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Abwertung des Bolivar drückt Gewinne von Telefónica und Colgate

Die Abwertung des Bolivars frisst die Gewinne europäischer Unternehmen im venezolanischen Markt.
Luis García (Zaqarbal)

Im Prinzip ist Venezuela ein attraktiver Markt für die spanische Telefónica, denn das Unternehmen generiert zweistelliges Wachstum in dem Land – Zahlen, von denen das Telekommunikationsunternehmen im gesättigten europäischen Markt nur träumen kann. 2012 legten die Einnahmen in Venezuela in den ersten neun Monaten um 2,3 Milliarden Euro zu, ein Plus von 27 Prozent  gegenüber  2011. Der bereinigte Betriebsgewinn, der um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr anstieg, betrug 1 Milliarde Euro und glich 6,5 Prozent des gesamten Betriebsgewinns.

Telefónica kann sich allerdings kaum über diesen Erfolg freuen, denn ihr Gewinn wird von der Abwertung der venezolanischen Währung aufgefressen. Dem offiziellen Wechselkurs zufolge müssen Unternehmen jetzt 6,3 Bolivar, statt  4,4 Bolivar, für 1 US-Dollar zahlen. Dies gleicht einer Währungsabwertung um 32 Prozent. Telefónica muss nun ihre lokalen Assets neu bewerten, was den Profit für 2012 nach Unternehmensangaben um 438 Millionen Euro senken wird.

Abwertung trifft spanische und französische Konzerne am stärksten

Telefónica ist nicht das einzige europäische Unternehmen, das von der Währungsabwertung getroffen wurde. Das spanische Öl- und Gasunternehmen Repsol hat gerade vor der Nordwestküste von Venezuela eins seiner größten Gasförderungsprojekte begonnen. Mindestens ein Teil des Schweröls wird lokal raffiniert und verkauft werden, sodass Repsol Einkünfte in Bolivar erwirtschaftet. Das französische Catering- und Business-Service-Unternehmen Edenred nimmt an, dass auf Grund der Währungsabwertung sein EBIT für 2013 2,4 Prozent niedriger sein wird als im Vorjahr. Darüber hinaus erwartet Colgate Palmolive im ersten Quartal 2013 einen einmaligen Verlust nach Steuer von 120 Millionen US-Dollar, weil es seine lokalen Assets neu bewerten muss.

Allerdings kam die Bolivar-Abwertung nicht überraschend: Ökonomen hatten die Währungsabwertung gefordert, um den offiziellen Wechselkurs dem des Schwarzmarkts anzugleichen. Dort war der Dollar kürzlich viermal mehr wert. Darüber hinaus reduziert ein schwacher Bolivar den Wert der explodierenden Staatsverschuldung. Im vergangenen Jahr hatte sich Venezuelas Haushaltsdefizit fast verdreifacht. Aus diesem Grund hatten manche Beobachter eine weitaus drastischere Abwertung von 50 Prozent erwartet. Die jetzige Währungsabwertung wird aber nicht die letzte gewesen sein: CFOs sollten sich auf eine weiteren Wertverlust des Bolivars im Laufe des Jahres einstellen.

CFOs haben wenig Handlungsspielraum

Dennoch sind CFOs die Hände gebunden: Unternehmen können dem rückläufigen Gewinn nicht einfach durch die Erhöhung von Preisen entgegenwirken. Wegen der Hyperinflation steigen die Preise zurzeit um 22 Prozent. Deshalb hatte der venezolanische Präsident Hugo Chávez 2011 ein Gesetz verabschiedet, das ein Preislimit für tausende Produkte vorsah, insbesondere für Nahrungsmittel und Getränke.

Es ist auch keine Option das Währungsrisiko des Bolivars abzusichern, sagt eine große deutsche Bank: „Seit einigen Jahren sind die Terminbörse und der Optionsmarkt in Venezuela sehr niedrig.“ Auf Grund von Regulierungen gibt es für den Bolivar fast kein Handelsvolumen im Markt.

Das französische Pflegedienst- und Cateringunternehmen Sodexo hat aber einen Weg gefunden, um die ungewünschten Effekte der plötzlichen Wechselkursänderung auf die Bilanzen wenigstens einzudämmen: Nach der letzten Abwertung des Bolivar im Januar 2010 entschied sich Sodexo, nicht länger den offiziellen Wechselkurs zu nutzen. Stattdessen verbucht das Unternehmen die Einnahmen und den Betriebsgewinn seiner venezolanischen Tochterunternehmen nach den Wechselkursen, die es bei seinen letzten Transaktionen tatsächlich bekommen hat.

So kann Sodexo den Wechselkurs abschätzen, den es künftig vermutlich erhalten wird, wenn er Bolivar-Gewinne in Euro umrechnet.  Wenn der Bolivar gegenüber dem Euro an Wert verliert, hat das zwar immer noch einen negativen Effekt auf den Euro-Wert des lokalen Profits. Aber immerhin kann das Unternehmen so die Unsicherheit und die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen reduzieren.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de