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Elector: „US-Akquisitionen auf Werthaltigkeit prüfen“

Kämpfen um die Deutungshoheit: Balda-Großaktionär Thomas van Aubel (links) und CEO Dominik Müser. Van Aubel war bis 2009 Aufsichtsratschef bei Q-Cells und betreibt eine Anwaltskanzlei in Berlin.
Elector, Balda

Wer oder was ist Elector? Wer steckt dahinter. Sie gelten als intransparent.
Die Elector GmbH gehört mir persönlich. Elector ist eine reine Zweckgesellschaft und hält ausschließlich meine Balda-Beteiligung. Ende Dezember 2012 hat die Elector GmbH ein Paket von 26,65 Prozent erworben. Zwischenzeitlich wurde dieser Anteil aufgestockt und beträgt mittlerweile 29,94 Prozent. Es ist nicht beabsichtigt, die Schwelle von 30 Prozent der Anteile zu erreichen oder zu überschreiten. Alle meine Absichten und Ziele bezüglich Balda habe ich im Internet  öffentlich gemacht.

An welchen Firmen ist Elector sonst noch beteiligt?
Die Elector GmbH hält ausschließlich meinen Anteil an der Balda AG.

Wie steht es um die Beteiligungen aus der Solarbranche? Bei welchen Solarfirmen bzw. Firmen im Bereich regenerativer Energien sind Sie noch engagiert?
Ich bin seit Längerem nicht mehr an Modulherstellern beteiligt. Mein Engagement im Bereich Solarenergie beschränkt sich auf die Energieproduktion. Diese Beteiligungen stehen nicht zum Verkauf. Wer behauptet, dass ich vorhätte "wertlose Solarbeteiligungen aus der eigenen Bilanz an Balda zu verkaufen", lügt. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zu meinen privaten Investments, die mit der Balda AG nichts zu tun haben, nicht weiter äußern möchte.

Warum haben Sie es so eilig mit der außerordentlichen HV? Die kostet den Konzern doch sicher einen Beitrag in mittlerer sechsstelliger Höhe – also Geld, das Balda gut gebrauchen könnte.
Es lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Kosten der Außerordentlichen Hauptversammlung überschaubar sein werden. Die vom Vorstand in den Raum gestellten "mehrere Einhundert Tausend Euro" sind deutlich zu hoch gegriffen.
Die direkten Kosten durch Rechtsgutachten, welche der Vorstand zur Verhinderung einer außerordentlichen Hauptversammlung in Auftrag gegeben hat, dürften die Kosten der Durchführung der Veranstaltung deutlich übersteigen. Die indirekten Kosten durch Vermögensschäden für die Aktionäre wären ein Vielfaches höher, wenn der Vorstand weiter unkontrolliert schalten und walten könnte, da der aktuelle Aufsichtsrat ihn mangels Kompetenz nur ungenügend überwacht.

Das haben Gerichte anders gesehen. Die haben den Balda-Aufsichtsrat vorläufig bestätigt.
Der Gesetzgeber hat das Instrument der außerordentlichen Hauptversammlung explizit vorgesehen, und das Amtsgericht Bad Oeynhausen ist bei der Bestellung zweier Aufsichtsratsmitglieder von einer baldigen außerordentlichen Hauptversammlung ausgegangen. Der Vorstand hat es entgegen seiner gesetzlichen Verpflichtung abgelehnt, eine Hauptversammlung einzuberufen. Dies hat auch das Gericht so festgestellt und der Begründung des Vorstandes, der Antrag sei "rechtsmissbräuchlich und nicht dringlich", eine deutliche Absage erteilt.

Die Elector GmbH hat ein ureigenes Interesse daran, die Kosten der außerordentlichen Haupt-versammlung möglichst gering zu halten, da sie diese wirtschaftlich zu 29,94 Prozent mit trägt. Im Gegensatz dazu hat der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Naschke nur sehr wenige Aktien, die andern beiden Aufsichtsräte und der Vorstand besitzen überhaupt keine.

Elector kämpft um die Macht bei Balda

Warum ist die HV in Berlin und nicht wie üblich in Bielefeld? Balda wirft Ihnen vor, die Präsenz vieler Kleinaktionäre aus der Region Ostwestfalen bewusst niedrig halten zu wollen.
Laut Satzung der Balda AG können Hauptversammlungen in jeder deutschen Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern stattfinden. Die Elector GmbH wurde zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung ermächtigt, da das Management dies gesetzeswidrig verweigert hat.

Wenn also jemand Angst vor dem Votum der Aktionäre hat, ist es der Aufsichtsrat. Davon abgesehen: Der überwiegende Teil der Aktionäre sind  neben dem strategischen Investor Elector GmbH institutionelle Investoren und sonstige nicht-institutionelle Anleger. Diese stammen, anders als vom Management behauptet, nicht nur aus Ostwestfalen, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland, und hier besonders aus Großbritannien und den USA. Für den Großteil dieser Aktionäre ist Berlin deutlich leichter zu erreichen als Bad Oeynhausen oder Bielefeld.

Aktionäre, denen die Teilnahme nicht möglich ist, können einen Stimmrechtsvertreter mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragen. Die Hauptstadt als Veranstaltungsort ist auch für den Aufsichtsratsratsvorsitzenden praktisch: Er und ein weiteres Mitglied des Aufsichtsrats wohnen in Berlin, sogar in unmittelbarer Nachbarschaft in derselben Straße.

