Newsletter

Abonnements

Corporate Carsharing: sparsame Alternative in der „Dienstwagenfahrernation“

Coporate Carsharing rentiert sich für Unternehmen, wie das Pilotprojekt von Infineon gezeigt hat.
Thinkstock / Getty Images

Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen könnte sich den Einsatz von Corporate Carsharing vorstellen. Das ergab eine repräsentative Studie des Automotive Institute for Management (AIM) der EBS-Business School. Immerhin 17,5 Prozent der befragten Firmen planen aktuell die Einführung eins Corporate Carsharing. Doch nur 3,5 Prozent nutzen es bisher.

Dabei bietet Corporate Carsharing auf den ersten Blick vielfältige Vorteile. Unternehmen können ihre Fuhrparkkosten senken, wenn sie den traditionellen Park durch Carsharing-Fahrzeuge ergänzen. „Als Faustregel können Sie sagen: Bis zu einer Fahrtstrecke von 15.000 Kilometern im Jahr kann Carsharing günstiger als ein Firmenfahrzeug sein“, erklärt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing. Für Außendienstler ist Carsharing nichts. Vielmehr eignet es sich für Kurzstrecken und ist „ein ideales Ergänzungsverkehrsmittel“ zu öffentlichen Verkehrsmitteln, mit denen sich längere Distanzen überbrücken lassen.

Carsharing ermöglicht Unternehmen, „nicht nur Fahrzeuge anzubieten, sondern Mobilität“, meint Professor Tobias Schäfers vom AIM. So kann der CFO mit dem Carsharingfahrzeug zum Flughafen fahren, es auf dem reservierten Parkplatz, und ein Kollege fährt damit bei seiner Ankunft ein paar Stunden später zurück zum Unternehmen. Für Langstrecken ist Carsharing jedoch ungeeignet. Zum einen verschwindet der Kostenvorteil bei hohen Kilometerzahlen. Zum anderen gibt es bislang nur regionale Anbieter – der CFO kann nicht in Frankfurt starten und das Fahrzeug in München zurückgeben, geschweige denn im Ausland. Führt ein CFO Corporate Carsharing ein, sollte er zudem den Incentive-Aspekt bedenken. Die Anreizwirkung des klassischen Dienstwagens als Statussymbol hat ein geteiltes Auto nicht.

Einfache Kostenzurechnung und hohe Flexibilität

Dennoch bietet Carsharing Effizienzvorteile. Willi Loose betont, dass Firmenfahrzeuge oft bestimmten Abteilungen fest zugeordnet sind. Dadurch entstehen Ineffizienzen bei der Auslastung, die sich durch Carsharing vermeiden lassen. Mit einer Chipkarte können die Mitarbeiter bequem auf ein Poolfahrzeug zugreifen. Die Kosten werden automatisch erfasst und der entsprechenden Kostenstelle zugerechnet. Manche Anbieter haben eine geringe Grundgebühr, doch im Wesentlichen zahlt die Firma nur die tatsächliche genutzte Zeit. Steht das Fahrzeug, kostet es nichts. Wenn Mitarbeiter die Fahrzeuge gegen Gebühr auch privat nutzen können, nimmt das Unternehmen sogar noch Geld ein.

Zudem muss Carsharing im Gegensatz zu einem Fuhrpark nicht langfristig bilanziert werden. Gerade bei Elektrofahrzeugen sind die Abschreibungsrisiken nahezu unkalkulierbar: „Da kommt vielleicht morgen der Durchbruch bei der Batterietechnologie, und das Fahrzeug ist wertlos“, pointiert Schäfers. Carsharing ermöglicht die risikolose Nutzung von E-Mobilität und erspart die Anschaffung teurer Ladeinfrastruktur.

Schäfers resümiert: „Carsharing ermöglicht Unternehmen eine effiziente Gestaltung ihrer Mobilität.“ Kapazitäten können flexibel aufgestockt oder abgebaut werden. Dennoch ist der Markt bisher eher anbietergetrieben. Die Nachfrage der Corporates ist vor allem deshalb noch gering, weil sie Zweifel en den Kostensenkungsvorteilen haben, ergab die AIM-Studie. „Es fehlt noch der Nachweis in der großen Dimension“, sagt Schäfers.

