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Steht die europäische Konsumgüterindustrie vor weiteren Konsolidierungen?

Datasite | FINANCE Business Perspectives
Foto: Datsite

Die Konsumgüterindustrie musste in den letzten Jahren einiges einstecken. Nur wenige Branchen haben so stark unter der Pandemie gelitten und mussten sich so anpassen wie sie. Lockdowns haben den stationären Handel weitgehend lahmgelegt. Manche Firmen konnten schnell auf E-Commerce umstellen und waren so besser in der Lage, den Sturm zu überstehen.

Als die Einschränkungen nachließen, wurde jedoch klar: Das Verhalten der Verbraucher hat sich verändert. Die Kundenfrequenz im Einzelhandel konnte sich nicht erholen und auf das Vor-Krisen-Niveau zurückkehren. Zudem ist das bisherige Jahr 2022 durch weitere Herausforderungen geprägt. Dazu gehören Lieferketten-Probleme, Inflationsdruck und steigende Energiepreise. Deshalb werden sich viele Konsumgüterunternehmen in diesem und im nächsten Jahr nur mühsam über Wasser halten können, einzige Ausnahme stellt die Luxusgüterindustrie dar.

Veränderte Bedingungen

Diese Turbulenzen verstärken die Prognose für eine hohe Anzahl an Distressed Deals in der europäischen Konsumgüterbranche. In Großbritannien wurden im zweiten Halbjahr 2021 und im ersten Quartal 2022 nur zwei Distressed Deals abgeschlossen. Das berichtet das Beratungsunternehmen RPC. Im 2. Quartal begannen sich die Bedingungen merklich zu ändern. Angekündigt wurden vier Übernahmen von notleidenden Einzelhändlern.

Dieser Trend findet sich in unserem jüngsten Report „Deal Drivers: EMEA HY 2022“ wieder. Hier zeigt der Konsumgütersektor den größten Rückgang im Jahresvergleich. Die Zahl der Transaktionen sank auf 382. Das entspricht einem Rückgang von 35 %. Der Deal-Wert sank um 12,6 % auf 29,2 Mrd. Euro. Im Vorjahr waren es noch 33,4 Mrd. Euro. Für den Rest des Jahres wird für diesen Sektor das dritthöchste Transaktionsvolumen erwartet. Höher ist es nur in den Branchen TMT und Industrie.

Der European Distress Index, welcher von der Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges veröffentlicht wird, bestätigt diese düsteren Aussichten in seiner Juni-Ausgabe. Danach ist die Zahl der Unternehmen in Schieflage in den wichtigsten europäischen Märkten auf dem höchsten Stand seit August 2020. Am stärksten stehen deutsche und britische Unternehmen unter Druck. Als besorgniserregende Sektoren wurden der Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie identifiziert. Gründe dafür sind das niedrige Investitionsniveau, volatile Aktienmärkte und der allgemeine Rückgang der Konsumausgaben privater Haushalte.

Private Equity beobachtet die Lage

Größere, gut kapitalisierte Unternehmen kaufen kleine und mittelgroße Unternehmen auf. Vor Kurzem wurde die Supermarktkette McColl’s aus der Insolvenz herausgekauft. Käufer war die Supermarktgruppe Morrisons, die sich im Besitz des Private-Equity-Riesen Clayton Dubilier & Rice befindet.

Ähnliche Transaktionen werden wohl bald an der Tagesordnung sein, denn in diesem Konsolidierungsboom werden insbesondere PE-Firmen ein Auge auf die notleidenden Unternehmen werfen. Schließlich verfügen Sie über das notwendige Dry Powder.

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