Green Finance: Was CFOs über Sustainability wissen müssen

Green Bond, Green Schuldschein, ESG-linked Loan & Co.: Was einst als Trend begann, entwickelt sich mittlerweile zum Standard. Am Thema Green Finance kommt heute kein CFO mehr vorbei. Auf dieser Themenseite finden Sie die wichtigsten Marktentwicklungen.

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Nachhaltigkeit hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenthema zu einem der wichtigsten Punkte auf der Agenda in deutschen Finanzabteilungen gewandelt. Dafür sorgte zunächst ein erhöhter gesellschaftlicher Druck und vor allem ein immer strengeres Regelwerk von Seiten der Politik. Doch die Debatte rund um das Thema grüne Finanzierung ist komplex – vor allem, weil die Begrifflichkeiten nicht klar definiert sind.



Was ist die Definition von Green Finance, ESG & Co.?

Unter dem Begriff Green Finance werden alle Finanzierungsinstrumente zusammengefasst, die den Zweck haben, Nachhaltigkeit zu fördern. Der Fokus liegt dabei auf Themen wie Klima und Umwelt. Der Begriff Sustainable Finance umfasst grüne Finanzierungen, kann aber auch für solche Transaktionen verwendet werden, bei denen ein sozialer Zweck im Mittelpunkt steht, wie etwa den Themen Bildung oder Armutsbekämpfung.

Ebenfalls oft wird die Abkürzung ESG verwendet, um generell die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen zu beschreiben, auch außerhalb der Finanzabteilung. Dahinter verbergen sich die drei Begriffe Environment, Social und Governance.

Bislang gibt es aber noch keine einheitliche Definition dafür, was als nachhaltig gilt. Zwar arbeitet die Europäische Union derzeit an einem Regelwerk, das mehr Einheitlichkeit in den Markt bringen soll. Allerdings fokussiert sich diese EU-Taxonomie zunächst nur auf ein kleines Spektrum an klimarelevanten Zielen. In vielen Bereichen müssen also weiterhin Unternehmen, Banken und Investoren darüber entscheiden, was in ihrem Sinne nachhaltig ist und was nicht.

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Green Finance: Die vier wichtigsten Instrumente

Der Markt für grüne Finanzierungsinstrument ist in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo gewachsen. Darüber hinaus hat sich auch das Spektrum der verschiedenen Instrumente ausdifferenziert, die unter diesen Begriff fallen. Der Green-Finance-Markt teilt sich dabei in zwei unterschiedliche Produktgruppen: Zum einen gibt es Instrumente, mit denen einzelne und konkrete nachhaltige Projekte finanziert werden. Zum anderen gibt es Finanzierungen, die an die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens insgesamt gekoppelt sind.



Green Bonds, Green Schuldscheine, Green Loans & Co.

Zu den Projektfinanzierungen aus der ersten Gruppe gehören Green Bonds, Green Schuldscheine und Green Loans. All diese Instrumente funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Das Unternehmen gibt vorab bekannt, welche Projekte mit dem Erlös finanziert werden sollen. Diese Projekte sollen dazu dienen, das Unternehmen nachhaltiger zu machen oder einen positiven Effekt auf die Umwelt haben, wie zum Beispiel die Finanzierung von Windparkprojekten oder energetischen Sanierungen. Der Automobilsektor nutzt solche Instrumente auch, um beispielsweise die Forschung im Bereich der E-Mobilität voranzutreiben.

