Tech-Konzerne als lachende Dritte? Wenn Banken und Fintechs nicht aufpassen, ziehen die Big-Tech-Konkurrenten womöglich mit eigenen Angeboten vorbei.

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14.01.19

Wie Big Tech die Banken und Fintechs bedroht

Sind Fintechs und Banken eher Wettbewerber oder Partner? Diese Frage verstellt den Blick auf ein viel drängenderes Problem. Die beiden Gruppen sind nicht die einzigen, die Firmenkunden im Visier haben – auch Big Tech ist auf dem Vormarsch.

Banken und Fintechs wollen beide bei Firmenkunden punkten, doch sie sind nicht allein im Werben um die attraktive Zielgruppe: Auch große Tech-Konzerne wie Apple, Ariba, Amazon, PayPal und Google wollen an dem Geschäft mit Firmenkunden teilhaben. Die Chancen stehen nicht schlecht: Die Technologiegiganten besitzen schon viel, um im Firmenkundengeschäft erfolgreich zu sein.

Sie haben den Kundenzugang, das Kundenvertrauen und die Fähigkeit, Informationen systematisch zu erheben und auszuwerten. Hinzu kommen bei den Tech-Giganten eine hohe Innovationskraft sowie üppige finanzielle Ressourcen. 

Siegt Big Tech über Banking?

Einige Bereiche im Corporate Banking dürften schon heute kaum noch zu verteidigen sein. Der Kampf um den Zahlungsverkehr könnte sich zugunsten der Tech-Anbieter entscheiden. Und auch bei Themen wie Risikomessung können einige der großen Tech-Unternehmen punkten: Mit ihren zum Teil exklusiven Informationen können sie dort immer effizienter und präziser werden.


Die einzelnen Tätigkeitsfelder von Unternehmen wachsen immer stärker zusammen und werden immer enger vernetzt. Das eröffnet Chancen, führt aber auch zu Abhängigkeiten und neuen Hierarchien. Der Verlust des direkten Kundenzugangs ist ebenso eine mögliche Folge wie die Erweiterung des eigenen Angebots. Das klassische Banking als rein unterstützendes Ökosystem dürfte eher zu den Verlierern der Konvergenz gehören.

Banken müssen sich neu definieren

Natürlich ist auch dieses Bild nicht schwarz-weiß. Es ist keinesfalls gesagt, dass Fintechs von Big Tech ersetzt werden. Möglicherweise tritt Big Tech auch an die Stelle der Bank und wird aus Sicht des Fintechs ein Kunde, Kooperationspartner oder Investor.

Umgekehrt können auch die Banken an einer Zusammenarbeit mit Big Tech durchaus Freude haben. Viele Teile des Firmenkundengeschäfts sind für Big Tech nicht sonderlich attraktiv, weil es sich um eher margenschwaches und hoch reguliertes Geschäft handelt. 

Viele Teile des Firmenkundengeschäfts sind für Big Tech nicht sonderlich attraktiv.

Banken haben allerdings nur drei mögliche Ansatzpunkte, um sich zu bewähren: Sie müssen die Kundenschnittstelle bewahren, sich als fachlich versierter Technologieanbieter in die Wertschöpfungskette integrieren oder der überlegene Produktlieferant werden. Für alle drei Ansätze kann eine Zusammenarbeit mit Firmenkunden-Fintechs sinnvoll sein.

Bank plus Fintech könnte Big Tech abwehren

Die kombinierten Stärken von Banken und Fintechs sind eine scharfe Waffe im Kampf gegen Eindringlinge von außen. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich beide Seiten mit Respekt begegnen und diszipliniert zusammenarbeiten. Das bedeutet auch, vieles loszulassen – sowohl kulturelle Gewohnheiten wie auch Handfestes: Beide Seiten müssen ein Stück ihrer Prozess- und Datenhoheit abgeben, sie haben nicht mehr die alleinige Kundenhoheit und nicht mehr die alleinige Kontrolle. Auch darf keine Seite daran glauben, dass ihre eigene Arbeitsform die überlegene sein könnte. 


Dieser Verzicht verlangt von beiden Seiten viel. Die Marktentwicklung könnte die Kooperationsfreude der Spieler zwangsweise befördern. Wenn beide Seiten es schaffen, in der Kooperation ihre eigenen Stärken beizubehalten, haben sie den Big-Tech-Wettbewerbern einiges entgegenzusetzen.