CFO Hafid Rifi spricht mit FINANCE über die aktuelle Schuldscheintransaktion des Klinikbetreibers Asklepios.

Asklepios

29.10.20
Finanzierungen

So platzierte Asklepios-CFO Hafid Rifi den neuen Schuldschein

Asklepios hat einen Schuldschein über 730 Millionen Euro platziert – mehr als drei Mal so viel wie angedacht. CFO Hafid Rifi über die Herausforderungen, die Vorteile der digitalen Platzierung und das Dauerthema Corona.

Asklepios hat den Schuldscheinmarkt angezapft und dabei einen der bislang größten Deals des Jahres getätigt. Insgesamt sammelten die Hamburger 730 Millionen Euro ein. Das ursprünglich geplante Volumen lag bei nur 200 Millionen Euro, die Transaktion war mehrfach überzeichnet.

Das Umfeld für Asklepios war herausfordernd: Der Schuldscheinmarkt wurde von den Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie stark getroffen. Die Emissionsaktivitäten gingen gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. „Deshalb sind wir mit dem Ergebnis der Transaktion sehr zufrieden“, kommentiert Finanzchef Hafid Rifi den Deal im Gespräch mit FINANCE. Das Volumen von 730 Millionen Euro liege „am oberen Ende dessen, was wir angestrebt haben.“

Bei den Konditionen konnte Asklepios dagegen über alle Tranchen das untere Ende der Preisspanne durchsetzen, berichtet er. „Damit konnten wir beim Pricing, trotz der aktuellen Marktbedingungen, ein sehr gutes Resultat erzielen“, sagt der CFO. Nachdem die Spreads am Schuldscheinmarkt im Zuge der Coronakrise stark angestiegen seien, habe man bis jetzt gewartet, da die Preise nun wieder auf „ein akzeptables Niveau“ zurückgekommen seien.

Asklepios setzt erstmals auf 20-jährige Tranche

Mit der Emission wollte der Klinikbetreiber sein Fälligkeitenprofil strecken. Die Transaktion teilt sich in Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sechs, sieben, acht, zehn und 20 Jahren auf. Großes Interesse habe es vor allem bei den kürzeren Laufzeiten gegeben, berichtet Rifi. Rund 60 Prozent des Volumens wurden zudem mit variablem Kupon gezeichnet.

„Mit besonderem Stolz erfüllt uns die zwanzigjährige Tranche“, sagt der CFO. Es ist die am längsten laufende Tranche, die Asklepios bislang platziert hat. Wie bei Laufzeiten über zehn Jahren üblich, wurde sie als Namensschuldverschreibung und nicht in Form eines Schuldscheins platziert.

Asklepios vermarktet Schuldschein digital

Darüber hinaus beschritt Rifi für den Klinikbetreiber noch in anderer Weise Neuland: Der Schuldschein wurde neben dem klassischen Weg auch erstmals über eine Digitalplattform vermarktet. Asklepios entschied sich dabei für VC Trade. Rifi ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Mich hat die hohe Transparenz über die Digitalplattform überzeugt. Wir konnten beispielsweise Investoren, mit denen wir bereits in anderem Zusammenhang im Austausch standen, auf diesem Weg unkompliziert auf unsere Transaktion aufmerksam machen“, berichtet er.

Auch bei der Ansprache neuer Geldgeber sieht Rifi auf dem digitalen Weg Vorteile. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Digitalplattformen langfristig den Schuldscheinmarkt für Investoren noch zugänglicher machen.“ Der CFO hatte jedenfalls nicht mit all den internationalen Adressen gerechnet, die bei seiner Transaktion im Orderbuch standen. Insgesamt 45 Prozent der Orders kamen von Investoren aus dem Ausland. „Der Anteil war damit so hoch, wie bei keiner unserer Schuldscheintransaktionen zuvor.“


FINANCE-Köpfe

Hafid Rifi, Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA

Hafid Rifi beginnt seine Karriere als Wirtschaftsprüfer und spezialisiert sich in dieser Zeit auf die Beratung und Prüfung von börsennotierten Unternehmen aus dem Healthcare-Sektor sowie von kommunalen Klinikketten und Universitätskliniken.

Im September 2009 stößt er als Konzernbereichsleiter für Rechnungswesen, Steuern & Controlling zu dem Klinikkonzern Asklepios. Im Dezember 2015 wird er zudem zum Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Hamburg berufen, im März 2016 schließlich zum Konzern-CFO der Asklepios Kliniken. Anfang 2019 wird Hafid Rifi zusätzlich stellvertretender CEO.

