Die Coronakrise setzt den Schuldscheinmarkt unter Druck – ein Einfallstor für Distressed- und Loan-to-own-Investoren?

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FINANCE+ 08.09.20
Finanzierungen

Dammbruch am Schuldscheinmarkt?

Der Sekundärhandel mit Schuldscheinen zieht an, die ersten Sparkassen und Volksbanken bekommen kalte Füße. Lockt das jetzt die Distressed- oder gar die Loan-to-own-Investoren in den Schuldscheinmarkt?

Eigentlich gilt der Markt für Schuldscheine als Hort der Stabilität. Die Schuldscheinkäufer schätzen es, dass sie ihre Schuldscheine nicht „mark to market“, sondern bis zur Fälligkeit zum Nennwert bilanzieren dürfen. Dies und die starke Stellung der Landesbanken unter den Arrangeuren hat dazu geführt, dass der Schuldscheinmarkt wie kein zweiter Buy-and-Hold-Investoren anzieht.

Doch die Umwälzungen in der Automobilbranche und die Coronavirus-Krise haben etwas ins Rollen gebracht, das den Charakter des Schuldscheingeschäfts grundlegend verändern könnte – der Sekundärhandel von Schuldscheinen ist zum Leben erwacht.

Beispiel Debitos: Auf der Handelsplattform des Frankfurter Fintechs, das sich auf illiquide Assets konzentriert, explodiert der Sekundärhandel gerade: Wurden im gesamten Jahr 2019 bei Debitos lediglich drei Schuldschein-Trades mit einem Volumen von zusammen 6,2 Millionen Euro abgewickelt, waren es in den ersten sieben Monaten 2020 schon 61 Deals mit einem Gesamtvolumen von 180 Millionen Euro – ein Zuwachs um den Faktor 30. „Und jetzt, nach den Sommerferien, ziehen die Handelsanfragen schon wieder an“, berichtet Peter Riedel, der bei Debitos den Handel mit illiquiden Assets betreut.

Warum Volksbanken Schuldscheine abverkaufen

Zu Jahresbeginn haben die Investoren vor allem Papiere aus dem Automobilsektor verkauft, erzählt Riedel: „Manche Sparkassen und Volksbanken haben erkannt, dass sie ihr Schuldscheinportfolio aktiver managen und branchenseitig diversifizieren müssen. Corona hat den Drang nach Diversifizierung dann nochmals verstärkt.“

Seit dem Frühjahr geht es nun rund, die Preise vieler Schuldscheine sind in Bewegung geraten. Dies wiederum sorgt bei zusätzlichen Volksbanken und Sparkassen und semi-professionellen Investoren für Nervosität, und so gewinnt der Handel an Dynamik.

Trotzdem erlebt Riedel die Schuldscheinhalter unverändert als sehr heterogene Gruppe, auch was den Grad ihrer Beschäftigung mit dem eigenen Portfolio angeht: „Viele Verkäufer reagieren nach wie vor erst dann, wenn Presseberichte auf Probleme bei einem ihrer Schuldschein-Investments hindeuten.“ Dabei haben gerade viele Sparkassen – auch dank ihrer engen Beziehungen zu den Landesbanken, die das Emissionsgeschäft dominieren – gemessen an ihrer Größe ein recht großes Schuldschein-Exposure.

Trading-Cluster bei 50 bis 80 Prozent vom Nennwert

Den größten Anteil am derzeit regen Sekundärhandel bei Debitos haben Schuldscheine aus der Autobranche mit rund einem Viertel, danach folgt Bau. Riedel: „Anschließend wird es sehr heterogen. Im Wesentlichen sind es zehn, fünfzehn Namen, die gehandelt werden. Es verkaufen in allererster Linie Sparkassen und Volksbanken, Landesbanken eigentlich nur im Insolvenzfall.“

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