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Berenberg rät United Internet zu Drillisch-Übernahme

Stammsitz von United Internet in Montabaur: Wann greift United-Chef Ralph Dommermuth ganz nach Drillisch? Die Berenberg Bank glaubt, schon bald.
United Internet

Um ein strategisches Dilemma aufzulösen, raten die Analysten der Berenberg Bank United Internet dringend zur Übernahme des kleineren Mobilfunkanbieters Drillisch. Dies geht aus einem aktuellen Research-Papier hervor, das FINANCE vorliegt.

United Internet ist im April bei Drillisch eingestiegen und hält derzeit gut 21 Prozent an dem TecDax-Nachbarn. Die offizielle Position von United-Internet-Chef Ralph Dommermuth zu dieser Beteiligung lautet, dass United Internet erwäge, sie auf bis zu 30 Prozent aufzustocken und einen Vertreter in den Aufsichtsrat von Drillisch zu entsenden. Die Abgabe eines Übernahmeangebots schließt Dommermuth für den Moment aber aus.

Die Berenberg Bank erwartet jedoch, dass United Internet im nächsten Jahr eine Übernahme des Wettbewerbers in Angriff nehmen wird – parallel zur geplanten Abspaltung des Webhosting-Geschäfts mit Geschäftskunden. Dieser Spin-off könnte United Internet weit über 1 Milliarde Euro Cash einbringen, die für die Finanzierung eines Drillisch-Angebots zur Verfügung stünden. Die noch nicht von United Internet kontrollierten 80 Prozent an Drillisch kosten derzeit an der Börse knapp 2 Milliarden Euro.

Die Wachstumsstory von United Internet gilt als bedroht

Ein solches Manövers wäre für United Internet laut Berenberg-Analyst Usman Ghazi ein „strategisches Sicherheitsnetz“. Hintergrund ist das Geschäftsmodell von United Internet. Der Konzern kauft bei großen Telekomanbietern Netzkapazitäten ein, um sie dann unter der Marke 1&1 an Endkunden weiterzuverkaufen. Wachstumstreiber ist das mobile Internet, wo United derzeit rund 3 Millionen Kunden hat, Tendenz steigend.

Für den anstehenden Wechsel auf den schnelleren Übertragungsstandard 4G muss United jedoch neue Einkaufskonditionen aushandeln – aktuell bezieht das Unternehmen die 3G-Bandbreite hauptsächlich von Vodafone. Das Problem: Aufgrund des rasant wachsenden Datenvolumens gehen Marktkenner davon aus, dass die großen Netzbetreiber wie Vodafone bei 4G deutlich weniger überschüssige Netzkapazität haben werden als bei 3G. Dieses Szenario gilt aktuell als eine der größten Bedrohungen für die Wachstumsstory von United Internet.  

Ein Deal mit Telefónica macht Drillisch als M&A-Target interessant

Drillisch hat jedoch mit Telefónica Deutschland einen Vertrag abgeschlossen, der dem Maintaler Unternehmen 15 Jahre lang ungehinderten Zugriff auf einen nennenswerten Teil des Telefónica -Netzwerks der neuesten Generation garantiert. Das Abkommen enthält laut den Recherchen der Berenberg-Analysten keine Change-of-Control-Klausel. Drillisch selbst kann mit seinen Kunden dieses Datenvolumen nicht ausschöpfen.

Dies böte nach Ansicht der Berenberg-Analysten United Internet die große Chance, durch eine Übernahme von Drillisch Zugriff auf das Telefónica -Netzwerk zu bekommen. Diese Option dürfte sich schon jetzt positiv auf die Verhandlungsposition von United Internet gegenüber Vodafone auswirken.

Die Finanzierung einer Drillisch-Übernahme dürfte den neuen United-Internet-CFO Frank Krause vor keine großen Probleme stellen, da das Unternehmen mit aktuell rund 1,5x Ebitda nur moderat verschuldet ist und hohe Cashflows abwirft. Gelänge der Spin-off des Webhosting-Geschäfts, könnte United Internet sogar nach einer komplett fremdfinanzierten Drillisch-Übernahme den Leverage noch unter 2x Ebitda halten, glaubt die Berenberg Bank.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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