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Big Data: Neue Strategie für die Deutsche Börse

Das Derivategeschäft rückt noch stärker in den Fokus der Deutschen Börse.
Deutsche Börse

Die Deutsche Börse will sich mit neuen Wachstumsakzenten aus dem strategischen Dilemma befreien, in das sich der Dax-Konzern mit dem gescheiterten Vorstoß auf die London Stock Exchange hinein manövriert hat. CEO Carsten Kengeter plant, das Geschäft auf neue Anlageklassen ausweiten und die Börse in eine digitale Kapitalmarktplattform verwandeln. „Zukunftsweisend sind ganz besonders der Devisenhandel sowie der Handel mit Unternehmensanleihen, Energie und Rohstoffen“, sagte der Börsenchef am heutigen Mittwoch im Rahmen der Hauptversammlung.

Bereits im Vorfeld des Aktionärstreffen hatte das „Handelsblatt“ über ein Strategieupdate der Deutschen Börse berichtet. Demnach sähen die Eschborner eine „historische Chance“ für den Ausbau des Derivategeschäfts, zitiert das Blatt aus internen Unterlagen. Einerseits könnte die Börse vom Brexit profitieren: Die Aufsichtsbehörden drängen darauf, dass die lukrative Abwicklung von Euro-Derivaten aus London auf den Kontinent verlagert wird. Neben Frankfurt macht sich aber auch Paris Hoffnungen auf das Euro-Clearing.

Andererseits dürfte auch die Regulierung der Börse in die Hände spielen: So schreibt etwa die EU-Derivateverordnung Emir die schrittweise Ausweitung der Clearingpflicht vor. Davon könnte die Deutsche Börse mit ihrem Clearinghaus Eurex profitieren.

Deutsche Börse will mit kleineren M&A-Deals wachsen

Ausbauen will das Management um den angezählten CEO Kengeter, dem die Staatsanwaltschaft Insidergeschäfte vorwirft, und CFO Gregor Pottmeyer nach eigenen Aussagen auch das Daten- und Indexgeschäft. Vor allem von Big-Data-Anwendungen verspricht sich der Marktplatzbetreiber viel: Der Markt für Informationsdienstleistungen wachse um 12 Prozent pro Jahr, allein dies verspreche bis 2020 zusätzliche Geschäfte mit einem Volumen von 43 Milliarden Euro.  „Das ist für uns eine riesige Chance“, sagte Kengeter. 2015 hatte die Börse dieses Geschäftsfeld bereits mit der Komplettübernahme ihres Indexanbieters Stoxx gestärkt.

Auf Zukäufe will der Börsenchef auch in Zukunft setzen. Nach der geplatzten Fusion mit der LSE, der die Eschborner fast 77 Millionen Euro kostete, dürfte es künftig aber eher um kleinere Übernahmen, Partnerschaften und Beteiligungen an Fintechs gehen. Bereits vor zwei Jahren übernahm die Deutsche Börse die Devisenhandelsplattform 360T . Im vergangenen Jahr erhöhte sie zudem den Anteil an der Energiebörse EEX auf 75 Prozent. Die EEX weitete ihren Umsatz im abgelaufenen Jahr um 23 Prozent auf 216 Millionen Euro aus.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Erfahren Sie alles Wissenswerte über den Finanzchef der Deutschen Börse im FINANCE-Köpfe-Profil von Gregor Pottmeyer.

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