Der Bahntechnikhersteller Vossloh hat eine Hybridanleihe mit Nachhaltigkeitskomponente begeben. Dadurch verbessert sich auch die Bilanzrelation.

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16.02.21
Finanzierungen

Vossloh finanziert mit nachhaltigem Hybrid

Der Trend zu grünen Finanzierungen hält an: Der Schienentechnikkonzern Vossloh hat nun eine Hybridanleihe mit Nachhaltigkeitskomponente begeben. Das Instrument verbessert auch die Bilanzrelation.

Die Nachfrage nach Finanzierungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Green Finance ist ungebrochen: Der Verkehrstechnikkonzern Vossloh hat nun eine nachhaltigkeitsorientierte Hybrid-Anleihe platziert. Mit dem Erlös will der Konzern sein Geschäft mit „grüner Mobilität“ auf der Schiene forcieren.

Die Hybrid-Anleihe hat einen Nennbetrag von insgesamt 150 Millionen Euro und war dem Unternehmen zufolge „deutlich überzeichnet“. Der Zinssatz für die kommenden fünf Jahre liegt bei 4,0 Prozent und damit Vossloh zufolge am unteren Ende der Vermarktungsspanne. Die Erlöse will Vossloh gemäß den IFRS-Standards dem Eigenkapital zurechnen. 

Vossloh nutzt ESG-Ratings

Die  Laufzeit der Anleihe  ist nicht begrenzt, nach fünf Jahren hat Vossloh erstmals das Recht, die Finanzierung zu kündigen und zurückzuzahlen. Die genaue Höhe des Rückzahlungsbetrags hängt davon ab, wie sich die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens entwickelt. Die Ratings werden einer Unternehmenspräsentation zufolge immer 30 Tage vor Fälligkeit der Zinszahlungen ermittelt. 

ESG-Ratings der Agenturen ISS ESG und MSCI ESG Research bewerten, wie sich Vossloh in puncto Nachhaltigkeit entwickelt. Liegt das Rating von ISS unter C+ und zugleich das von MSCI unter A, steigt der Rückzahlungsbetrag um 10 Basispunkte. Beide Stufen hat Vossloh nach eigenen Angaben in den zurückliegenden Jahren stets eingehalten. 

Begleitet wurde die Platzierung der nachhaltigen Hybridanleihe von Jefferies und M.M. Warburg als Joint Lead Banken und Joint Bookrunner. M.M. Warburg fungierte zudem während der Laufzeit der Transaktion als Zahlstelle.

Nachhaltiger Hybrid löst Schuldschein ab

Die im Eigenkapital bilanzierte Hybridanleihe wird Vosslohs Bilanzrelation deutlich verbessern: Mit den Erlösen will der Schienenkonzern einen im Juli auslaufenden Schuldschein im Volumen von 135 Millionen Euro ablösen und die Nutzung einer Kreditlinie zurückfahren.

Der Leverage wird sich dadurch einer Unternehmenspräsentation zufolge vom Faktor 3,2x auf 2,0x deutlich verringern. Die interne Zielvorgabe für das Verhältnis der Nettofinanzschulden zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gibt Vossloh mit dem Faktor 2,75x an. Vossloh hatte Ende November 2017 mit acht Banken einen Konsortialkredit abgeschlossen, der nach Ausübung von Verlängerungsoptionen bis November 2024 läuft und an einen Covenant geknüpft ist, der sich auf das Verhältnis von Net Debt zu Ebitda bezieht. Dieses Verhältnis ist auch für die Verzinsung ausschlaggebend.

Die Equity Ratio wird durch den Ausweis der Hybridanleihe im Eigenkapital von knapp 33 auf 45 Prozent ansteigen. Hier peilt Vossloh mittelfristig eine Quote von mindestens 35 Prozent an. 

Vossloh will Geschäft neu ausrichten

„Der Eigenkapitalausweis der Hybrid-Anleihe führt zu einer wesentlichen Stärkung der Bilanzstruktur und erhöht spürbar unseren finanziellen Handlungsspielraum bei der Umsetzung unserer Strategie“, kommentierte CFO Thomas Triska die Transaktion.

Diese größere finanzielle Flexibilität will Vossloh nutzen, um in seine Produkte zu investieren. Erst Mitte Dezember hatte das Unternehmen auf einem virtuellen Kapitalmarkttag seine neue Strategie vorgestellt. Vossloh hat sein Geschäft zuletzt auch durch Verkäufe auf das Kerngeschäft mit Bahninfrastruktur fokussiert. Dieses soll ausgebaut und profitabler gemacht werden, unter anderem durch Senkung von Produktionskosten und den Fokus auf Wachstumsregionen.

Im vergangenen Jahr war Vossloh auch von der Coronavirus-Pandemie betroffen, das Unternehmen setzte unter anderem seine Dividendenzahlung aus. Nach neun Monaten verbuchte Vossloh 2020 Umsätze von knapp 618 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet der Konzern mit Umsatzerlösen von rund 870 Millionen Euro und einer Ebit-Marge von 7,5 bis 8,5 Prozent. Den Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2020 stellt Vossloh am 18. März vor. Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet der Vossloh-Vorstand einen Umsatz von 850 bis 925 Millionen Euro bei einer Ebit-Marge von 7 bis 8 Prozent.

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