Leoni kämpft seit Monaten mit einem massiven Cash-Burn. Jetzt beauftragen die Nürnberger die Erstellung eines Sanierungsgutachtens nach IDW S6, um die kreditgebenden Banken zu beruhigen - und mehr Kreditlinien fest zuzusagen.

Leoni

11.12.19
Finanzierungen

Leoni beauftragt Sanierungsgutachten nach IDW S6

Leoni will seine Cash-Basis um 200 Millionen Euro erhöhen, doch dafür müssen die kreditgebenden Banken erst noch überzeugt werden: Die Nürnberger wollen sich ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 erstellen lassen.

Bei Leoni wird offenbar das Geld knapp: Der kriselnde Automobilzulieferer braucht rund 200 Millionen Euro zusätzlicher Liquidität, wie die Mittelfranken am Dienstag nach einer Vorstandssitzung vermeldeten. Als Gegenleistung für den zusätzlichen Cash durch die kreditgebenden Banken werden die Mittelfranken ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 in Auftrag geben, das den eingeschlagenen Kurs und die Durchfinanzierung bestätigen soll. „Leoni befindet sich weiterhin in sehr konstruktiven Abstimmungen mit seinen Kreditgebern“, betont das Unternehmen.

Nach FINANCE-Informationen soll es sich bei den Banken um die Deutsche Bank, die Commerzbank, die BayernLB, die Unicredit, die HSBC und die Citibank handeln.

Leoni muss Schuldschein zurückzahlen

Konkret heißt es: „Unter Berücksichtigung der Rückzahlung der in 2020 fälligen Schuldscheindarlehen soll sich der heute bestehende Finanzierungsrahmen der Gruppe nicht erhöhen.“ Leoni muss im nächsten Jahr zwei Schuldscheindarlehen von insgesamt knapp 200 Millionen Euro zurückzahlen – das frische Geld will Leoni aber explizit nicht dafür nutzen, sondern für die „mittelfristige Geschäftsentwicklung bis 2022“, wie ein Sprecher erklärte. Stattdessen sollen die Schuldscheine aus vorhandenen Mitteln zurückgezahlt werden. Ursprünglich wollte Leoni die Schuldscheine refinanzieren, nahm aber auf Wunsch der kreditgebenden Banken Abstand davon.

Um an das frische Geld zu kommen, will Leoni von bestehenden Kreditlinien Gebrauch machen. Das Unternehmen wies Ende September eine verfügbare Liquidität von 583 Millionen Euro aus, wovon rund 457 Millionen Euro auf die freien Kreditlinien entfielen, fest zugesagt sind davon allerdings nur 75 Prozent. Wie ein Sprecher erklärte, soll dies nun ausgeweitet werden – das wird Aufgabe von CFO Ingrid Jägering sein, die erst seit August Finanzchefin des Unternehmens ist.

Sanierungsgutachten IDW S6 als Banksicherheit

Die Börse reagierte kurzzeitig stark auf die Meldung, der Kurs sackte zeitweise unter die Marke von 10 Euro ab und stand zum Nachmittag bei 10,50 Euro. Im Vergleich zu Jahresbeginn ist die Kursentwicklung fatal: Damals notierte das Papier bei über 30 Euro, zum Jahresbeginn 2018 waren es sogar noch über 60 Euro.

Leoni steht bereits seit einiger Zeit unter Druck, besonders die hohe Cashburn-Rate ist beunruhigend, gleichzeitig stieg die kurzfristige Nettofinanzverschuldung immer weiter an. Der Schritt zu einem Gutachten nach IDW S6 unterstreicht denn auch den Ernst der Lage bei Leoni: Sinn solcher IDW S6-Gutachten ist die Feststellung der Sanierungsfähigkeit eines Unternehmens. Häufig sind es Banken, die durch ein solches Gutachten erfahren wollen, ob die geplanten Schritte ausreichend sind und ob ein Unternehmen überhaupt eine Chance hat, erfolgreich saniert werden zu können.

Leoni plant Carve-out der Kabelsparte

Diese Liquiditätsmaßnahme ist nicht das einzige Instrument, das Leoni hat, um wieder an frisches Kapital zu kommen: Auch der Verkauf oder ein Börsengang des Kabelgeschäfts Wire & Cable Solutions soll dringend benötigtes Geld in die klammen Kassen Leonis spülen. Der Geschäftsbereich könnte bei einem Verkauf mit 500 bis 600 Millionen Euro bewertet werden, meinen Analysten.

Gleichzeitig gäben die Nürnberger damit aber auch über 40 Prozent ihres Konzernumsatzes auf: Die Sparte erwirtschaftete in den ersten drei Quartalen dieses Jahres rund 1,54 Milliarden Euro – bei 3,66 Milliarden Euro Konzernumsatz.

Auch die eigenen Immobilienwerte können die Nürnberger noch einsetzen: Das Unternehmen führt Grundstücke und Immobilien im Wert von rund 320 Millionen Euro, die über ein sogenanntes Sale-and-Leaseback-Verfahren zu Geld gemacht werden oder als Sicherheit für Finanzierungen herangezogen werden können.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus – so auch Leoni. Mehr zu dem Thema erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite Restrukturierung. Mehr über die Entwicklungen bei dem Unternehmen können Sie auch der Themenseite zu Leoni nachlesen.