Infineon plant Corporate Carsharing an allen deutschen Standorten

Umso wichtiger sind Pilotprojekte wie das von Infineon. Das Halbleiterunternehmen startet im Februar dieses Jahres ein einen Testballon zum Corporate Carsharing. „Wir hatten einen richtigen Hype auf die Fahrzeuge“, sagt Jörg Gerhardt, Leiter des Mobility Service Managements bei Infineon. Das Unternehmen will ab Anfang 2013 damit beginnen, an allen deutschen Standorten von normalen Poolfahrzeugen auf Carsharing-Fahrzeuge umzustellen. Die Autos sind vom Full-Service-Anbieter Alphabet geleast, der auch die Infrastruktur bereitstellt. „Klassische Poolfahrzeuge sind recht unwirtschaftlich. Zum einen ist der administrative Aufwand hoch. Zum anderen stehen die Fahrzeuge oft ungenutzt herum“, erläutert Gerhardt. Im direkten Kostenvergleich konnte Infineon mit dem Carsharing mehr als 30 Prozent einsparen. Das liegt auch an Einnahmen durch die private Nutzung der Fahrzeuge.

Hinzu kommt: „Wir sehen auch ganz erhebliche Einsparungspotentiale bei den Prozesskosten. Zum Beispiel entfällt beim Carsharing die Reisekostenabrechnung. Allgemein sparen die Mitarbeiter viel Zeit – deshalb nutzen sie das Angebot auch so gern.“ Das Hauptrisiko sei die Auslastung, da Infineon die Leasing-Gebühren unabhängig von der Nutzung trägt. Die Auslastung war jedoch von Beginn an sehr hoch, berichtet Gerhardt. Auch die Sorge vor Schäden erwies sich als unbegründet: „Wir hatten kaum Beschädigungen.“ Hinzu kommt, dass ein Corporate Carsharing selbst für ein großes Unternehmen wie Infineon sehr schnell implementierbar ist. Gerhardt hält vier bis acht Wochen für realistisch.

CFOs können mit Carsharing die Fuhrparkkosten drücken, die Mobilität ihrer Mitarbeiter effizienter gestalten und Taxikosten für den Flughafentransfer bei Geschäftsreisen sparen. Gerade jüngere Deutsche beurteilen Carsharing als moderne und hilfreiche Mobilitätsvariante, wie Studien belegen. Das Außendienstfahrzeug oder den Dienstwagen als Incentive ersetzt Carsharing jedoch nicht. Schäfers bringt es auf den Punkt: „Wir Deutschen sind die Dienstwagenfahrernation Nummer eins.“

 

alina.bartscher[at]finance-magazin.de

Info

CFO-Checkliste

Was leistet Carsharing?

  • Ergänzung zum Firmenfuhrpark
  • Flexiblere Mobilität auf kurzen Strecken (Faustregel: unter 15.000 Kilometer pro Jahr)
  • Bessere Fuhrparkauslastung, Kostensenkungen für Mobilität

 

 

Was leistet es nicht?

  • Ersatz für Fuhrpark
  • Einsatz für Vielfahrer oder Langstreckenfahrten
  • Incentive

 

 

Für wen lohnt es sich?

  • Prinzipiell für alle Unternehmen; Professor Tobias Schäfers vom AIM sieht aber eine verstärkte Nutzung einerseits bei sehr großen Firmen mit umfangreichem Fuhrpark und andererseits bei Kleinunternehmen, die zuvor keine Dienstwagen hatten.

 

 

Wer bietet es an?

  • Klassische B2C-Carsharing-Anbieter
  • Spezielle Corporate Carsharing-Anbieter wie Alphabet
  • Unternehmen können selbst zum Anbieter werden, indem sie ihr Flotte mit Carsharing-Technik aufrüsten