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Befreiungsschlag für PNE Wind?

Vor dem größten Deal der Firmengeschichte: Der Verkauf des mit langem Atem aufgebauten Windparkportfolios könnte PNE Wind über 300 Millionen Euro in die Kasse spülen.
PNE Wind

Der Windparkprojektierer PNE Wind steht vor dem wohl größten und wichtigsten M&A-Deal der Firmengeschichte. Der M&A-Prozess für den Verkauf des Windparkportfolios, das von PNE Wind lange mit dem Namen „YieldCo“ tituliert wurde, läuft. Die darin enthaltenen Windparks hat PNE Wind über die vergangenen drei Jahre entwickelt und aufgebaut. Den ebenfalls erwogenen Börsengang der Windparkgesellschaft hat das Management unlängst verworfen – „wegen der höheren Transaktionssicherheit bei einem M&A-Prozess“, wie PNE-Chef Markus Lesser erklärte.

Der erst vor wenigen Monaten vom COO zum CEO berufene Manager glaubt, für die bevorstehenden Preisverhandlungen mit den Kaufinteressenten gute Karten zu haben: Mehrere Dutzend indikative Angebote seien bereits eingegangen, behauptet Lesser. Zudem hätten sich die Renditeansprüche von Windparkinvestoren zuletzt weiter reduziert. Dies lasse einen höheren Verkaufserlös erwarten als ursprünglich vermutet, sagte Lesser in einer Telefonkonferenz. Noch vor Jahresende soll der M&A-Deal unter Dach und Fach gebracht werden.

Commerzbank hält PNE Wind bis Windpark-Exit liquide

Einen erfolgreichen, zeitnahen Ausstieg aus dem Windparkportfolio braucht PNE Wind unbedingt – vor allem aus finanziellen Gründen. Weil PNE Wind in der jüngeren Vergangenheit kaum noch fertig entwickelte Windparks verkauft, sondern sie ganz überwiegend in die hauseigene Gesellschaft transferiert hat, fehlen den Cuxhavenern die sonst regelmäßig anfallenden Verkaufserlöse. Die Folgen zeigen sich im Halbjahresbericht: Der Umsatz ging von 71,9 auf 44,8 Millionen Euro zurück, sowohl beim operativen als auch beim Vorsteuergewinn rutschte PNE Wind in die roten Zahlen.

Gleichzeitig lasten Projektfinanzierungen mit einem Volumen von 142,8 Millionen Euro auf der Passivseite des Unternehmens, zu denen sich auch noch zwei Anleihen mit einem Nennwert von 103,9 Millionen Euro gesellen. Weil PNE Wind den Aufbau des Windparkportfolios zu Beginn mit einer Kapitalerhöhung flankiert hat, liegt die Eigenkapitalquote aber trotzdem noch immer bei 32 Prozent.

Auch die Unsicherheiten, die die Finanzierung noch bis in den Frühsommer hinein umwehten, haben sich etwas verflüchtigt. Eine Bankengruppe um die Commerzbank hat PNE Wind einen neuen Konsortialkredit über 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bei der damit abgelösten Betriebsmittellinie hatte die PNE-Wind-Tochter WKN die Covenants gerissen. Der neue Kredit soll PNE Wind so lange liquide halten, bis die Erlöse aus dem erhofften Mega-Deal eingegangen sind. Und auch der Vertrag von CFO Jörg Klowat, der die neue Finanzierung an Land gezogen hat, wurde vor wenigen Wochen bis 2020 verlängert.

CFO Jörg Klowat will stille Reserven aufdecken

In dem zum Verkauf stehenden Portfolio stecken Windparks mit einer Leistung von 142,5 Megawatt, ein weiterer Park über 10 Megawatt soll noch hinzu kommen. Das entspricht eineinhalb Jahres-Outputs des Windparkprojektierers aus Norddeutschland. Der Wert des auf diese Weise angesparten Portfolios ist erheblich: Bei Börsengängen oder Verkäufen vergleichbarer Projekte wurden zuletzt Preise von 2 bis 2,5 Millionen Euro pro Megawatt erzielt. Auf dieser Basis kann PNE Wind auf einen Verkaufspreis von etwa 300 bis 350 Millionen Euro hoffen. Unter der Voraussetzung, dass der Deal noch bis Jahresende über die Bühne geht, verspricht Lesser seinen Investoren für 2016 einen operativen Gewinn (Ebit) von 100 Millionen Euro.

Eine noch größere Wirkung als beim Ertrag würde ein erfolgreicher Exit auf der Bilanzseite entfalten. Zum einen würde die Passivseite um einen Großteil der Projektfinanzierungen entlastet werden. Auf der Aktivseite würden hingegen nur Vermögenswerte abgehen, die CFO Klowat derzeit mit 126,6 Millionen Euro bilanziert. Diese Summe entspricht den Investitionskosten der Windparks. Die Wertzuwächse darf Klowat erst nach dem Closing des Deals in die Bücher schreiben. Da der Unterschied zwischen Buchwert und Marktwert rund 200 Millionen Euro beträgt, würde ein erfolgreicher Exit im großen Umfang stille Reserven aufdecken.

Bondholder sind entspannt, Aktionäre skeptisch

Die Investoren der fast 100 Millionen Euro schweren Anleihe, die im Juni 2018 fällig wird, sehen ihr Investment am Vorabend des Deals offenbar als sicher an. Der mit stolzen 8 Prozent verzinste Bond hat sich von einem Schwächeanfall zu Jahresbeginn erholt und notiert inzwischen wieder leicht über seinem Nennwert.

Die Haltung der Aktionäre verrät hingegen Skepsis: Die Aktie notiert nur noch bei etwas mehr als 2 Euro und damit über ein Viertel niedriger als vor drei Jahren, als das damalige Management um den inzwischen im Streit ausgeschiedenen Vorstand Martin Billhardt die YieldCo-Strategie entwickelt hatte. Der aktuelle Börsenwert liegt bei nur noch 160 Millionen Euro.

Für CFO Klowat ist die schwache Börsenperformance ein Problem, setzt der Finanzchef bei der Finanzierung doch gerne auf die Ausgabe von Wandelanleihen. Erst ein erfolgreicher Exit würde es ihm wieder ermöglichen, mit neuen Fremdkapitalinstrumenten an den Kapitalmarkt zu gehen, um die auslaufenden Bonds und den Konsortialkredit zurückzuführen. Wird die Bilanz in den nächsten Monaten aber derart gestärkt wie vom Management geplant, hätte Klowat durchaus Aussichten, bei der anstehenden Refinanzierung bessere Konditionen auszuhandeln als bei den auslaufenden Papieren.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Jeder gegen jeden: Worum es bei dem erbitterten Machtkampf im vergangenen Jahr ging und wie der Konflikt ausging – die Antworten finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu PNE Wind.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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