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Der Rettungsplan für Uniper steht

Der Rettungsplan für Uniper steht. Foto nmann77 - stock.aodbe.com.
Der Rettungsplan für Uniper steht. Foto nmann77 - stock.aodbe.com.

Die Bundesregierung hat die wesentlichen Eckpunkte des Rettungsplans für den vom Kollaps bedrohten Gashändler Uniper vorgelegt. Der wichtigste Punkt darin ist die Zufuhr erheblicher Liquidität, um den Energiekonzern zu stabilisieren. Zu diesem Zweck erhält Uniper eine weitere Kreditlinie der KfW in Höhe von 7 Milliarden Euro. Außerdem hat der Bund erklärt, Uniper unter bestimmten Bedingungen weitere finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, falls der Liquiditätsbedarf noch höher ausfallen sollte. Eine bereits bestehende KfW-Linie in Höhe von 2 Milliarden Euro hatte Uniper am vergangenen Montag voll gezogen, was die Sorgen um die Widerstandsfähigkeit des Konzerns weiter erhöht hatte.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält eine schnelle Liquiditätszufuhr auch aus Gründen der Versorgungssicherheit für dringend geboten, schließlich hatte Uniper in den vergangenen Tagen Gasvorräte aus den Speichern des Konzerns angezapft, um diese Mengen nicht teuer am Spotmarkt einkaufen zu müssen. Dies schonte zwar die Liquidität des Konzerns, allerdings müssen die Speicher jetzt unbedingt weiter gefüllt werden, damit es im Winter nicht zu einem Gasmangel kommt. „Wir müssen Uniper anders stabilisieren“, sagte Habeck, als er von den Gasentnahmen des Konzerns erfuhr.

Mezzanine-Spritze soll Investmentgrade-Rating bewahren

Im Lauf der nächsten Zeit sollen die KfW-Linien mit Mitteln zurückgezahlt werden, die aus einer Pflichtwandelanleihe stammen. Diese Papiere soll Uniper im Umfang von 7,7 Milliarden Euro an den Bund ausgeben. Die Ausgabe erfolgt in Tranchen, soweit es der Liquiditätsbedarf der Uniper erfordert.

Sie müssen allerdings so ausgestaltet werden, dass die Ratingagenturen sie als Eigenkapital werten. Der Hintergrund: Ein Erhalt des Investmentgrade-Ratings ist für Unipers Gashandelsgeschäft essenziell, und die Ratingagentur S&P hatte vor wenigen Tagen angekündigt, dieses Rating auf den Prüfstand stellen zu müssen, sofern nicht kurzfristig eine eigenkapitalstärkende Auffanglösung für Uniper gefunden wird.

Der Bund beteiligt sich aber wie erwartet auch direkt am Aktienkapital von Deutschlands größtem Gasimporteur. Er erwirbt eine Beteiligung in Höhe von 30 Prozent, Kaufpreis ist der Nennwert je Aktie von 1,70 Euro. Dadurch fließen Uniper zwar nur vergleichsweise geringe Mittel in Höhe von 267 Millionen Euro zu, aber wegen des niedrigen Bezugspreises kann der Bund dadurch trotzdem eine Sperrminorität aufbauen. Zum Vergleich: Der Börsenkurs der Uniper-Aktie lag zuletzt bei rund 10 Euro und kletterte im Nachgang der heutigen Vollzugsmeldung auf über 11 Euro.

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Unipers Hauptaktionär Fortum wird stark verwässert

Vor der verwässernden Kapitalerhöhung lag der Großteil der Aktien (78 Prozent) in den Händen des finnischen Staatskonzerns Fortum. Sollte Uniper nicht dazu in der Lage sein, die Inanspruchnahme der Pflichtwandelanleihen, die der Bund zeichnen will, möglichst gering zu halten, würde Fortums Anteil weiter sinken.

Doch auch dies ist in dem Rettungspaket adressiert worden: Fortum bekommt das Recht eingeräumt, dem Bund bis zu 70 Prozent der Pflichtwandelanleihe abzukaufen. Im Gegenzug würden Fortums Rückzahlungsansprüche aus Krediten an Uniper an den Bund fallen. Der Vorteil dieser Lösung wäre, dass sich das Fremdkapital dann noch stärker bei dem wesentlichen Gläubiger – dem Bund – konzentrieren würde. Fortum bekäme im Gegenzug die Möglichkeit, die Verwässerung seines Anteils zu begrenzen.

Fortum hatte ursprünglich darauf gedrungen, Unipers deutsches Gashandels- und Stromerzeugungsgeschäft komplett an den Bund abzuspalten, damit der Konzern im Gegenzug weiterhin die Kontrolle über die restlichen Uniper-Assets behalten könnte. Darunter sind zum Beispiel Kernkraftwerke in Skandinavien, die für Uniper strategisch interessant sind. Aus Verhandlungskreisen sickerte jedoch durch, dass der Bund dazu nur bereit gewesen wäre, wenn Fortum eine hohe Einmalzahlung in mittlerer einstelliger Milliardenhöhe geleistet hätte, um den Bund für die alleinige Übernahme der Risiken aus dem Gashandelsgeschäft zu entschädigen.    

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