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Alno: Der Turnaround kommt wohl zu spät

Der angeschlagene Küchenbauer Alno hat sich durch ein positives operatives Ebitda und einen Zahlungsaufschub bei seinen Investoren Zeit gekauft. Doch ein Turnaround ist das noch nicht.
Alno

Der kriselnde Küchenbauer Alno nutzt die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2015, um den Turnaround auszurufen. Denn der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war mit 100.000 Euro nach einem Millionenverlust im Vorjahr wieder positiv. 2014 schrieb Alno beim Ebitda noch 28,2 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz stieg 2015 gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf 521,5 Millionen Euro. Alno begründet das verbesserte Ergebnis mit der „größeren Internationalisierung der ausländischen Töchtergesellschaften“, die im abgelaufenen Geschäftsjahr 56 Prozent des Konzernumsatzes ausmachten.

Und auch für 2016 gibt sich Alno betont optimistisch: Da der Konzern „zentralisiert“ wurde und damit an den drei deutschen Standorten und im Ausland rund 100 Stellen gestrichen wurden, rechnet Alno mit einem „nachhaltig operativen Ergebnisanstieg“ von rund 7 Millionen Euro. Entlastung kommt auch durch den amerikanischen Hauptaktionär Whirlpool und die Comco Holding, die wichtige Finanzierungspartner von Alno sind. Von „vertraglichen Rückführungen“ in Höhe von 50 Millionen Euro würde Alno 2016 „vollständig entlastet“. Alno erhält für die Rückzahlung ein Jahr Aufschub, „teilweise“ sogar bis Juni 2018, wie es vom Unternehmen heißt.

Gesellschafter gewähren Alno eine Gnadenfrist

Durch das Stopfen der größten Verlustbringer und die Abwendung der kurzfristigen Fälligkeiten hat sich Alno Zeit verschafft. Das war auch nötig, denn die zum Halbjahr 2015 ausgewiesenen liquiden Mittel in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro hätten für die Rückzahlung der Gesellschafterdarlehen ebenso wenig gereicht wie das 2015er Ebitda von 100.000 Euro. Denn Alno muss auch investieren, um seine Produktionsbasis zu unterhalten. Seit 2010 schwankt das jährliche Capex-Niveau vergleichsweise wenig und liegt im Schnitt bei rund 14,8 Millionen Euro.

Damit ist das aktuelle Zahlenwerk von Alno längst nicht so ein Mutmacher, wie das Unternehmen zu suggerieren versucht, denn schon im Mai 2018 wird die 45 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe fällig. Bestehen Whirlpool und Comco auf die fristgerechten Rückzahlungen ihrer Ausleihungen, müsste der Küchenbauer bis Juni 2018 also rund 95 Millionen Euro auftreiben.

Typischerweise ist eine solche Lage ein Anlass für eine größere Refinanzierung – entweder über die Neuauflage der Anleihe oder mit Hilfe eines Bankenkonsortiums. Doch jeder Geldgeber nennt als Voraussetzung für eine solch umfangreiche Neufinanzierung einen soliden Businessplan, der die Tilgungsfähigkeit des Unternehmens untermauert.

Alno zu sehr dynamischem Wachstum verdammt

Doch damit Alno neuen Fremdkapitalgebern eine verbesserte Bonität demonstrieren könnte, müsste Alno schon 2016, spätestens aber im ersten Halbjahr 2017 ein sehr dynamisches Ertragswachstum vorlegen und auch noch nachweisen, dass ein Gewinnniveau im deutlich zweistelligen Ebitda-Bereich keine Eintagsfliege ist. Immerhin: Von 2014 auf 2015 verbesserte sich das Ebitda um 28,3 Millionen Euro. Anfragen von FINANCE, ob dieses Tempo beibehalten werden könne, ließ das Unternehmen trotz Erinnerungen unbeantwortet.

Und auch sonst hüllt sich der Konzern zu wichtigen Themen in Schweigen: So macht Alno keine Angaben über die Zusammensetzung der Finanzverbindlichkeiten. Im Anhang des Halbjahresberichts 2015 befinden sich unter den „sonstigen Finanzverbindlichkeiten“ über rund 103 Millionen Euro sowohl die Anleihe als auch Finanzverbindlichkeiten gegenüber Banken und nahestehenden Personen sowie Verkäuferdarlehen aus Factoring.

Die Gesellschafterdarlehen sind hierin nicht enthalten. Insgesamt bilanzierte Alno zuletzt Schulden in Höhe von 328 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 369 Millionen Euro. Die Finanzierungslast, die sich daraus ergibt, ist gewaltig: Allein für die Anleihe fallen bei einem Kupon von 8 Prozent jährlich 3,6 Millionen Euro Zinsen an – bei einem Ebitda nahe Null.

Alno-Chef Max Müller hofft auf eine Möbelmesse

Dies lässt den Schluss zu, dass 2016 ein entscheidendes Jahr für Alno ist: Der ewige Krisenfall muss endlich liefern und nachweisen, dass substantielle Gewinne möglich sind. Ansonsten wäre der Küchenbauer ein weiteres Mal von Eigenkapitalspritzen seiner Eigentümer abhängig. Denn eine einmalige Finanzierungschance, wie sie sich im Jahr 2013 durch die Entstehung des Mini-Bond-Markts überraschend ergeben hat, ist nicht in Sicht.

Alno-Chef Max Müller kämpft aber weiter: Dass sich der „positive Trend des Unternehmens in jedem Quartal“ fortsetzen wird, dafür sprechen ihm zufolge „die aktuellen Umsatzzahlen“ und der „sehr gute Auftragseingang zu Beginn dieses Jahres“. Außerdem verspreche man sich viel von der weltweit größten Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand, bei der 300.000 Besucher erwartet werden. Für einen echten Turnaround müsste Müller dort jedoch viele Küchen verkaufen. Die Mittelstandsanleihe notiert aktuell bei rund 70 Prozent.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Verfolgen Sie die ganze Krise beim angeschlagenen Küchenbauer auf der FINANCE-Themenseite zu Alno. Einen Überblick über das gebeutelte Mini-Bond-Segment liefert die Themenseite Mittelstandsanleihen.

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