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„Viele Reports schaut das Management kaum an“

Viele Finanzabteilungen erstellen Reports, die das Management nicht mehr wirklich sehen will. Foto: Viacheslav Lakobchuk – stock.adobe.com
Viele Finanzabteilungen erstellen Reports, die das Management nicht mehr wirklich sehen will. Foto: Viacheslav Lakobchuk – stock.adobe.com

Herr Mens, bereits vor vier Jahren kam in einer Workday-Studie heraus, dass viele CFOs ihren Unternehmensdaten nicht vertrauen. Hat sich die Situation verbessert?
Nein, sie hat sich leider nicht wirklich verbessert. Das Problem ist, dass viele Unternehmen – egal ob Mittelständler oder Konzerne – ihre Daten aus verschiedenen Silos zusammensuchen. Am Ende kommt dadurch nicht immer ein stimmiges Gesamtbild zustande.

Warum gehen Unternehmen so vor?
Das ist oft historisch bedingt. Früher war Speicherplatz recht teuer, es wurde in jeder Einheit nur das Notwendigste gespeichert. Es gab weniger Möglichkeiten zur Vernetzung und Datenübertragung. Durch diese Strukturen haben auch heute noch unterschiedliche Abteilungen oft unterschiedliche Datengrundlagen. Das macht datengestützte Entscheidungen natürlich deutlich schwieriger.

Wie lassen sich die Daten vereinheitlichen?
Das ist nicht ganz einfach. Unternehmen müssen diese Silos meist über eine künstliche Reporting-Schicht zusammenbringen. Das erfordert erhebliche Investitionen. Zudem laufen nicht mehr alle Daten zentral über die Finanzabteilung, die dadurch die Hoheit ein Stück weit abgibt, aber dennoch das Vertrauen in die Zahlen sicherstellen muss. Am besten wäre es häufig, die Datenstruktur komplett neu aufzusetzen und zu denken. Das geht aber natürlich nicht immer, da der Aufwand sehr groß ist.

Controlling erstellt unnötige Reports

Können Sie ein Beispiel nennen, wie die immer größer werdenden Datenmengen die Arbeit der Finanzabteilung beeinflussen?
Am Controlling kann man das gut festmachen. Um Entscheidungen zu treffen, brauche ich möglichst viele Daten, die ich möglichst gut aufbereite. Ich muss damit aber auch anders umgehen.

CFOs wollen mehr planen, sagt Frank Mens vom Softwareanbieter Workday. Foto: Workday
CFOs wollen mehr planen, sagt Frank Mens vom Softwareanbieter Workday. Foto: Workday

Also nicht nach dem Motto: „Viel hilft viel“ …
Genau. Ich beobachte immer wieder, dass das Controlling immer noch unheimlich viele Reports erstellt, weil diese eben immer erstellt wurden. Die schaut sich das Management kaum mehr an, weil die Berichte keine zukunftsgerichteten Entscheidungen unterstützen. Die Finanzabteilung muss sich viel öfter fragen, was wichtig ist und was nicht. Technologie hilft nur bis zu einem gewissen Punkt, Finance braucht ein neues Skillset. Das Erstellen von Berichten – vor fünf Jahren noch eine Kernaufgabe – spielt eine immer kleinere Rolle.

Also wollen Finanzchefs von ihrem Team vor allem wissen, was in den kommenden Monaten passiert?
Das Thema Planung ist massiv in den Vordergrund gerückt, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie. CFOs machen sich mehr Gedanken über die Zukunft, sind in ihrer Arbeit flexibler und agiler. Wurde früher einmal im Jahr ein Budget verteilt, geschieht das jetzt häufig auf Wochen- oder Tagesbasis. Dafür braucht man dann natürlich möglichst valide tagesaktuelle Zahlen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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