Was kritisieren Sie an der M&A-Strategie von Herrn Müser? Ist es nicht zu früh, den Kurs bzw. die Akquisitionen von Müser zu kritisieren? Immerhin meldet Balda gerade steigende Aufträge, besser laufende Geschäfte und verbesserte Ertragsaussichten gerade auch in den USA.
Im Schnitt vernichten zwei Drittel aller Akquisitionen Wert für die Aktionäre. Warum soll die Erfolgschance besser sein bei einem Vorstand und einem Aufsichtsrat, der weder über MedTech- noch über M&A-Erfahrung verfügt? Deswegen müssen zunächst die beiden kürzlich getätigten Akquisitionen in den USA genau auf ihre Werthaltigkeit und Profitabilität geprüft werden. Immerhin sind mehr als 75 Prozent des Gesamtkaufpreises von 42 Millionen Euro für Goodwill und immaterielle Vermögensgegenstände gezahlt worden.

Diese Prüfung ist umso notwendiger, weil das Segment Balda Medical im 2. Halbjahr 2012 einen Umsatzeinbruch gegenüber dem Vorjahreszeitraum von fast einem Drittel erlitten hat. Damit hat die Balda AG gleich mehrere operative Baustellen. Bevor diese nicht behoben sind, ist es unverant-wortlich, die Balda Medical in Bad Oeynhausen zu vernachlässigen und noch mehr Geld der Aktionäre zu gefährden. Hier darf nicht versucht werden, fehlendes internes Wachstum durch überteuerte Akquisitionen zu überdecken.

…Diese waren Ihnen allerdings schon bei Ihrem Einstieg Ende Dezember bekannt…
Dass Herr Müser auf Einkaufstour war, hat er selbst mehrfach über die Presse verbreitet. Details zu den beiden Akquisitionen sind mir bis heute nicht bekannt. Insoweit verlange ich zu klären, ob die beiden US-Gesellschaften nicht zu teuer eingekauft worden sind. Bis hierüber und über die künftige Strategie der Balda Klarheit besteht, sollen keine weiteren Akquisitionen getätigt werden.

Der Balda-AR-Chef wirft Elector vor, seine eigene Agenda zu verfolgen und es auf das Cash der Gesellschaft abgesehen zu haben. Sie schreiben etwa, das Cash der Gesellschaft gehöre den Aktionären. Was wollen Sie?
Ich möchte, dass das Vermögen der Aktionäre vor einem inkompetenten Aufsichtsrat geschützt wird. Zu Details einer künftigen Strategie kann ich derzeit noch nichts sagen. Eine Strategie muss erst noch erarbeitet werden, was nur aus dem Unternehmen heraus geht. Aber: Da die beiden US-Unternehmen, die kürzlich erworben wurden, nicht gut laufen, kann es nicht sein, dass mit weiteren Akquisitionen Geld riskiert wird, ohne die Aktionäre zu fragen. Deshalb schlage ich vor, den Aufsichtsrat kompetent zu besetzen…

…das heißt mit drei von Elector benannten Kandidaten…
 …auf Basis einer genauen Analyse des Unternehmens eine Strategie zu entwickeln und diese den Aktionären auf der ordentlichen Hauptversammlung zur Abstimmung vorzulegen. Die Eigentümer sollen entscheiden, was mit ihrem Geld geschehen soll.
Jede Änderung des Unternehmenszwecks bedarf einer 75 Prozent-Mehrheit auf der Haupt-versammlung. Ohne eine solche Zustimmung durch die breite Masse der Aktionäre kann, darf und werde ich nichts unternehmen. Dies habe ich mehrfach gesagt, sowohl dem Vorstand als auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden und der Öffentlichkeit gegenüber. Wenn der Vorstand das Gegenteil behauptet, lügt er.

Sie erheben ihrerseits schwere Anschuldigungen gegen den Balda-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Naschke. Was werfen Sie diesem vor?
Meine Forderung nach der Abwahl von Herrn Dr. Naschke habe ich bereits mehrfach öffentlich begründet: Seine Rolle beim verspäteten Verkauf der TPK-Beteiligung, der massiv Aktionärsvermögen vernichtet hat, ist nach wie vor ungeklärt. Die Kursentwicklung der Balda-Aktie seit seinem Einzug in den Aufsichtsrat ist unbefriedigend.

Uns ist neu, dass man den Aufsichtsrat an der Aktienperformance misst…
Er hat außerdem der Hauptversammlung vor seiner Wahl pflichtwidrig seine Tätigkeit für den vorbestraften Herrn Windhorst verheimlicht und gegen den Corporate Governance Kodex verstoßen. Solange Herr Naschke im Aufsichtsrat sitzt, wird insbesondere seine Rolle beim verspäteten Verkauf der TPK-Beteiligung nie aufgeklärt werden können.

Balda wirft Ihnen vor, dass Sie noch keine Details zur künftigen Strategie nennen. Immerhin hätten Sie rund 55 Millionen Euro investiert, also sicher schon Pläne. In anderen Situationen haben Großaktionäre durchaus ihre Ziele offengelegt. Wenn sich dem andere Aktionäre anschlössen, sei das kein Acting-In-Concert. Sie verweisen dagegen auf die Implikationen eines Acting-In-Concert, die ein Übernahmeangebot einschließen könnten. Nochmal die Frage: Warum sagen Sie noch nichts zu einer alternativen Unternehmens-strategie unter einer möglichen Führung von  Elector?
Auch wenn der Balda-Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende ihre falsche Darstellung wiederholen, wird diese nicht richtiger. Meine Berater sagen mir, dass ich hierzu nichts sagen darf.

 

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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