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Alba-CFO Guthoff: „Wir wollen Gas geben“

Alba

Als Entsorgungs- und Aufbereitungskonzern hängt die Alba-Gruppe an der Industrieproduktion in Deutschland. Es ist keine einfache Zeit für Sie. Wie sieht Ihre Bilanz zum Jahresende 2012 aus?
Unser Verschuldungsfaktor Net Debt zu EBITDA liegt im oberen Bereich unserer Komfortzone von 2,5 bis 3,0 x EBITDA. Unser zentrales Ziel lautet: „Möglichst immer eine 2 vor dem Komma“. Für unsere Anleiheinvestoren ist der leicht ansteigende Verschuldungsfaktor auch kein Problem, denn sie wissen, dass wir mittelfristig kein Investment-Grade-Rating anstreben.

Ihr Rating liegt aktuell bei BB- (S&P) bzw. B1 (Moody’s). Bei Ihrem S&P-Rating gab es in den vergangenen Monaten einiges an Hin und Her, was auch mit Ihrer Finanzierungssituation zu tun hatte.
Im Sommer hat S&P unseren Ausblick von stabil auf negativ gesenkt, bevor die Kollegen den Ausblick im Herbst wieder auf stabil angehoben haben. Das lag an unserem syndizierten Bankkredit, der Ende 2013 ausgelaufen wäre. Für S&P war schon 18 Monate vor dem Auslaufen des dreijährigen Konsortialkredits die Zeit gekommen, mit Blick auf die Unsicherheit an den Finanzmärkten und damit die Ungewissheit einer gelingenden Refinanzierung den Rating-Outlook zu senken. Das hat uns schon überrascht, und ich persönlich halte 18 Monate vorher für zu früh. Inzwischen haben wir unseren Konsortialkredit bis Oktober 2017 verlängert, und anschließend hat S&P unseren Ausblick auch wieder angehoben. Mit unserer Geschäftsentwicklung hatte das nichts zu tun.

Zeigt diese Episode nicht, dass es tückisch sein kann, wenn man als CFO bei der Finanzierungsstrategie sowohl auf Banken als auch auf den Kapitalmarkt setzt?
Nein, diese Wertung kann ich nicht teilen. Wir haben im April 2011 einen High-Yield-Bond über 203 Millionen Euro begeben und seitdem rund 40 Prozent unserer bilanziellen Schulden über den Kapitalmarkt finanziert. Dieses Finanzierungsverhältnis finde ich ausgewogen, und ich kann nicht erkennen, wieso ich das wegen einer Episode wie der eben diskutierten anders beurteilen sollte. Unsere Investoren wissen seit unserer ersten Roadshow, dass wir auf absehbare Zeit keine Absicht haben, einen weiteren Bond zu begeben. Daran hat sich nichts geändert.

Ist Alba keine Wachstumsstory mehr?
Im Gegenteil! Zur Jahrtausendwende lag der Umsatz von Alba bei rund 300 Millionen Euro, inzwischen gibt es die Alba Group, und wir sind ein 3-Milliarden-Unternehmen. 2011 hat Alba einen Beherrschungsvertrag mit der börsennotierten Interseroh-Gruppe (heute Alba SE) geschlossen. Das war ein Riesenschritt für die langfristige Zukunft des Unternehmens als Familienunternehmen. Vor diesem Hintergrund haben wir damals auch den High-Yield-Bond begeben. Jetzt treiben wir vorrangig die Integration der Interseroh-Gruppe voran. Wichtigstes Ziel ist es, unsere Struktur zu verschlanken und weitere Synergien zwischen Alba und Interseroh zu heben. Auf der Finanzierungsseite besteht bis auf weiteres kein Handlungsbedarf, unsere großen Finanzierungen laufen ja erst 2017 und 2018 aus. Und bis dahin haben wir noch viel Zeit, die Alba Group am Kapitalmarkt noch bekannter zu machen.  

Das müssen Sie auch, alle Fälligkeiten auf ein Zeitfenster von eineinhalb Jahren zu konzentrieren ist riskant.
Dieses Risiko halte ich für überschaubar. Denn es heißt ja nicht, dass wir uns erst 2017 mit dem Thema Refinanzierung beschäftigen werden. Sie können davon ausgehen, dass wir uns bei der Verlängerung unseres Konsortialkredits im vergangenen Herbst über unser Fälligkeitsprofil ausgiebig Gedanken gemacht haben.

Lassen Sie uns daran teilhaben!
Unser Plan sieht vor, dass wir bis Ende 2014 den ganz überwiegenden Teil des Synergiepotentials gehoben haben. Wir gehen davon aus, dass wir dann ein höheres Ertragsniveau und damit auch eine höhere Debt Capacity haben werden. Dann können wir uns wieder größeren Zukäufen zuwenden. Die kompakten Fälligkeiten versetzen uns in die  Lage, dass wir 2016, 2017 beide Finanzierungsbausteine mit einem abgestimmten Konzept refinanzieren können – angepasst an die verbesserte Ertragslage und unser Wachstumstempo vor allem in der Türkei und in Asien. Und dort wollen wir definitiv Gas geben. Aber alles zu seiner Zeit.

Info

Der CFO
Der frühere IKB-Vorstand Dr. Markus Guthoff ist seit September 2011 CFO der Alba Group. Er rückte in diese Position auf, nachdem er das Treasury und die Finanzfunktionen der damaligen Alba-Mehrheitsbeteiligung Interseroh in die Alba Group überführt hatte. Der 48-Jährige ist Vater dreier Söhne, liebt politische Diskussionen, treibt gerne Sport und hört leidenschaftlich gerne Jazz. Der gebürtige Westfale lebt im Rheinland, hat seine Schreibtische in Berlin und Köln und schätzt die Atmosphäre sowie das kulturelle Leben in der Hauptstadt.

Das Unternehmen
Die Berliner Alba Group gehört zu den weltweit führenden Recycling-Unternehmen. 2011 erlöste die Alba Group, die auch den gleichnamigen Berliner Basketballverein sponsort, aus einem Umsatz von 3,2 Milliarden Euro einen operativen Gewinn (EBITDA) von 188 Millionen Euro. Alba ist in zahlreichen europäischen Ländern sowie China und den USA aktiv. Mittelfristig plant das Unternehmen, den asiatischen Markt zu erobern.