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CFO des Monats: Larry Rosen

CFO des Monats März: Larry Rosen von der Deutschen Post
Deutsche Post

Das Jahr begann für Deutsche-Post-CFO Larry Rosen alles andere als gut:  Anfang Februar fiel der Aktienkurs des Unternehmens unter 20 Euro. Die viele Jahre lang erfolgsverwöhnte Führungscrew der Deutschen Post um Vorstandschef Frank Appel und CFO Larry Rosen geriet gehörig unter Druck. Vor allem zu CFO Rosen häuften sich die kritischen Wortmeldungen, denn in seinem CFO-Beritt tat sich das größte von mehreren unerwarteten Löchern im Konzern auf, die in Summe dafür sorgten, dass die Post ihre Gewinnprognose für 2015 deutlich kürzen musste.

Ein mit großen Hoffnungen gestartetes und von Rosen als transformatorisch bezeichnetes IT-Projekt in der Frachtsparte der Post geriet ins Schlingern. Der Schaden: 345 Millionen Euro. Die Zeitverzögerung: enorm. De facto muss das Projekt komplett neu gestartet werden, und das IT-System bleibt veraltet. Vor allem deshalb sackte der operative Gewinn (Ebit) der Post 2015 um fast 20 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro ab – ein bitterer Bruch des mehrjährigen Aufwärtstrends.

Post-CFO Larry Rosen liefert Signal der Stärke

Doch innerhalb weniger Wochen ist es Rosen gelungen, die Stimmung der Investoren zu drehen. Zunächst überraschte er die Märkte am 8. März mit einem Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro. Einen Tag später verkündete die Post, dass sie ihr reduziertes Gewinnziel erreicht hat. Trotz der Prognosesenkung hatten viele Analysten die Jahresziele immer noch als zu ambitioniert  eingeschätzt und waren positiv überrascht, als Rosen eine Punktlandung ablieferte. Zusammen mit dem generellen Rückenwind der Märkte hat das gereicht, dass sich der Aktienkurs der Post von seinem zwischenzeitlichen Tief wieder um über 20 Prozent absetzen konnte – eine stärkere Steigerung als der breite Markt im selben Zeitraum hingelegt hat. 

„Back to Business“ scheint nun Rosens Devise zu sein. Vorigen Mittwoch nutzte er die von der EZB ausgelöste Gunst der Stunde am Bondmarkt und platzierte Anleihen über 1,25 Milliarden Euro – den Großteil davon nutzt Rosen zur Stärkung der Pensionskasse. Das bringt nicht nur mehr Stabilität in die Bilanz. So kurz nach der Ankündigung eines milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms ist der Deal auch ein Zeichen der Stärke.

Larry Rosen baut sich seinen eigenen Carry Trade

Und in der Tat mausert sich die Post mehr und mehr zu einer Cash-Maschine, selbst in einem Jahr mit Rückschlägen wie 2015. Auch wegen eines strikten Working-Capital-Managements erwirtschaftete die Post voriges Jahr einen Cashflow von über 3,4 Milliarden Euro. Das genügte, um die Ausgaben für Investitionen und Dividenden zu decken, die sich auf knapp über 3 Milliarden Euro summierten. Die auf der Passivseite erfassten Pensionsrückstellungen reduzierten sich gegenüber dem Vorjahr von 7,1 auf 6,1 Milliarden Euro, die Nettofinanzverschuldung von 1,5 auf 1,1 Milliarden Euro. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Free Cashflow der Post sukzessive erhöht – von 484 Millionen auf über 1,7 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr.

Der Cash-Einschuss in die hauseigene Pensionskasse könnte sich darüber hinaus als profitabler Deal für die Post erweisen, denn Rosen hat die Arbitragemöglichkeiten erkannt, die das aktuelle Kapitalmarktumfeld CFOs mit Marktzugang bietet: Für die neu aufgelegten Bonds mit einer Laufzeit von fünf und zehn Jahren muss die Post nur Kupons von 0,375 und 1,25 Prozent bezahlen. Das Pensionsvermögen des Konzerns hat in den vergangenen Jahren jedoch ungleich höhere Renditen erwirtschaftet.

Rosen hat diesen Carry Trade selbst vorgemacht: Schon Ende 2012 hatte er der Post für ihre Pensionskasse 2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgt – für einen durchschnittlichen Zinssatz von rund 2,5 Prozent. Die seitdem erwirtschaftete Zinsdifferenz dürfte dem Post-Konzern – wenn man das Pensionsvermögen mit einbezieht – einen dreistelligen Millionenbetrag gebracht haben.

Gerüchte: Rosen geht in Rente, Melanie Kreis wird Post-CFO

Falls Rosen mit seiner Strategie ein zweites Mal richtig liegt, könnte dies seinem Nachfolger zu Gute kommen – oder seiner Nachfolgerin. Der US-Amerikaner hat kurz vor Weihnachten seinen 58. Geburtstag gefeiert. Es mehren sich die Gerüchte, dass Rosen seinen Ruhestand vorziehen könnte und seinen im August 2017 auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern wird.

Als mögliche Nachfolgerin gilt die Post-Managerin Melanie Kreis, die erst als Finanzchefin die Post-Tochter DHL deutlich effizienter machte und dann zur Personalchefin des Konzerns aufstieg. Die Einigung mit den Gewerkschaften im vergangenen Jahr, bei der es Kreis gelang, mit vergleichsweise geringen Zugeständnissen eine teure Streikwelle zu beenden, gilt als ihr Gesellenstück. Geht Rosen tatsächlich nächstes Jahr in den Ruhestand, hätte er 14 Jahre als Dax-CFO auf dem Buckel – acht Jahre bei der Deutschen Post, sechs Jahre bei Fresenius Medical Care. Abgesehen von der unfertigen IT-Baustelle würde er in Bonn ein bestelltes Haus hinterlassen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Wo Larry Rosen seine Karriere begann und was er bei der Deutschen Post noch erreicht hat, erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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