B. Braun-CFO Annette Beller spricht mit FINANCE darüber, was der Schuldscheinmarkt für ihr Unternehmen bedeutet.

B. Braun Melsungen AG

14.07.17
Finanzierungen

B. Braun-CFO Beller: „Wo sollen die Schuldscheinkonditionen sich noch hinentwickeln“?

Für den jüngsten Schuldschein musste B. Braun-Finanzchefin Annette Beller extrem wenig bezahlen. Warum sie gerade diesen Zeitpunkt für die Transaktion wählte und was der Schuldscheinmarkt für ihr Unternehmen bedeutet, erzählt sie im FINANCE-Interview.

Frau Dr. Beller, im Juni haben Sie für B. Braun einen Schuldschein platziert, der aufgrund seiner besonders niedrigen Konditionen für Aufsehen sorgte. Können Sie uns sagen, wo der Preis letztlich lag?
Die genauen Konditionen möchte ich nicht nennen. Nur so viel: Wir sind sehr zufrieden mit der Transaktion und konnten die Tranchen am unteren Ende der Vermarktungsspannen platzieren. Gleichzeitig konnten wir auch das Volumen von anfänglich 150 auf 400 Millionen Euro aufstocken. Dafür hatten wir uns schon im Vorfeld die Genehmigung des Aufsichtsrats eingeholt.

Einige Experten haben nach Ihrer Transaktion spekuliert, nun sei am Schuldscheinmarkt in Sachen Zinsen der absolute Tiefpunkt erreicht. Sehen Sie das auch so?
Letztendlich hängt das von Mario Draghi und seinen weiteren Entscheidungen ab. Man muss sich aber fragen, wo die Schuldscheinkonditionen sich noch hinentwickeln sollen. Ich denke daher, dass es eine Zinswende geben wird. Solche Überlegungen haben natürlich auch den Zeitpunkt unserer Platzierung beeinflusst. Deshalb haben wir den Schuldschein jetzt und in dieser Struktur, also mit Laufzeiten zwischen sechs und zehn Jahren, platziert. So konnten wir uns diese äußerst günstigen Bedingungen langfristig sichern.

Das bedeutet auch, dass keine der Tranchen variabel verzinst angeboten wurde.
Das ist richtig, für uns spielt die fixe Verzinsung in unserer Finanzierungsstrategie eine zentrale Rolle. Wir streben an, jederzeit rund 50 Prozent unserer Verbindlichkeiten in festverzinsten Produkten zu haben.

B. Braun ist schon seit 2000 am Schuldscheinmarkt aktiv. Was reizt Sie am Schuldschein?

Für uns lautet die essentielle Frage immer: Wie verfügbar ist die Liquidität? Deshalb wollten wir uns damals etwas unabhängiger von den Banken machen. 2000 war der Schuldschein noch sehr unmodern, für uns als nicht börsennotiertes Familienunternehmen war es aber der richtige Weg, um unsere Investorenbasis zu diversifizieren. Mittlerweile finanzieren wir etwa 50 Prozent unseres Bedarfs über Schuldscheine, den Rest ziehen wir aus einer Multi-Currency-Kreditlinie über 520 Millionen Euro sowie über ein ABS-Programm. Daneben haben wir noch einige lokale Kreditlinien in unterschiedlichen Währungen.

B. Braun-CFO Annette Beller: „Bewusste Entscheidung gegen Bonds“

In den vergangenen Jahren hat der Schuldscheinmarkt einen starken Boom erlebt. Empfinden Sie das als Vorteil, oder sehen sie auch Risiken in dem schnellen Wachstum?
Insgesamt ist es natürlich positiv zu bewerten, dass die Akzeptanz für dieses Instrument bei den Investoren so stark gewachsen ist. Ich sehe allerdings den Eintritt vieler großer, kapitalmarktorientierter Unternehmen kritisch. Bei den großvolumigen Schuldscheinen die sie platzieren, besteht immer die Gefahr, dass der Markt für uns zu eng wird. Bisher hat sich diese Sorge aber noch nicht bewahrheitet.

Stand für Sie als Alternative zum Schuldschein auch eine Anleihe zur Debatte?

Es ist für uns als Familienunternehmen eine ganz bewusste Entscheidung, nicht an den Bondmarkt zu gehen. Solange wir nicht müssen, werden wir dies auch nicht tun. Deshalb ist der Schuldscheinmarkt für uns umso wichtiger. Erfreulich ist, dass wir uns über die Jahre sehr stabile Investorenbeziehungen aufbauen konnten. Bei der aktuellen Transaktion haben 150 Investoren gezeichnet, viele davon nicht zum ersten Mal.

Sind diese langjährigen Investorenkontakte auch der Grund, warum Sie weiterhin auf ein externes Rating verzichten?
Wir haben die Option, ein externes Rating einzuholen, 1999 intensiv geprüft und uns dagegen entschieden. Seitdem hat diese Debatte auch nicht mehr stattgefunden. Wir brauchen es einfach nicht. Eine Änderung haben wir allerdings vorgenommen, um internationale Investoren besser ansprechen zu können: Seit 2005 veröffentlichen wir freiwillig einen Jahresabschluss nach IFRS. Das ist eine deutlich einfachere Gesprächsgrundlage als ein HGB-Abschluss mit vielen deutschen Eigenheiten. Als Unternehmen in Nordhessen hatten wir aufgrund des Zonenrandförderungsgesetzes nach deutschem Handelsrecht Sonderposten mit Rücklageanteil in unserem Konzernabschluss. Diese konnten wir ausländischen Investoren immer nur schwer erklären.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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