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5 Fragen an … Helmut Kraft

FINANCE: Welche war die herausforderndste Finanzierung, die Sie durchgeführt haben? Worin bestand die Herausforderung?

Helmut Kraft: Die herausforderndste Finanzierung war 2004 der Abschluss eines US-Private-Placements in Höhe von $ 250 Millionen. Es gab zu diesem Zeitpunkt bei deutschen Unternehmen noch wenig Erfahrung mit diesem Finanzierungsinstrument, insbesondere in Bezug auf den sehr umfangreichen und detaillierten Vertrag nach US-Recht, die US-Investoren und das NAIC-Rating. Es galt also Haftungsthemen gegenüber dem Unternehmen beziehungsweise dem Management zu minimieren, die Covenants so zu fassen, dass dem Unternehmen noch genügend Luft für das operative Geschäft und Wachstum blieb, HGB- und US-GAAP-Bilanzierung in Einklang zu bringen, das Hedging zu optimieren und das entsprechende NAIC-Rating zu erreichen.

FINANCE: Was ärgert Sie im CFO-Alltag?

Helmut Kraft: Es ärgert mich die zunehmende Regelungswut des Gesetzgebers und der Standardsetter. Manche IFRS-Standards, insbesondere im Bereich Treasury, zwingen einen dazu, eine für das Unternehmen wirtschaftlich eigentlich nicht sinnvolle Transaktion vorzunehmen, nur um bestimmte Standards einzuhalten und keinen Verlust zu machen. Für ein börsennotiertes MDAX-Unternehmen sind auch die kurzfristigen Denkweisen mancher Analysten ärgerlich. Es gibt eben nicht jedes Quartal etwas Neues zu berichten, sondern manchmal ist das Geschäft ganz normal verlaufen und dazu fehlt etlichen dann die „Headline“.

FINANCE: Was überrascht Sie im CFO-Alltag immer wieder?

Helmut Kraft:
Die Dynamik und die zunehmende Globalisierung des Geschäfts in der Pharmaindustrie überraschen mich immer wieder. Dies erfordert rasches und konsequentes Handeln, ständige Anpassung der Geschäftsfelder und der Geschäftsprozesse sowie eine zukunftsfähige Strategie.

FINANCE: Was ist die größte Herausforderung als CFO?

Helmut Kraft: Die größte Herausforderung ist, das Wachstum zu managen. Auf der einen Seite befinden wir uns als eines der weltweit führenden Generika-Unternehmen in einer sich konsolidierenden auf Wachstum ausgerichteten Industrie; auf der anderen Seite ist es als börsennotiertes Unternehmen wichtig, die finanziellen Ziele zu erreichen. Hier eine Balance zu finden ist schwierig.

FINANCE: Wie wird sich das Berufsbild des CFOs in den kommenden Jahren verändern?

Helmut Kraft:
Der Aufgabenbereich des CFOs wird sich zunehmend ausweiten zu einer Kombination aus finanzwirtschaftlichen Kernaufgaben und einer eher strategischen Ausrichtung.
Kurz gesagt: den Cash Flow sicherstellen, gute Beziehungen zu den Stakeholdern unterhalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Strategieplanung und alle Entscheidungen auf der Grundlage fundierter Analysen erfolgen.

Info

Der CFO

Helmut Kraft ist seit Januar 2010 CFO des Arzneimittelherstellers Stada in Bad Vilbel.

Davor war er von 1996 an Zentralbereichsleiter Konzernfinanzen, Steuern und Beteiligungen Phoenix Group. Seine berufliche Karriere begann der studierte Jurist 1991 als Wirtschaftsprüfungs- und Steuerassistent bei KPMG. Darauf folgten unter anderem Stationen als Leiter Finanzen und Steuern bei Landis & Gyr und als Geschäftsführer von Phoenix Finance.

Geburtstag: 07.12.1959