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17.07.18
Finanzierungen

Banken treiben digitale Schuldscheine voran

Neue digitale Plattformen sorgen für Schlagzeilen am Schuldscheinmarkt, die Banken haben das Feld für sich entdeckt. Trotzdem entwickelt sich der Markt unter den Erwartungen. Kommt jetzt die Wende?

Der Schuldscheinmarkt hat im ersten Halbjahr 2018 geschwächelt. Insgesamt wurden Schuldscheine über rund 9,2 Milliarden Euro platziert, das entspricht einem Rückgang um 35 Prozent im Vergleich zum starken ersten Halbjahr 2017 (14,1 Milliarden Euro). Das zeigt das aktuelle FINANCE-Schuldschein-Update, das der Datenanbieter Thomson Reuters LPC exklusiv für FINANCE aufbereitet und das MeinFINANCE-Nutzer hier kostenlos herunterladen können.

Die Flaute am Schuldscheinmarkt hat sich im zweiten Quartal sogar noch deutlich verstärkt: Mit 32 Transaktionen wurde lediglich ein Volumen von 3,72 Milliarden Euro platziert. Im ebenfalls schon schwachen ersten Quartal waren es noch rund 5,45 Milliarden Euro aus 36 Transaktionen gewesen.

Schuldschein-Pipeline gut gefüllt

Einige Experten – beispielsweise von Scope – rechnen jetzt aber damit, dass der Abwärtstrend im dritten Quartal gestoppt und der Schuldscheinmarkt wieder Fahrt aufnehmen wird. Die Pipeline für das dritte Quartal sei gut gefüllt. Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen stünden in den Startlöchern.

Scope hält deshalb auch an der Prognose von 20 Milliarden Euro für das Gesamtjahr fest. Dieser Betrag könnte jedoch nur erreicht werden, wenn sich auch wieder mehr größere Unternehmen zur Ausgabe neuer Schuldscheine entscheiden würden. Im ganzen ersten Halbjahr gab es nur einen einzigen Jumbo-Schuldschein: Rewe hatte 1 Milliarde Euro aufgenommen.

Dementsprechend korrigiert mit Capmarcon ein anderer Beobachter seine Markterwartung: Das Beratungshaus ging bislang von einem Volumen von 22 bis 25 Milliarden Euro aus, erwarten jetzt aber nur noch 15 bis 20 Milliarden Euro. Für die Stuttgarter liegt der Hauptgrund für die schwächere Aktivität im geringeren Kreditbedarf deutscher Unternehmen.

Kleinere Deals dominieren Schuldscheinmarkt

Der Trend zu kleineren Transaktionen hat sich im zweiten Quartal sogar noch verstärkt, wie ein Blick auf die größten Deals zeigt: Nur drei Emittenten aus dem zweiten Quartal platzierten sich unter den Top 10 Deals des bisherigen Jahres.

1 Tui

Der Touristikkonzern platzierte den größten Deal des zweiten Quartals mit einem Schuldschein über rund 425 Millionen Euro. Auf Halbjahressicht landet das Unternehmen damit auf Platz 2 der größten Deals.

2 B. Braun Melsungen

Auf Platz 4 der größten Transaktionen schafft es B. Braun Melsungen mit einem Schuldschein über 300 Millionen Euro. Das nordhessische Familienunternehmen muss sich den Platz aber mit drei Unternehmen teilen, die im ersten Quartal ebenso große Deals platzierten.

3 Trans Austria Gasleitung

Mit einer Transaktion über rund 260 Millionen Euro kam Trans Austria Gasleitung an den Markt. Das österreichische Unternehmen platzierte damit den drittgrößten Deal des Quartals. Im Gesamtjahr liegt es auf Platz 8.

Konditionen am Schuldscheinmarkt ziehen an

Noch eine Entwicklung aus dem ersten Quartal hat sich im Frühjahr fortgesetzt: Die Zeiten immer lockererer Bedingungen am Schuldscheinmarkt sind vorerst vorbei. Capmarcon beobachtet, dass Investoren gerade bei länger laufenden Schuldscheinen nicht mehr jede Aufweichung der Kreditkonditionen akzeptieren.

