Zamek: Interessenkonflikt zwischen Investoren und Insolvenzverwaltung

dpa

27.05.14
Finanzierungen

Zamek: Gläubiger gehen auf die Barrikaden

Im Februar musste Zamek Insolvenz anmelden. Doch vor der jetzt anstehenden Gläubigerversammlung sind die Investoren alarmiert: Sie fühlen sich von den Verwaltern schlecht vertreten und fordern vom Amtsgericht Düsseldorf, die Eigenverwaltung aufzuheben.

Rund drei Monate nach der Eröffnung der Insolvenz bei Zamek sind weite Teile der Anleihegläubiger aufgebracht. Sie fühlen sich schlecht informiert und fürchten um die Rückflüsse („Recovery“). Deshalb fordern sie nun vom Düsseldorfer Amtsgericht eine Aufhebung der Eigenverwaltung und wollen das Verfahren in die Regelinsolvenz überführen, wie aus einem Brief an das Düsseldorfer Amtsgericht hervorgeht, der FINANCE vorliegt.

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hatte das Düsseldorfer Traditionsunternehmen im Februar Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Antrag umfasst zunächst die Vermögen der Tochtergesellschaften: als Erste stellten die operativen Tochtergesellschaften Zamek Nahrungsmittel GmbH & Co. KG, Zamek Nahrungsmittel Dresden GmbH und Dr. Lange & Co. GmbH Antrag auf Eigenverwaltung. Wenig später folgte der Antrag für die Holding von Zamek. Über letztere hatte sich der Lebensmittelhersteller mit Mittelstandsanleihen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro finanziert. Erst im vergangenen Jahr war das 2012 begebene Papier um weitere 10 Millionen Euro aufgestockt worden, um das Wachstum in Polen zu forcieren. Zu den Investoren, die dabei mitzogen, zählt beispielsweise LP Inviso, ein Family Office aus Heubach bei Ulm. „Wir sind nach vielen Treffen mit der Familie Zamek eingestiegen“, sagt Lothar Probst, Geschäftsführer von LP Inviso.

Interessenskonflikte der Verwalter?

Stein des Anstoßes ist ein von den Gläubigern unterstellter Interessenskonflikt bei den verantwortlichen Managern. Sowohl in der Holding als auch in den operativen Gesellschaften agieren Vertreter der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler von der Fecht (u.a. Noa Bank): Nikolaos Antoniadis als Geschäftsführer der Holding und Wolf-Rüdiger von der Fecht für die Tochtergesellschaften. Das führe zu „erheblichen Interessenkonflikten“, so die Gläubiger.

Der Hintergrund: Die Anleihen die über die Holding begeben wurde, hat neben den Beteiligungen an den insolventen Töchtern lediglich ein Betriebsgrundstück als maßgebliches Asset, die von einer operativen Gesellschaft genutzt wird. Beim Verkauf der Zamek Nahrungsmittel GmbH & Co. KG werde die Immobilie mit angeboten. Die Bondholder fürchten, dass nach dem Verkauf kein Erlös mehr bei ihnen ankommt. Die kompletten 45 Millionen Euro stehen auf dem Spiel.

Gläubigerversammlung soll Klärung bringen

Der zweite Vorwurf lautet, dass die Anleihegläubiger seit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens „in keiner Weise von der Insolvenzschuldnerin offiziell über den Gang des Verfahrens informiert“ wurden, wie es in dem Brief weiter heißt.

Eine Gläubigerversammlung, die für Ende dieser Woche einberufen wurde, liege zeitlich für die Bondholder am Brückentag sehr ungünstig. Außerdem sei auf der Tagesordnung kein Vorschlag für einen gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger unterbreitet werden. „Damit wird eine Wahl anfechtbar“, kritisiert Frank Günther von One Square Advisors, der bereits in vielen Fällen wie Solarworld, Windreich, Strenesse oder MT-Energie als Anleihevertreter aktiv ist. Am Freitag werde die One Square Advisory Services GmbH, vertreten durch Frank Günther für die Rolle des gemeinsamen Vertreters kandidieren. Mit Verweis auf das laufende Verfahren wollte Nikolaos Antoniadis auf Anfragen von FINANCE zu den Vorwürfen nicht Stellung beziehen. Doch so viel ist sicher: Bei Zamek bleibt es spannend.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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