  • Green Bond: Im gesamten Green-Finance-Spektrum sind Green Bonds bislang das dominanteste Instrument. Am Markt für grüne Anleihen allein lässt sich der rasante Bedeutungsgewinn ablesen, den Green Bonds im Laufe weniger Jahre erfahren haben. 2013 wurden gerade mal 11 Milliarden Dollar an Green Bonds emittiert, 2020 waren es bereits 255 Milliarden Dollar. Auch deutsche Unternehmen haben diese Instrument genutzt: Dazu zählen unter anderem E.on, EnBW, BASF, Daimler und Volkswagen.
  • Green Schuldschein: 2016 wurde diese Logik zum ersten Mal am Schuldscheinmarkt angewendet. Der Windturbinenhersteller Nordex platzierte einen solchen Schuldschein. Seitdem hat es weitere Transaktionen unter anderem von Schaeffler und Porsche gegeben.

Zwar gibt es bislang keinen regulatorischen Rahmen für solche Transaktionen, aber es hat sich ein Marktstandard entwickelt. Unternehmen setzen beispielsweise auf eine unabhängige Nachhaltigkeitsagentur, um sich im Rahmen einer Second Party Opinion bestätigen zu lassen, dass die ausgewählten Projekte auch wirklich nachhaltig sind. Zur Struktur der Finanzierung gibt es ebenfalls freiwillige Richtlinien, wie etwa die Green Bond Principles, die weit verbreitet sind und die Vergleichbarkeit am Markt erhöhen.

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ESG-linked Loans und Variationen am Green-Finance-Markt

Die zweite Produktgruppe sind die sogenannten ESG-linked Transaktionen, die sich später herausgebildet haben. Anders als bei den Projektfinanzierungen ist die Verwendung der Mittel völlig frei und kann für alle Unternehmenszwecke eingesetzt werden. Allerdings sind die Finanzierungskonditionen an die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens gekoppelt. Verbessert ein Unternehmen seine Leistung im Bereich Nachhaltigkeit, sinken die Finanzierungskosten. Wenn die Performance hingegen schlechter wird, wird die Finanzierung teurer.

  • ESG-linked Loan: Am weitesten verbreitet ist der Einsatz eines ESG-Links bei Konsortialkrediten. Viele CFOs koppeln ihre Revolving Credit Facility (RCF) an die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens. Doch wie misst man die eigene Nachhaltigkeitsleistung? Finanzchefs können die Finanzierung entweder an ein ESG-Rating, also eine Bewertung einer spezialisierten Nachhaltigkeitsagentur koppeln, oder über individuell vereinbarte Kennzahlen messen. Das kann beispielsweise der Wasser- oder Stromverbrauch sein, aber auch soziale Ziele wie die Anzahl der Arbeitsunfälle oder die Frauenquote in Führungspositionen sind denkbar. Die Liste der deutschen Unternehmen, die bereits auf dieses Instrument setzen, ist lang: Henkel, Siemens Energy, E.on, Traton, Lanxess, Continental.
  • ESG-linked Schuldschein und Bond: Die Logik, eine Finanzierung mit der eigenen Nachhaltigkeitsleistung zu koppeln, ist auch auf andere Instrumente übertragbar. Es gab bereits ESG-linked Schuldscheine (Dürr, Aurubis), ESG-linked Zinsswaps (Dürr) und vieles mehr. Die größte Chance, sich in der Breite zu etablieren, wird derzeit den sogenannten ESG-linked Bonds eingeräumt. Bislang gab es allerdings erst wenige Transaktionen, im deutschsprachigen Raum zum Beispiel bei Novartis und LafargeHolcim.

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Sie wollen mehr über Green Finance erfahren und sich mit Fachkollegen und Dienstleistern über aktuelle Marktentwicklungen austauschen? Am 23. März findet die erste Green FINANCE – Die Digitalkonferenz für grüne Finanzierung statt.

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Sustainable Finance auf dem Vormarsch

Das Spektrum der nachhaltigen Finanzierungen weitet sich zudem weiter aus. Es gibt bereits Unternehmen, die auf eine nachhaltige Lieferantenfinanzierung – Sustainable Supply Chain Finance – setzen. Aber auch klimaneutrales Leasing oder andere grüne Varianten gibt es bereits. Der Trend wird sich künftig fortsetzen.

 

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