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07.09.18
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FINANCE-Multiples 05/2018: Teure Pharmabranche

Stabil, konjunkturresistent, und fast jeder M&A-Deal liefert hohes Synergiepotential: Pharmaunternehmen bleiben gefragt.

Liebe Leser,

Big Pharma steht schon seit vielen Jahren für die größten M&A-Deals weltweit. Übernahmen mit Dealvolumina zwischen 25 und 75 Milliarden Dollar sind keine Seltenheit. Eine Hauptmotivation der Käufer ist eine Auffrischung ihrer Medikamentenpipelines, aber fast jeder Pharma-Deal liefert auch hohe Vertriebssynergien. Daher glauben die FINANCE-Multiples-Experten, dass die Pharma-Multiples erst dann wieder deutlicher sinken werden, wenn die Niedrigzinsphase endet.

Dennoch beobachtet das Expertenpanel, das die FINANCE-Multiples liefert, in der DACH-Region aktuell eine leichte Abschwächung der Pharma-Multiples. Allerdings passiert dies auf höchstem Niveau: Keine andere der 16 FINANCE-Multiples-Branchen ist höher bewertet als Pharma. Im Schnitt liegen die Ebit-Multiples bei 9x bis 12x, die Umsatz-Multiples bei 1,5x bis 2,5x.

EBIT- und Umsatzmultiplikatoren für den Unternehmenswert, September 2018

* Small-Cap: Unternehmensumsatz unter 50 Mio. Euro; Mid-Cap: 50-250 Mio. Euro; Large-Cap: über 250 Mio. Euro; Pfeile zeigen niedrigeren/gestiegenen Wert gegenüber vorherigem Wert

FINANCE-Expertenpanel

Besteht aus Professionals folgender Institutionen: Aquin & CieBaker TillyC.H. Reynolds Corporate Finance, Clairfield International, DZ BankHübner Schlösser & Cie, IMAP M&A Consultants, Interfinanz, Ipontix Corporate Finance, Keller & Coll., Mayerhöfer & Co, Mayland, MCF Corporate Finance, Network Corporate Finance, Oaklins Germany, Proventis Partners, SBCF & Cie.Sigma Corporate Finance, Sonntag Corporate Finance, Warth & Klein Grant Thornton.

Quelle der Börsendaten ist die OSIRIS-Datenbank von Bureau van Dijk Electronic Publishing, Frankfurt am Main.

Quelle der Gewichtungen ist die Gruppe Deutsche Börse AG.

Branchenfokus: Pharma

Viele Pharmaunternehmen freuen sich zurzeit über Wachstum und hohe Margen, doch es droht Ungemach: Für eine Reihe von Umsatz- und Ertragsbringern läuft bald der Patentschutz aus. Die Pharmabranche investiert daher in die eigene Entwicklungspipeline, doch auch Zukäufe sollen helfen, die entstehenden Lücken im Portfolio zu schließen. Auf der anderen Seite kommt es im Rahmen von Portfoliobereinigungen zu Verkäufen, weil die Unternehmen sich auf die für sie vielversprechendsten Anwendungen fokussieren.

Die Multiples sind in der Branche zurzeit hoch. Sowohl Strategen als auch finanzstarke Private-Equity-Investoren buhlen um interessante Zielobjekte. Trotz hoher Preise sind viele Transaktionen schnell wertschaffend, weil die Vertriebssynergien nach M&A-Deals oft erheblich sind. Die abgeflaute Dealaktivität im zurückliegenden Jahr war für viele Branchenbeobachter ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen auf bessere Rahmenbedingungen für Zukäufe gewartet haben. Diese ergeben sich nun unter anderem durch die Steuerreform in den USA.

Die Multiples in der Pharmabranche sind hoch, genauso wie der Wettbewerb zwischen strategischen Käufern und Finanzinvestoren.

Als interessante Targets gelten Unternehmen, die eine hohe Zahl an langlaufenden Patenten haben und eine gut gefüllte Forschungs- und Entwicklungspipeline mitbringen. Gefragt sind zudem Unternehmen aus den Bereichen Biotech und Digital Health. So zahlte Celegene für das auf Krebstherapien spezialisierte Biotech-Unternehmen Juno rund 9 Milliarden US-Dollar. Im Bereich Digital Health tritt mit den großen Tech-Firmen zudem eine neue Käuferschar auf den Plan, die den klassischen Pharmamarkt verändern will. Die höchsten Preise erzielen Pharmaunternehmen, die auf seltene Krankheiten spezialisiert sind. 

Ein Ende der Niedrigzinsphase könnte dem Anstieg der Multiples einen Dämpfer versetzen.

So soll die geplante Übernahme von Shire durch Takeda für einen Kaufpreis von rund 62 Milliarden US-Dollar einen Pharmariesen mit dem Schwerpunkt seltene Krankheiten, Krebserkrankungen und neurologische Krankheiten entstehen lassen. Johnson & Johnson sicherte sich 2017 mit der rund 30 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Actelion die Aufnahme mehrerer Medikamente für seltene Krankheiten in sein Portfolio. Schwerer zu verkaufen sind dagegen Anbieter mit Fokus auf Generikaprodukten, da diese niedrigere Margen erzielen.

Die derzeit hohen Multiples dürften sich aus Sicht von Branchenbeobachtern noch einige Zeit auf dem hohen Niveau seitwärts bewegen. Ein Ende der Niedrigzinsphase könnte den Bewertungen allerdings mittelfristig einen Dämpfer versetzen.

Quellen: DZ Bank, Mayland, Oaklins Germany

EBIT- und Umsatz-Multiples Pharma Mid-Cap im Rückblick

Die Multiples

Die FINANCE-Multiples basieren auf Markteinschätzungen von Experten aus M&A-Beratungshäusern. Insgesamt werden Korridore für die EBIT- und Umsatzmultiplikatoren von 16 Branchen abgefragt und gemittelt. Viermal jährlich werden die Zahlen aktualisiert.

Weitere Angaben zu den Multiples finden Sie unter www.finance-magazin.de/research/multiples.

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