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Alno: Es kriselt weiter

Bei Alno kriselt es immer noch: Der Küchenhersteller kämpft mit der hohen Verschuldung.
Alno

Alno kommt einfach nicht aus der Negativspirale heraus: Schon vor Jahren hatte der Pfullendorfer Küchenbauer einen Schuldenschnitt und eine Restrukturierung hinter sich gebracht. Nun könnte die nächste anstehen: Denn die Übernahme des Schweizer Küchenherstellers AFG Anfang des Jahres, die Alno als AFP weiterführt, brachte nicht den erhofften Befreiungsschlag, sondern lediglich oberflächlich verbesserte Zahlen.

Das wird vor allem aus den Zahlen für das 3. Quartal deutlich. Zwar sollen „zum ersten Mal seit Jahren“ Marktanteile hinzugewonnen worden sein – konkrete Zahlen über die exakte Höhe der Marktanteile bleibt Alno aber schuldig. Zwar sei der Umsatz im 3. Quartal um 37 Prozent gestiegen, allerdings geht das Plus auf die Konsolidierung der AFP zurück. Aus dem Altgeschäft weist Alno lediglich ein Umsatzplus von 3,4 Prozent auf – und wie es um die Profitabilität desselben bestellt ist, bleibt offen.

Alno: Die Verschuldung ist stark gestiegen

Dies aber ist eine entscheidende Frage: Schließlich übernahm Alno mit AFP selbst ein defizitäres Unternehmen mit einem negativen Firmenwert (Badwill) in Höhe von rund 52 Millionen Euro. Für AFP bezahlte Alno insgesamt rund 31 Millionen Euro. Inklusive des Finanzierungsbedarfs für das Umlaufvermögen flossen fast 37 Millionen Euro an liquiden Mitteln ab, sodass der Kassenbestand zum 30.6. mit rund 3 Millionen Euro wieder äußerst knapp bemessen war.

Demgegenüber stieg die Nettoverschuldung von Alno vom Halbjahr 2013 bis Ende Juni 2014 um fast 50 Millionen Euro auf 132 Millionen Euro. Das für 2014 geplante Ebit beträgt 20 bis 25 Millionen Euro. Könnte Alno nicht auf seinen Großaktionär und Lieferanten Whirlpool zählen, der das Unternehmen durch Stillhalteabkommen für Materiallieferungen und durch Darlehensverlängerungen weiter stützt, wäre die Lage bei dem Küchenhersteller womöglich schon deutlich früher eskaliert.  

Der Markt jedenfalls beäugt das Gelingen der Restrukturierung unter CFO Ipek Demirtas und dem neu berufenen Restrukturierungsdirektor Lothar Hiese skeptisch. Auf der Refinanzierungsseite herrscht wieder Handlungsbedarf – das Stillhalteabkommen von Whirlpool läuft Ende Dezember wieder aus.

Der Markt zweifelt

Die Aktie notiert derzeit bei 0,58 Euro und konnte zuletzt immerhin leicht zulegen – bei einer Marktkapitalisierung von nur 40 Millionen Euro. Die 2013 begebene Mittelstandsanleihe im Volumen von 45 Millionen Euro fiel zuletzt jedoch von einem Stand von rund 75 Prozent Anfang Oktober auf aktuell deutlich unter 60 Prozent.

Wie institutionelle Anleger die Entwicklung von Alno sehen, lässt sich aus den Emissionsdaten der Wandelanleihe über 14 Millionen Euro im Frühjahr 2014 ablesen. Diese musste Alno den Investoren mit einem Kupon von 8 Prozent schmackhaft machen. Zum Vergleich: Für die Mittelstandsanleihe, die man zu den nächsten Wackelkandidaten im ausfallgeplagten Markt rechnen muss, bot Alno vor einem Jahr einen Kupon von 8,5 Prozent.

Alno seinerseits bemüht sich um bessere Stimmung: Ausgehend von einem hohen Auftragsbestand geht das Unternehmen davon aus, das Betriebsergebnis (Ebitda), das im ersten Halbjahr bei 38,1 Millionen lag, im zweiten Halbjahr „signifikant verbessern“ zu können. Zweifel aber bleiben.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Lesen Sie alles über Alnos mühsamen Weg aus der Krise auf unserer Themenseite zu Alno.

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