Vapiano sichert sich 30 Millionen Euro

Vapiano

24.05.19
Finanzierungen

Vapiano sichert sich 30 Millionen Euro für Sanierung

Vapiano-CFO Lutz Scharpe hat der kriselnden Restaurantkette überlebenswichtige 30 Millionen Euro beschafft. Den Geschäftsbericht muss Vapiano allerdings schon wieder verschieben.

Aufatmen bei Vapiano: Die angeschlagene Restaurantkette konnte sich endlich mit ihren Geldgebern über die dringend benötigte Refinanzierung in Höhe von 30 Millionen Euro einigen. Das gab Vapiano am Donnerstagabend bekannt.

Das Geld erhält Finanzchef Lutz Scharpe von den finanzierenden Banken und den Großaktionären von Vapiano. Dazu zählen neben dem Myfair Beteiligungsfonds des Tschibo-Gründers Günter Herz auch VAP Leipzig und Exchange Bioset.

Vapiano verschiebt Geschäftsbericht erneut

Weil die Refinanzierung „weitere Anforderungen an die Dokumentation“ mit sich bringe, wird der überfällige Geschäftsbericht für das Jahr 2018 bereits zum dritten Mal auf den 18. Juni verschoben. Ursprünglich hätte er bereits am 30. April veröffentlicht werden sollen, wurde aber immer wieder verschoben, weil Vapiano sich mit seinen Geldgebern nicht einig werden konnte.

Vapiano-Aktie im Sinkflug

Das hatte den ohnehin gebeutelten Aktienkurs der Restaurantkette noch weiter unter Druck gesetzt. Derzeit steht die Aktie nur noch bei 6 Euro. In den Monaten zuvor hatte Vapiano seine Aktionäre bereits mit mehreren Gewinnwarnungen verschreckt. Finanzchef Scharpe musste sowohl Umsatz als auch den bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mehrmals nach unten korrigieren.

Vapiano hat sich bei Expansion verhoben

Im zweiten Quartal vergangenen Jahres riss Vapiano zudem seine Covenants bei den finanzierenden Banken. Die Leverage Ratio – das Verhältnis der Nettofinanzschulden zum Ebitda – lag laut dem Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2018 bei dem Faktor 5. Laut Vereinbarung hätten Vapianos Schulden das 3,5-fache des Ebitdas jedoch nicht überschreiten dürfen.

Schuld für die rückläufigen Umsätze und Gewinne sind die zu ambitionierten Expansionsziele, die Vapiano nach dem Börsengang im Mai 2017 verfolgte. Das Wachstum war nicht profitabel und drückte Vapiano in die Verlustzone.

Mit den neuen Krediten will Vapiano sich nun strategisch neu ausrichten und wieder profitabel werden, wie CEO Cornelius Everke mitteilte.  

FINANCE-Köpfe

Lutz Scharpe, Vapiano SE

Lutz Scharpe beginnt seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Commerzbank in Düsseldorf mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zwischen 1994 und 1997 folgt ein Trainee-Programm im Bereich Firmenkundenbetreuung. Nach seinem BWL-Studium ist Scharpe 1998 bei Mannesmann als Manager im Bereich Corporate Finance tätig. Im Jahr 2000 gründet er die Investor-Relations- und Kommunikationsberatung IR.on mit, wo er bis 2003 den Posten des Finanzchefs übernimmt.

2003 wechselt Scharpe zur Deutschen Lufthansa. Dort ist er in verschiedenen Positionen tätig, unter anderem als Director Controlling Solutions & M&A bei der Tochter LSG Lufthansa Service, als Director Merger & Acquisitions für den Mutterkonzern und als Finanzchef Nord- und Osteuropa für LSG Sky Chefs Denmark in Kopenhagen. Im Jahr 2010 steigt er zum Europa-CFO der LSG Sky Chefs Europe in London auf. Im Dezember 2015 übernimmt er den Posten als Finanzvorstand bei der Restaurantkette Vapiano, die er im Juni 2017 an die Börse bringt.

zum Profil

Der ehemalige Starbucks-Manager übernahm im Dezember die Vapiano-Führung von Jochen Halfmann, der die Kette im November verließ. Auch Aufsichtsratschef Thomas Tochtermann legte sein Amt wenig später nieder. Aus dem ehemaligen Führungszirkel ist heute nur noch CFO Scharpe an Bord.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de