Viele Fintechs arbeiten agil, doch auf die starren Strukturen der Bankenwelt lässt sich Agilität nicht so einfach übertragen. Beide Seiten lernen voneinander.

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11.12.18

Agiles Arbeiten: Mammutaufgabe für Banken

Agiles Arbeiten ist das Buzzword der internen Innovation. Banken haben mit den Fintechs die Vorbilder direkt vor Augen. Die traditionell gelernten Verhaltensmuster in der konservativen Branche über den Haufen zu werfen, ist aber eine gewaltige Herausforderung.

Fintechs und Banken arbeiten extrem unterschiedlich. Während in Banken über Jahrzehnte, zum Teil Jahrhunderte das Arbeiten in Hierarchien und Silos gelernt wurde, agieren Fintechs kleinteiliger. Sie probieren aus, gestalten um, sind flexibel. Agiles Arbeiten findet bei wachsenden Fintechs perfekte Voraussetzungen. Sie können einen großen Vorteil gegenüber Banken ausspielen: ihren Fokus ausschließlich auf ein einziges Angebot zu richten.

Agil ohne Beispiel

Auch einige Banken haben sich agiles Arbeiten bereits auf die Fahnen geschrieben. Die Umsetzung ist bei den meisten aber noch nicht weit vorangeschritten, auch wenn die ersten Erfahrungen durchaus positiv sind. Allerdings zeigt sich auch, dass sich die einzelnen Banksegmente unterschiedlich gut für die neue Arbeitsweise eignen.

Der Umbau einer großen, zudem stark regulierten Unternehmung in agil arbeitende kleine Einheiten ist ein gewaltiges Experiment, das bislang noch in keiner anderen Branche erfolgreich bewältigt wurde. Viele agil arbeitende Konzerne haben keine so starke Tradition des hierarchischen Arbeitens wie die Banken, und sie sind zudem rasch gewachsen und sind mit reichlich Cashflow für Experimente ausgestattet. Fintechs können den Banken wertvollen Anschauungsunterricht geben, wenn es darum geht, Agilität zu verstehen. 

Fintechs lernen Struktur von den Banken

Doch der Austausch zwischen Banken und Fintechs funktioniert in beide Richtungen: Umgekehrt lernen erfolgreiche Fintechs, dass eine gewisse Größe auch Strukturen erfordert, die agiles Arbeiten zumindest erschweren. Für Fintechs kann die Zusammenarbeit mit Banken hilfreich sein – vor allem auch der Zugriff auf Backoffice-Strukturen, die ansonsten mühsam und wesensfremd selbst aufgebaut werden müssten.

Dieser Artikel ist Teil der Studie „Liebe auf den dritten Blick: Wie Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammenfinden“, die FINANCE gemeinsam mit ING und CMS veröffentlicht. Die Ergebnisse veröffentlichen wir in drei Teilen in unserem Online-Themenspecial Fintechs.

Die Vorgängerstudie „Gegner, Helfer, Partner: Fintechs und das Firmenkundengeschäft der Banken“ können Sie bereits jetzt hier beziehen. Ende Januar 2019 finden Sie dort auch die vollständigen Ergebnisse der Studie „Liebe auf den dritten Blick: Wie Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammenfinden“.