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DIC-CEO Höller: „Als CEO stehe ich besonders in der Pflicht“

Ein großes Projekt für DIC Asset: Das Maintor im Herzen Frankfurts
Maintor

Herr Höller, warum haben Sie sich jetzt wieder für eine Mittelstandsanleihe entschieden und nicht für einen klassischen Bankkredit?
Das hat den Hintergrund, dass sich die Bankenfinanzierung durch die Schulden- und Finanzkrise deutlich erschwert hat. Was wir früher einfach über einen Bankkredit abbilden konnten, muss heute in Senior- und Junior-Tranchen strukturiert werden. Gerade bei den Mezzanine-Tranchen verhandelt man häufig nicht mehr mit klassischen Banken, sondern mit Debt-Fonds. Da ist die Anleihe die interessante und teilweise auch günstigere Alternative. Gerade im Vergleich zur Mischkalkulation mit sogenannten Senior- und Junior-Tranchen schneidet sie gut ab. Bereits 2011 sind wir deshalb erstmals diesen Weg gegangen.

Wie waren ihre Erfahrungen mit der ersten Mittelstandsanleihe?
Positiv. Im Mai vor zwei Jahren haben wir eine Anleihe über 70 Millionen Euro mit einem Kupon von 5,875 platziert. Im Rahmen einer Privatplatzierung haben wir sie in diesem Jahr um weitere 30 Millionen Euro aufgestockt und sind vom Entry Standard in den neuen Prime Standard für Unternehmensanleihen gewechselt.

Warum haben Sie sich Anfang Juli entschieden, erneut in den Markt zu gehen?
Da die erste Anleihe gut gelaufen ist und uns die Investoren inzwischen schätzen, haben wir die Gelegenheit genutzt, einen weiteren Bond über 75 Millionen Euro  aufzulegen, was dann auch vom Markt gut aufgenommen wurde. Wir nutzen das Geld, um bestehende Bankverbindlichkeiten zu refinanzieren und für allgemeine Unternehmenszwecke.

Zwischenzeitlich war davon die Rede, dass Sie bis zu 100 Millionen Euro platzieren wollen. Warum ist es am Ende nicht ganz so viel geworden?
Wir sind in einer Zeit herausgekommen, in der die Märkte recht volatil waren – wozu auch beitrug, dass Ben Bernanke mit seinen Aussagen zur Zinspolitik für Unsicherheit sorgte und aus mehreren Gründen die Rückkehr der Eurokrise Thema wurde. Der Börsengang der Deutschen Annington mit all seinen Schwierigkeiten war ein sichtbares Zeichen dafür. Deswegen haben wir uns entschlossen, das Orderbuch zeitnah mit den  angestrebten 75 Millionen Euro zu schließen und den Prozess nicht bis zum Ende auszureizen.

Sie grenzen sich durch die Notierung im Prime Standard für Unternehmensanleihen seit diesem Jahr deutlicher von den Mittelstandsanleihen in speziellen Segmenten wie dem Entry Standard für Unternehmensanleihen ab. Warum?
Wir unterscheiden uns von vielen mittelständischen Emittenten, weil wir eine deutlich höhere Transparenz und einen langfristig positiven Track-Record bieten. Auch unsere Investoren interessiert: Wird der Kupon bedient? Wie verlässlich kann das Unternehmen zurückzahlen? Auf diese Fragen haben wir kalkulierbare Antworten.

Warum liefert DIC Asset den Investoren dann kein Rating? Das ist sowohl im Mittelstandsbereich als auch bei den Benchmark-Bonds der Standard.
Wir verzichten darauf, weil wir als börsennotiertes Unternehmen im SDAX eine sehr hohe Transparenz bieten müssen. Unsere Investoren verlassen sich ohnehin nicht ausschließlich auf Ratings. Hinzu kommt, dass die Aussagekraft vieler Ratings nicht unumstritten ist.

Und eine letzte Frage: Warum nehmen Sie als CEO das Thema Anleihe selbst in die Hand und nicht Ihre Finanzchefin?
Meine Kollegin Sonja Wärntges ist eine hervorragende Finanzexpertin, mit der ich auch bei der Anleihe eng zusammenarbeite. Als CEO stehe ich bei diesem Produkt auch besonders in der Pflicht, die Unternehmensstory und das Geschäftsmodell zu präsentieren und vertreten.

 

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

DIC Asset ist ein Immobilienunternehmen mit Fokus auf Gewerbeimmobilien in Deutschland, vor allem auf Büroimmobilien und Einzelhandelsobjekte. Mit sechs Niederlassungen managt das Unternehmen ein Portfolio mit rund 260 Objekten und einem gesamten Immobilienvermögen von ca. 3,4 Milliarden Euro. Seit Juni 2006 ist die Gesellschaft im SDAX notiert. DIC Asset hat in diesem Juli wieder eine Anleihe platziert. Begleitet wurde die Transaktion vom Bankhaus Lampe und der Baader Bank als Joint Bookrunner und Joint Lead Manager.

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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