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CFOs: Strategie statt Cost-Cutting

Die Finanzchefs gewinnen auch in Deutschland weiter an Einfluss. Die Unternehmensberatung Accenture glaubt das sogar belegen zu können.
Thinkstock / Getty Images

Die CFOs haben in den vergangenen zwei Jahren in vielen Unternehmen weiter an Einfluss gewonnen. Das ist das Kernergebnis der Studie „The CFO as Architect of Business Value“ der Unternehmensberatung Accenture. Für sie hat die Unternehmensberatung 600 Finanzchefs und Finance-Bereichsleiter befragt. Davon kamen 32 von deutschen Unternehmen.

Accenture-Studie: Gute Unternehmen haben starke CFOs

So gaben 73 Prozent der Finanzverantwortlichen an, sie hätten im Bereich strategische Entscheidungsfindung mehr oder deutlich mehr mitzureden als früher. 52 Prozent erklärten, sie hätten in der strategischen Planung in den letzten zwei Jahren ein gewichtigeres oder deutlich gewichtigeres Wort bekommen. 61 Prozent gaben an, sie würden mehr oder viel mehr in den Unternehmensumbau einbezogen werden.

Besonders stark hat sich offenbar die Rolle des Finanzchefs bei Unternehmen verändert, die Accenture als „High Performer“ einstuft, weil sie bei Kritierien wie Profitabilität und Wachstum die Nase vorn haben. So gaben bei den „High Performern“ 70 Prozent der Finanzverantwortlichen eine starke Einbindung in den  Unternehmensumbau an – bei  den „Low Performern“ unter den Unternehmen waren es nur 57 Prozent. Analog waren bei den High Performern 55 Prozent der Finanzchefs mehr oder deutlich mehr in die strategische Planung involviert, bei den Low Performern nur 44 Prozent.

Christian Campagna: „CFO-Rolle ändert sich gerade“

„Die Rolle des CFO ändert sich gerade: Er wird von einem reinen Zahlenlieferanten zum zweitwichtigsten Vorstandsmitglied“, sagt Christian Campagna im Interview mit FINANCE. Der Deutsche ist in der Strategie-Abteilung von Accenture für den Bereich CFO & Enterprise Value verantwortlich.

Offenbar haben sich die CFOs auch selbst freigeschwommen für weiterreichende Aufgaben:„Kostenkürzungen im Finanzressort spielen mittlerweile kaum mehr eine Rolle“, gibt Campagna ein Beispiel, wie rein zahlenorientierte Aspekte der Arbeit des Finanzchefs in den Hintergrund rücken. „Das ist anders als vor einigen Jahren, wo es darum ging, den Anteil der Kosten des Finanzbereichs von 3 auf 1 bis 1,5 Prozent vom Umsatz zu drücken.“ Stattdessen sei der CFO heute gefragt, mit Themen wie der zunehmenden Volatilität von Wirtschaft und Märkten oder der zunehmenden Komplexität der Datenströme fertigzuwerden.

Trend besonders stark in Nordeuropa und USA

„Es gibt zwei Typen von CFOs“, legt Campagna seine Sicht dar. „Die einen sagen, dass dieser Trend sie nicht berührt und sie nach wie vor im engeren Sinne nur für Finance-Aufgaben zuständig sind“, sagt Campagna. „Das sind oft ältere CFOs, oft aus Südeuropa oder Asien“. Anders sei es bei jüngeren Finanzchefs aus Nordeuropa oder den USA. „Einer hat letztens zu mir gesagt, er arbeite 70 bis 80 Prozent der Zeit an Nicht-Finance-Aufgaben“, so der Berater.

Der Trend spiegele sich darin wieder, dass viele CEOs von Dax-Unternehmen früher CFOs gewesen seien – wie etwa die aktuellen Unternehmenslenker von Siemens, der Telekom, BASF oder Metro. „Vor 10 bis 15 Jahren wäre das kaum denkbar gewesen“, so Campagna.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de   

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