zur Deutschen Lufthansa. Dort ist er in verschiedenen Positionen tätig, unter anderem als Director Controlling Solutions & M&A bei der Tochter LSG Lufthansa Service, als Director Merger & Acquisitions für den Mutterkonzern und als Finanzchef Nord- und Osteuropa für LSG Sky Chefs Denmark in Kopenhagen. Im Jahr 2010 steigt er zum Europa-CFO der LSG Sky Chefs Europe in London auf. Im Dezember 2015 übernimmt er den Posten als Finanzvorstand bei der Restaurantkette Vapiano, die er im Juni 2017 an die Börse bringt.

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Trotzdem haben es die Konditionen in sich: Verzinst sind die Darlehen mit gestaffelten Zinssätzen von 10 bis 13 Prozent. Immerhin muss Vapiano die Zinsen ebenfalls erst zum Endfälligkeitstermin zahlen, was die beiden nächsten Jahre, in denen alles im Zeichen der Turnaround-Versuche steht, entlasten dürfte. 

Banken passen Vapianos Covenants an

Während die Großaktionäre Vapiano auf diese Weise flüssig halten, haben die Banken Scharpe keine zusätzlichen Linien eingeräumt, dem Finanzchef immerhin aber wieder Zugriff auf eine bestehende Linie gewährt. Vapiano hat mit seinen Banken Linien über 200 Millionen Euro vereinbart, die jedoch nicht ausgeschöpft waren. Rechnerisch hätte das Unternehmen nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr noch 12,9 Millionen Euro in Anspruch nehmen können, diese Inanspruchnahme war jedoch nach dem Bruch der Financial Covenants vorübergehend ausgesetzt worden. Nach der neuen Vereinbarung haben die Banken diese 12,9 Millionen Euro wieder für Vapiano geöffnet. 

Nach eigenen Aussagen verfügt Vapiano nun über nicht ausgenutzte Linien in Höhe von 30,6 Millionen Euro – zusammengesetzt aus den freigegebenen 12,9 Millionen Euro der Banken und dem Gesellschafterdarlehen von 17,7 Millionen Euro –  von denen bis Juni 2020 bis zu 29 Millionen Euro in Anspruch genommen werden sollen.

Doch auch die Bankkredite werden durch die angespannte Gesamtlage teurer: Die Verzinsung des gesamten Konsortialkredits sei „den marktüblichen Konditionen  angepasst“ worden, teilte Vapiano mit. Die Zinsaufwendungen steigen durch die Anpassungen im Jahr 2019 voraussichtlich um 2,5 Millionen Euro.

Im Gegenzug wurden die Covenants des Konsortialkreditvertrags angepasst, wodurch Vapiano „deutliche Erleichterungen in Bezug auf die einzuhaltenden Financial Covenants“ erwartet. Wie die neuen Covenats genau definiert sind, geht aus dem Bericht nicht hervor. 

Vapiano: Schwarze Zahlen erst 2021

Die Rahmenbedingungen der neuen Finanzierung – angepasste Covenants, höhere Zinsen, endfällige Darlehen – zeigen, dass sich Vapianos Geldgeber auf eine lange Durststrecke einstellen. Die umfassende Expansionsstrategie der Vergangenheit ist damit beendet.  Vapiano spricht von einer angepassten Mittelfristplanung, die „eine deutliche Verlangsamung des Wachstums“ und damit auch deutlich weniger Investitionserfordernisse in neue Restaurants sowie einen reduzierten Finanzierungsbedarf vorsehe. 2019 sind zehn bis 15 Neueröffnungen geplant.

Auf der Ertragsseite rechnet Vapiano für dieses Jahr mit sinkenden Verlusten, aber immer noch mit einem negativen Ergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Einen positiven Free Cashflow erwartet Vapiano erst im Jahr 2020, bevor 2021 das Konzernergebnis dann endlich ins Plus drehen soll. Die Sanierung wird damit zu einem Marathonlauf.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Welche Unternehmen noch um ihre Perspektiven kämpfen müssen und welche Fallstricke dabei lauern, lesen Sie auf unserer Themenseite Restrukturierung. Mehr über die Vita des Vapiano-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief von Lutz Scharpe