Auch die Preise ziehen an: Für Unternehmen mit einer Bonität auf BBB-Niveau liegt die durchschnittliche Verzinsung eines fünfjährigen Schuldscheins laut Capmarcon im zweiten Quartal bei 0,9 Prozent. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 0,45 Prozent.

Während die Finanzierungskosten in den kommenden Monaten durchaus noch weiter anziehen können, arbeiten wichtige Marktteilnehmer daran, die Platzierungskosten zu senken. Der Trend zu digitalen Schuldscheinplattformen, der bereits zuvor begann, hat sich im zweiten Quartal weiter etabliert. Nach den Fintechs mischen nun auch die Banken kräftig mit.

Banken stoßen in Markt für digitale Schuldscheine

Die Helaba machte Ende März mit einem grünen Schuldschein für den Energieversorger Verbund den Anfang. Der Deal über 100 Millionen Euro wurde in Kooperation mit dem Fintech Value Concpets über dessen Plattform VC Trade platziert. Es folgten weitere Transaktionen, mittlerweile sind auch SEB und BayernLB an die Plattform angeschlossen.
 
Die LBBW, die bislang vor allem mit Blockchain-Transaktionen für Aufmerksamkeit sorgte, brachte ebenfalls eine digitale Schuldscheinplattform an den Markt. Der Handelskonzern Baywa nutzte als erster die Plattform Debtvision, wie die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer berichtete. Das Besondere an dieser Plattform: Die Landesbank will sobald wie möglich die Blockchain-Technologie in die Plattform integrieren. Wie sich die beiden Ansätze der Landesbanken voneinander unterscheiden, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von FINANCE.

Die dritte Initiative hat die HSBC erst Anfang dieses Monats publik gemacht. Die Düsseldorfer gehen mit einer eigenen Plattform mit dem Namen Synd-X an den Start. Eines der ersten Unternehmen, das diesen Platzierungsweg bereits genutzt hat, ist der Leasinganbieter Grenke.

Helaba rückt auf, LBBW dominiert

Für die Fintechs, die bislang ohne Bankkooperation im Schuldscheinmarkt aktiv waren, bedeutet der Einstieg der Geldhäuser enorme Konkurrenz. Schließlich verfügen die arrangierenden Banken über ein weites Netzwerk unter Emittenten und Investoren, wie auch an den League-Tables abzulesen ist.

Mit LBBW und Helaba prägen zwei der Innovatoren auch gleich das gesamte Marktsegment: Die LBBW kann auch im zweiten Quartal ihre langjährige Marktführerschaft verteidigen. Die Landesbank begleitete 29 Deals und vereint einen Marktanteil von rund 34 Prozent auf sich.

Die Helaba kann sich im Vergleich zum Jahresauftakt um zwei Positionen nach vorne schieben und schafft es mit einem Marktanteil von rund 11 Prozent auf Platz 2. Die Bank hat 13 Transaktionen begleitet. Auf Platz 3 hält sich die DZ Bank, die bei neun Deals dabei war. Sie hat einen Marktanteil von rund 9 Prozent.

Schlechter lief es im zweiten Quartal für die BayernLB, die nur noch auf einen Marktanteil von rund 8 Prozent kommt. Das reicht nur noch für Platz 5, während sie im ersten Quartal noch auf Platz 2 lag. Die BayernLB liegt aber nur knapp hinter der Unicredit. Beide Häuser haben 10 Deals begleitet.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die größten Deals, die aktivsten Banken: Alle wichtigen Infos auf einen Blick im FINANCE-Schuldschein-Update, hier kostenlos verfügbar.

Mehr über die unterschiedlichen Ansätze von Helaba und LBBW im Hinblick auf die neuen, digitalen Schuldscheinplattformen erfahren Sie in der aktuellen Printausgabe von FINANCE (Juli/August 2018).