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CFO Rifi treibt Rhön-Integration voran

Den Erlös aus der Schuldscheintransaktion hat der Finanzchef, der seit 2016 bei den Hamburgern das Finanzressort leitet, bereits voll verplant. Ein kleiner Teil der Summe ist zur Rückzahlung einer Schuldscheintranche aus dem Jahr 2013 reserviert. Mit 687 Millionen Euro wird der Großteil aber für die vollständige Refinanzierung der Akquisitionsfinanzierung genutzt, die Asklepios für die Übernahme des Wettbewerbers Rhön-Klinikum aufgenommen hatte. Der M&A-Deal hatte Asklepios in der ersten Jahreshälfte häufiger in die Schlagzeilen gebracht, da sich der damalige Rhön-Großaktionär B. Braun heftig gegen die Übernahme wehrte.

Der Machtkampf, den Asklepios für sich entschieden hat, habe bei der aktuellen Schuldschein-Transaktion aber keine Rolle mehr gespielt. „Die Investoren haben da vor allem in die Zukunft geblickt: Was haben wir nun vor, wie geht es mit der Zusammenarbeit voran?“, sagt Rifi. Die beiden Unternehmen haben ein Post-Merger-Integration-Team mit Mitarbeitern aus beiden Einheiten damit beauftragt, das Zusammengehen voranzutreiben. Größte Chancen für Synergien sieht Rifi dabei bei der Materialbeschaffung und der IT. Er sieht aber auch erhebliches Potential zum Wohl der Patienten für eine konzernübergreifende Zusammenarbeit im medizinischen Bereich.

„Wir wollen nun erst einmal zeigen, dass wir die Übernahme gut abschließen können.“

Hafid Rifi, CFO bei Asklepios

Wenn die Integration erst einmal abgeschlossen ist, könnte der Finanzchef sich auch vorstellen, für künftige Finanzierungen den Kapitalmarkt anzuzapfen. Asklepios hatte im Jahr 2010 schon einmal eine Anleihe begeben, seitdem aber keine Bonds mehr platziert. „Wir hatten das Gefühl, dass es diesmal für uns für den Bondmarkt zu früh gewesen wäre“, erklärt der CFO. „Wir wollen nun erst einmal zeigen, dass wir die Übernahme gut abschließen können.“

Investoren legen Augenmerk auf Corona-Folgen

Zweites großes Thema sei für die Investoren das Coronavirus gewesen. Denn die Auswirkungen der Pandemie gehen an Klinikbetreibern keineswegs unbemerkt vorbei, ganz im Gegenteil: „Wir haben durch die besondere Situation im Frühjahr, in der viele sogenannte nicht-notwendige Operationen verschoben und Betten für Corona-Patienten vorgehalten werden mussten, auch deutliche Folgen für unser Geschäft gespürt“, erklärt er.

Blickt man auf die Zahlen, dann hat Asklepios sich im ersten Halbjahr trotz Pandemie wacker gehalten. Der Umsatz lag bei rund 1,8 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei etwa 172 Millionen Euro und damit in etwa auf Vorjahresniveau. Der Gewinn nach Steuern hat sich in den ersten sechs Monaten allerdings in etwa halbiert. Asklepios führt das im Wesentlichen auf Auswirkungen der Pandemie zurück. Inwieweit der staatliche Rettungsschirm für Krankenhäuser das Geschäft gestützt hat, gibt Asklepios allerdings nicht bekannt. Krankenhäuser erhalten Pauschalen für die Betten, die wegen der Pandemie freigehalten werden.

Für Rifi war der Rettungsschirm in diesem Jahr die richtige Entscheidung der Politik. „Für das vierte Quartal gibt es allerdings keinerlei Hilfen mehr. Wichtig ist daher, dass Patienten wieder in die Kliniken kommen, damit keine neuerlichen staatlichen Hilfen von Nöten sein werden. Wir treten nicht an, um für Leerstand bezahlt zu werden“, spitzt er zu. Er sieht es daher kritisch, wenn angesichts der steigenden Zahlen wieder Appelle laut werden, nicht-notwendige Operationen zu verschieben.

„Wir haben inzwischen ganz andere Abläufe in den Krankenhäusern und können daher die normale Gesundheitsversorgung weiter abdecken, auch wenn mehr Corona-Patienten zu versorgen sind“, argumentiert er. Das Aufschieben von medizinischen Behandlungen habe auch immer einen gesellschaftlichen Preis, mahnt der Finanzchef.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere des Asklepios-Finanzchefs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Hafid Rifi.